Die Stralsunder Werft Pioneer Yachts zeigt mit der PY60 ihr erstes Modell. Der 18 Meter lange Katamaran setzt auf Solarenergie als Hauptantriebsquelle. Gründer Mike Frank entwickelte das Konzept, nachdem er eine Lücke im Markt für praxistaugliche Solar-Elektro-Yachten erkannte. Das Unternehmen beschäftigt ein Team mit über 275 Jahren kombinierter Erfahrung im Yachtbau.
Die PY60 arbeitet mit einem integrierten Energiesystem. Solarpanele auf Deck, Flybridge und den Außenflächen erzeugen Strom für den Antrieb und alle Bordverbraucher. Eine Batteriebank mit 246 Kilowattstunden speichert die gewonnene Energie. Das 48-Volt-Bordnetz vereinfacht die Wartung, da entsprechende Elektrofachkräfte weltweit verfügbar sind. Zusätzlich stehen APUs (Auxiliary Power Units, Hilfsstromerzeuger) bereit, die bei längeren Fahrten oder geringer Sonneneinstrahlung Energie liefern. In sonnigen Ankerrevieren versorgen Solarpanele und Batterie laut Hersteller die Bordverbraucher ohne Einsatz der APUs.
Messungen während der Erprobungsfahrten zeigten einen durchschnittlichen Leistungsbedarf von 6,75 Kilowatt bei fünf Knoten Fahrt. Die Höchstgeschwindigkeit gibt Pioneer Yachts mit elf Knoten an. Im reinen Elektrobetrieb soll die PY60 bei fünf Knoten 150 Seemeilen zurücklegen können. Mit kontinuierlich laufenden APUs erreiche das Boot eine Reichweite von 5.000 Seemeilen bei gleicher Geschwindigkeit. Die tatsächlichen Werte hängen von Sonneneinstrahlung, Windverhältnissen und Strömung ab.
Das italienische Designbüro Cossutti & Ganz zeichnet für Rumpfform und Außendesign verantwortlich. Die schlanken Wasserlinien und optimierten Heckpartien reduzieren den Widerstand. CFD-Analysen (Computational Fluid Dynamics, computergestützte Strömungssimulation) halfen bei der Entwicklung der Kiellinie und der Abstimmung zwischen Rumpf und Propeller. Das Leergewicht von 30 Tonnen trägt zur Effizienz bei. Die Solarpanele wurden von Beginn an in die Deckskonstruktion und das Flybridge-Design integriert.
Micheletti + Partners gestaltete den Salon. Eine großformatige Cockpittür verbindet Außen- und Innenbereich auf einer Ebene. Breite Seitendeck-Durchgänge erleichtern die Bewegung an Bord. Panoramafenster bringen Tageslicht in die Kabinen. Die Bedienung erfolgt über zentrale Displays und Gashebel. Tägliche Systemchecks sollen sich einfach durchführen lassen. Das Konzept richtet sich an Eigner, die längere Zeit an Bord verbringen und Wert auf leisen Betrieb legen.
Die erste Einheit mit dem Namen Pioneer One debütierte vom 8. bis 13. September 2026 in Cannes. In den kommenden Monaten bleibt das Boot im Mittelmeer und der Adria. Interessenten können dort Probefahrten unter realen Bedingungen absolvieren. Preise nennt die Werft noch nicht.

Stellvertretender Chefredakteur BOOTE
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