Kein Motorenröhren, kein Wellenklatschen, kein Spray im Cockpit – die Candela C-8 schwebt über den Main. Sealectric veranstaltete in Kooperation mit Skyline Boating und dem Wassersportzentrum Frankfurt ein zweitägiges Test-Event. Interessenten konnten das erste seriengefertigte Elektroboot mit Hydrofoil-Technologie selbst fahren. Ab etwa 16 Knoten erzeugen die T-förmigen Tragflächen genug Auftrieb, um den gesamten Rumpf aus dem Wasser zu heben. Das Boot gleitet stabil und flüsterleise dahin, selbst bei stärkerem Seegang kein Stampfen, kein Rollen. Das Fahrgefühl erinnert weniger ans Bootfahren als ans Fliegen in einem Ultraleichtflugzeug. Während andere Elektroboote gegen den Wasserwiderstand ankämpfen, hebt die C-8 schlichtweg ab.
Die C-8 besteht vollständig aus Prepreg-Kohlefasern. Das Cockpit erinnert mehr an einen modernen Elektro-Sportwagen als an ein klassisches Motorboot: aufgeräumt, digital, reduziert. Das Batterie- und Managementsystem stammt von Polestar, der Volvo-Tochter aus Schweden. Carbon-Sportsitze für Fahrer und Beifahrer, eine Heckbank für drei Personen und eine Liegefläche von 1,40 mal 1,65 Metern machen die C-8 auch für längere Törns tauglich. Unter Deck setzt sich das minimalistische Konzept fort: weiße GFK-Oberflächen, helle Polster, eine kompakte Toilette und eine Liegefläche von 1,58 mal 2,70 Metern für zwei Personen.
Das Herzstück der C-8 ist das Foil-Control-System, eine Eigenentwicklung von Candela. Sensoren erfassen kontinuierlich Bewegungen, Wellen, Wind und Steuerbefehle. Ein Bordcomputer berechnet daraus in Echtzeit die Position der Tragflächen – bis zu hundert Mal pro Sekunde. Der Fahrer merkt davon so gut wie nichts. Das Boot bleibt einfach stabil, ruhig, schwebend. Angetrieben wird die C-8 vom eigens entwickelten Candela C-POD: einem direkt in der Foil-Sektion integrierten Elektromotor mit 45 Kilowatt Dauerleistung und zwei gegenläufigen Propellern. Kein Getriebe, keine Antriebswelle, kein Impeller – wartungsarm und ausgelegt für über 3.000 Betriebsstunden.
Dank der Foil-Technologie sinkt der Energieverbrauch im Schwebeflug um bis zu 80 Prozent im Vergleich zu herkömmlichen Gleitbooten. Der 69-Kilowattstunden-Akku ermöglicht eine Reichweite von bis zu 50 Seemeilen bei 22 Knoten. Geladen wird per Drehstrom in rund fünf Stunden, per DC Fast Charging in unter zwei Stunden. Bei einem 2023 durchgeführten Wettbewerb legte das Foilboot eine Strecke von 420 Seemeilen in 24 Stunden zurück und stellte damit einen neuen Weltrekord auf. Der Energieverbrauch liegt bei etwa 0,9 Kilowattstunden pro Seemeile – je nach Stromtarif unter 30 Cent pro Meile. Ein klassisches Motorboot ähnlicher Größe verbraucht bei 29 Knoten rund 1,7 Liter Diesel pro Seemeile, das entspricht etwa 3,06 Euro pro Meile.
Am zweiten Wochenende im Juni zückten viele Passanten entlang des Mains ihre Handys, um zu filmen, was da nicht auf, sondern über dem Wasser durch die Stadt fuhr. Vor der Kulisse von Bankentürmen und EZB-Tower konnten Interessenten die C-8 ausgiebig testen. „Es ist immer eine Freude zu sehen, wie positiv das Boot aufgenommen wird", sagt Philip Demler von Sealectric. „Nach der Anspannung beim ersten Abheben kommt sehr schnell die Erkenntnis, dass das Fahren mit der C-8 viel entspannter ist als mit herkömmlichen Booten. Das Boot fliegt sanft über die Wellen, und bei 22 Knoten Fahrt unterhält man sich ganz relaxed im Cockpit, weil es einfach extrem leise ist."
Die positive Resonanz zeigt sich auch bei denen, die nicht an Bord sind. Stand Up Paddler, Segler und Ruderer nicken freundlich und anerkennend, wenn das Boot an ihnen vorbeifährt, weil es beim Foilen keine störende Heckwelle erzeugt. Die Touristen auf den Fahrgastschiffen ignorieren kurz die Frankfurter Skyline und bewunderten stattdessen das schnelle Boot, das da fast lautlos an ihnen vorbeizog. „Wenn man mit der C-8 unterwegs ist, bekommt man viel Aufmerksamkeit, aber immer in einem positivem Sinn", bemerkt Philip Demler. „Die meisten Leute haben so etwas ja noch nie live gesehen." Das Thema Foilen ist mittlerweile vielen zumindest aus den Medien bekannt, spätestens seitdem auch die Boote beim Americas Cup und bei der Vendee Globe auf Foils unterwegs sind.
Das Event in Frankfurt fand in Kooperation mit Skyline Boating statt, die in der Frankfurter Westhafen Marina einen Bootsverleih mit Schulungsangeboten betreiben – auch teilweise mit Elektrobooten. Die Kieler Elektroboot-Spezialisten von Sealectric vertreiben die Candela Boote in Deutschland, mit Ultramarin und Meichle & Mohr als süddeutschem Partner. BOOTE-Leser hatten im vergangenen Jahr im Rahmen der BOOTE Foil Experience bereits die Möglichkeit, die Candela C-8 in Neustadt und am Bodensee zu testen. Sealectric kennt sich auch mit Efoilen aus, als Fliteboard-Händler für ganz Norddeutschland und Betreiber mehrerer Efoil-Schulen.
Ende Juni ist die Candela C-8 wieder auf dem Bodensee zu sehen. Im Rahmen des Lindau Nobel Laureate Meetings, einer großen Konferenz für Nobelpreisträger, zeigt Sealectric die Vorzüge der C-8 als VIP-Shuttle vom Festland zur Insel Lindau. Auch dort werden wieder Probefahrten mit Interessenten stattfinden.

Chefredakteur YACHT und BOOTE Exclusiv
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