Sören Gehlhaus
· 14.07.2026
Das Hafenbecken von Monacos Port Hercules verwandelte sich vom 8. bis 11. Juli 2026 in ein Freiluftlabor für die maritime Energiewende. Die 13. Monaco Energy Boat Challenge versammelt 54 Teams aus 21 Nationen mit über 600 Teilnehmern. Organisiert vom Yacht Club de Monaco (YCM) mit Unterstützung der Prince Albert II of Monaco Foundation, UBS, BMW, SBM Offshore, Monaco City Hall, NatPower H und ESA NanoTech, etabliert sich die Veranstaltung als Plattform etabliert, auf der Hochschulen, Forschung und Industrie gemeinsam an maritimen Lösungen arbeiten.
In das Fürstentum reisten Hochschulen aus Indien, Portugal, Kroatien, Polen und China. Erneut stromerte die Seegurke vom Technologischen Gewerbemuseum (TGM) aus Wien durch monegassische Gewässer, die TU Berlin trat dieses Jahr nicht mit WannSea an. Aus dem chinesischen Shenzhen meldete Alaqua Y-H2O, die einen dreisitzigen Foiler ins Rennen schickten. Mit autonomer Routenerkennung und Echtzeit-Lagestabilisierung erreichte der bis zu 33 Knoten.
Zu den teilnehmenden Werften zählten Safe Harbor, Oceanco, die Ferretti- und Azimut-Benetti-Gruppe sowie Lürssen. Die Prototypen durchliefen Tests unter realen Navigationsbedingungen, während Industriepartner die Projekte ganzjährig durch das Corporate Mentoring Programme begleiten und beim Job-Forum mit Nachwuchstalenten in Kontakt treten.
17 Teams aus der Energy Class greifen auf Katamarane zurück, die innerhalb einer Box Rule konstruiert werden müssen. Sie traten in Ausdauer- und Slalomrennen gegeneinander an. Im Gesamtklassement führte am Ende die Universität von Bologna vor den Kroaten von Adria Racing.
Die vier Teams aus der AI Class mussten sich beim autonomen Anlegen, Achtenfahren, Slalom sowie im Sprint beweisen. Unschlagbar in allen KI-Disziplinen war das kroatische Adria Autonomous Boat Team, die österreichische Seegurke landete auf Platz zwei.
Als Königsklasse gilt die SeaLab Class, wo freie Konstruktionen mit Wasserstoff, Methanol, Strom und Solarenergie kombiniert werden – häufig zusammen mit Foils. Das Surge Methanol Foiling Team von der Universität Twente veranschaulichte den Entwicklungssprung anhand ihres Foilers. Der war mit einer 5-kW-Brennstoffzelle für reformiertes Methanol, einer optimierten Tragflügelsteuerung und Leichtbauweise ausgestattet.
Traditionell sind die Niederländer in der offenen Klassen stark. Dieses Jahr aber hatte das Swiss Solar Boat von der École Polytechnique Fédérale de Lausanne nach Speed Race sowie Ausdauer und Manövrier-Aufgaben den Bug vorn. Die Schweizer erreichten während der gesamten Woche regelmäßig Podiumsplätze in den Wettbewerben auf dem Wasser und der E-Championship hinter Bildschirmen an Land. Zusätzlich gewannen die Eidgenossen zwei Tech-Talk-Preise: den Design Prize und den Eco-Design Prize.
YCM-Direktor Bernard d'Alessandri betonte die Katalysatorrolle der Challenge: „Projekte, die hier präsentiert werden, entwickeln sich weiter, und Kooperationen sowie strategische Partnerschaften werden geschmiedet. Wieder einmal zeigte die Challenge, dass Innovationen, die das Zeug dazu haben, den maritimen Sektor zu transformieren, oft in Monaco Schwung gewinnen.”
Die Ergebnisse auf dem Wasser spiegelten den deutlichen Fortschritt der präsentierten Technologien wider. Energy Class, AI Class, SeaLab Class und Open Sea Xperience ermöglichten die Bewertung aller Technologien unter identischen Bedingungen. Trotz einer selbst auferlegten Reduzierung der zulässigen Leistung um fast 30 Prozent stiegen die Durchschnittsgeschwindigkeiten um etwa acht Prozent. Beim Championship Race trennen nur 30 Zentimeter die beiden führenden Teams an der Ziellinie.
Robin Amacher, Operations Manager am Discovery Learning Lab der EPFL, erklärt den Lerneffekt: „Anstatt alles theoretisch zu lernen, bekommen sie die Chance, auf ihrem Wissen aufzubauen, indem sie es in die Praxis umsetzen.” Die von Studenten entwickelten Batterien zeigten verbesserte Leistung durch neue Phasenwechselmaterial-Thermomanagementsysteme, die während Phasen hoher Nachfrage eine optimale Temperatur aufrechterhalten.
In der offenen Klasse stellte die Frauscher x Porsche 790 Spectre einen neuen Geschwindigkeitsrekord mit durchschnittlich 51,05 Knoten auf. Auf Platz zwei mit gut fünf Knoten weniger fuhr das Carbon-RIB XNRG 8.3 aus den Niederlanden. Schnellster aus der Energy Class war der Adria Racing Kat, der im Durchschnitt 26,9 Knoten loggte. Das Team Frauscher x Porsche übertraf den erst im vergangenen Jahr erzielten eigenen Bestwert von 49,84 Knoten, aufgestellt mit der Frauscher x Porsche 850 Fantom und gemessen über zwei Läufe auf einer jeweils einen Kilometer langen Strecke.
„Dass wir unseren erst im vergangenen Jahr aufgestellten Rekord bereits jetzt wieder brechen konnten, ist eine außergewöhnliche Leistung des gesamten Teams. Die 790 Spectre zeigt eindrucksvoll, welches Potenzial in der konsequenten gemeinsamen Entwicklung von Boot, Rumpf und elektrischem Antrieb steckt“, erklärt Stefan Frauscher, Geschäftsführer der Frauscher Bootswerft.
Die Advanced Yachting Technology Conference beleuchtete große Transformationen, die die Zukunft des Yachtsports prägen. Diskussionen machten deutlich, dass die Energiewende nicht mehr allein auf neuen Antriebssystemen basiert, sondern auf einem ganzheitlichen Ansatz, der Energieeffizienz, KI, Datennutzung, Cybersicherheit und neue Designwerkzeuge integriert. Redner betonten die wachsende Rolle von KI bei der Optimierung von Navigation und Design, während menschliche Expertise wesentlich bleibt und besondere Aufmerksamkeit der Cybersicherheit ab der Schiffsentwurfsphase gelten muss.
Das Job Forum zeigte bereits vor Rennbeginn, wie die Challenge Studenten und Unternehmen zusammenbringt. Über zwei Tage fanden fast 300 Interviews statt, die den Weg für Rekrutierungen, Praktika und Kooperationen ebnen. Milena Idolo, Design Unit Coordinator im Team des Politecnico di Milano, sieht darin eine Chance für ihren Karrierestart: „Ich nähere mich dem Ende meines Studiums. Es ist eine großartige Gelegenheit, direkt mit Unternehmen zu sprechen, über unsere Zukunft zu diskutieren und zukünftige Möglichkeiten zu entdecken.”
Ab 2027 tritt die Veranstaltung in eine neue Entwicklungsphase mit dem Start der Monaco Energy Boat Challenge World Series vom 29. Juni bis 3. Juli ein. Diese internationale Qualifikationsserie ist der Energy Class gewidmet. Die erste Qualifikationsveranstaltung findet am Comer See in Italien mit Unterstützung von Volta27 und der Alessandro Volta Foundation statt, bevor es nach Darwin in Australien für Teams aus der Asien-Pazifik-Region geht, gefolgt von einer schrittweisen Einführung auf anderen Kontinenten. Diese Qualifikationsveranstaltungen ermöglichen neuen Teams die Teilnahme an der Challenge, während die sportlichen und technologischen Standards, die das FInale in Monaco definieren, bewahrt bleiben.
2026 MEBC Champion:
Energy Class:
AI Class:
SeaLab Class:
Prince Albert II of Monaco Foundation Sustainable Yachting Technology Award:
Innovation Prize:
Design Prize:
Communication Prize:
Eco-Design Prize supported by MarineShift:
Jury Coup de Cœur Prize:
Rookie Prize:
SeaLab record over 16 nautical miles:
E-Sport Championship:

Stellvertretender Chefredakteur BOOTE EXCLUSIV
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