Optima Electric YachtsDie Chance auf eine eigene Werft?

Jan-Ole Puls

 · 26.05.2026

Optima Electric Yachts: Die Chance auf eine eigene Werft?Foto: Optima Electric Yachts
Hier ist die Optima e14 als Rendering zu sehen.
Der britische Hersteller Optima Electric Yachts sucht einen neuen Eigentümer, um seine Elektroboote in die Serienproduktion zu überführen. Das Unternehmen verfügt über eine patentierte Rumpftechnologie und hat bereits mehrere Prototypen entwickelt, darunter die Optima e10, die 2023 als erstes Elektroboot die Isle of Wight umrundete.

Themen in diesem Artikel

Optima Electric Yachts aus Großbritannien hat im Mai 2026 bekannt gegeben, dass das Unternehmen einen neuen Eigentümer sucht. Die Firma entwickelt seit mehr als fünf Jahren elektrisch betriebene Yachten mit einem speziellen Rumpfdesign, das den Energieverbrauch senken soll. Bisher hat Optima 1,6 Millionen Pfund an Fördergeldern für Forschung und Entwicklung erhalten. Mit der Übernahme durch einen neuen Eigentümer soll die Serienproduktion beginnen.

Rumpftechnologie für mehr Reichweite

Das Kernstück der Optima-Boote ist eine patentierte Rumpfform, die mithilfe von Computerberechnungen (Computational Fluid Dynamics, kurz CFD) entwickelt wurde. Diese Berechnungen simulieren die Strömung des Wassers am Rumpf und zeigen, wo Widerstand entsteht. Durch die Optimierung der Form reduziere sich der Widerstand deutlich, so der Hersteller. Das bedeute weniger Energieverbrauch und damit eine größere Reichweite mit einer Batterieladung. Laut Werft soll die Reichweite bei Reisegeschwindigkeit über 150 Seemeilen betragen, was rund 278 Kilometer entspricht.

Optima e10 als Flaggschiff

Das erste Serienmodell ist die Optima e10, eine 10,6 Meter lange Elektroyacht für bis zu acht Personen. Der Antrieb leistet 40 Kilowatt, was etwa 54 PS entspricht. Im Jahr 2023 umrundete die e10 als erstes Elektroboot die Isle of Wight ohne Zwischenstopp. Die Strecke ist 55 Seemeilen lang, das sind etwa 102 Kilometer. Nach der Fahrt kostete das Aufladen der Batterie 20 Pfund. Das Boot gewann mehrere Auszeichnungen für seine Effizienz und sein Design. Die e10 richtet sich an Freizeitskipper, die leise und emissionsfrei fahren möchten.

Kommerzielle Modelle für Passagierverkehr

Neben der Freizeityacht hat Optima auch Konzepte für gewerbliche Nutzung entwickelt. Das Modell e14 ist 14 Meter lang und kann als Wassertaxi oder kleine Fähre eingesetzt werden. Es bietet Platz für zwölf Passagiere in einer Luxusausführung. Für den öffentlichen Nahverkehr auf dem Wasser plant die Werft größere Versionen mit bis zu 50 Sitzplätzen. Diese Boote sollen Hotels, Resorts und Städte ansprechen, die ihre Gäste oder Bürger umweltfreundlich über Wasserstraßen transportieren wollen. Viele Kommunen und Tourismusbetriebe setzen zunehmend auf emissionsfreie Transportmittel, um gesetzliche Vorgaben zu erfüllen und ihr Image zu verbessern.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Wachsender Markt für Elektroantriebe

Die Nachfrage nach elektrischen Bootsantrieben steigt weltweit. Strengere Umweltauflagen in Häfen und Naturschutzgebieten begrenzen den Einsatz von Verbrennungsmotoren. Gleichzeitig investieren Regierungen und private Unternehmen in Ladeinfrastruktur an Marinas und Anlegestellen. Optima sieht darin eine Chance für sein Rumpfkonzept, das sich laut Hersteller auch auf größere Schiffe übertragen lasse. Denkbar seien Fähren, Arbeitsboote und Luxusyachten mit ähnlicher Technologie.

Was die Übernahme umfasst

Ein potenzieller Käufer erwirbt die Rechte an der patentierten Rumpftechnologie, alle bisherigen Entwicklungsdaten und die Werkzeuge für den Bootsbau. Dazu gehören die Designs für die e10, die e14 und weitere geplante Modelle. Die Firma verfügt über validierte Prototypen, die bereits im Einsatz getestet wurden. Interessenten können das Unternehmen komplett übernehmen oder strategische Partnerschaften eingehen. David Kendall, Geschäftsführer von Optima Electric Yachts, erklärt: "Wir haben Jahre damit verbracht, eines der größten Hindernisse für die Elektrifizierung von Booten zu lösen – die Effizienz der Rümpfe. Jetzt suchen wir den richtigen Partner, um in die kommerzielle Produktion zu gehen."


Jan-Ole Puls

Jan-Ole Puls

Redakteur Test & Technik

Ole Puls wuchs auf Jollen und Dickschiffen auf und kam so früh mit dem Segeln in Berührung. Nach der Schule absolvierte er eine Ausbildung zum Bootsbauer im Bereich Hightech-Kohlefaserbau. Seit 2022 ist er im Ressort Test & Technik tätig. Zu seinen Aufgaben zählen Bootstests von Motorbooten aller Art sowie praxisnahe Technikthemen. Die Sommer verbringt er auf dem Wasser und meist auf der Ostsee oder Schlei.

Meistgelesen in der Rubrik Boote