TestSolarboot “d’Ampère” – Klassische Form, moderne Technik

Jan-Ole Puls

 · 27.11.2022

Das restaurierte Boot von 1992 erstrahlt in neuem Glanz
Foto: Julian Fietze

„Es muss nicht immer neu sein.“ Das war das Motto beim Bau des Solarbootes der Werft Alveus Bootsbau

Es ist Freitagnachmittag. Die Sonne scheint auf Berlin und lässt auf ein sonniges Wochenende hoffen. Leise bewegt sich die „d’Ampère“ durch das trübe Wannsee-Wasser. Wir genießen die Stille. Das Besondere an diesem Tag ist der Antrieb.

Die Werft Alveus Bootsbau aus Potsdam stellt uns ihr Elektroprojekt vor. Wir durften das circa 6,6 Meter lange Boot, eine Drascombe aus England, testen. Die Alveus-Werft hat den alten Rumpf gekauft und restauriert. Die Idee dahinter, so erklären die zwei jungen Werfteigentümer, ist es, nicht immer alles neu zu kaufen. Es ist möglich, bestehende Boote umzurüsten, sodass diese einem neuen Boot in keiner Weise nachstehen.

Außerdem ist es den beiden wichtig, so wenig wie möglich neue Ressourcen zu verwenden. Dabei immer im Blick: die Umwelt. Es muss nicht immer ein Verbrenner sein. Ein Elektro-Außenborder ist für diesen Bootstyp eine gute Alternative, es muss nur sichergestellt werden, dass die Batterien nachgeladen werden können. Dass ihnen dieser Umbau gelungen ist, können die zwei jungen Bootsbauer Hilmar Dembler-Malik und Fritz Müller eindrucksvoll beweisen.

An der Qualität der Restaurierung ist nichts aussetzen, das Boot ist von 1992 und sieht aus wie neu. Egal ob es der Neubau von Holzteilen wie der Scheuerleiste oder der Batteriekiste, die Überholung des Gelcoats oder das Aufarbeiten der alten Beschläge ist, alles blitzt und blinkt, besser als neu.

Topmerkmal: Der besondere Antrieb

Das Außergewöhnliche an diesem Boot ist allerdings der Antrieb: ein Torqeedo Cruise 2.0. Dieser kleine 24-Volt-Elektromotor mit 2 kW Antriebsleistung beschleunigt das Boot auf maximal 6,5 Knoten. Kein Außenbordergeknatter, keine Abgase. Nur das Geräusch der kleinen Wellen, die gegen den Bug schlagen, sowie das leise, monotone Summen des Elektro-Außenborders. Geladen werden die 260-Amperestunden-Akkus mittels Solarpaneelen, welche auf dem Bimini-Top angebracht sind. Diese erreichen bei optimalen Bedingungen eine maximal Ladeleistung von 700 Watt und können das Boot somit autark aufladen.

Bei der von der Werft festgelegten Marschfahrt von 4,5 Knoten ist die Reichweite mit ungefähr 30 sm plus 16 Prozent Reserve angegeben. In unserem circa drei Stunden andauernden Test hat der Akku fast nichts an seinem Ladezustand verloren. Wir konnten das Boot mit der gleichen Akku-Spannung anlegen, mit der wir es auch abgelegt hatten.

Da der Steuerstand untypischerweise im Bugbereich des Bootes verbaut ist, fährt es sich auf den ersten Metern ungewohnt. Das legt sich aber nach den ersten Minuten schnell, und wir fahren mit 5 Knoten über den Wannsee. Es ist nicht schnell, aber ausreichend, um einen gemütlichen und entspannten Tag auf dem Wasser zu verbringen, es muss nicht immer die Rauschefahrt sein. Die Stille und das Wissen, sich fast keine Gedanken um die Batterieladung machen zu müssen – diese werden ja von der Sonne geladen –, sind herrlich beruhigend.

Und was ist mit mehr Power?

Auf die Frage, ob es möglich sei, das Boot mit mehr kW auszustatten, nickt der Bootsbauer und Mitgründer der Werft Hilmar Dembler-Malek und antwortet: „Das ist möglich, wir wollten aber erst einmal schauen, ob es überhaupt funktioniert, was wir uns vorgestellt hatten.“ Unserer Meinung nach ist es auch nicht unbedingt nötig. Die von uns berechnete Rumpfgeschwindigkeit liegt bei ungefähr 6 Knoten, die erreicht das Boot schon mit dem Torqeedo-Cruise-2.0-Antrieb. Für höhere Geschwindigkeiten müsste das Boot ins Gleiten kommen, und das ist bauartbedingt ohnehin nicht möglich.

Besonderes Augenmerk fällt auf die Bimini-Konstruktion. Das Alurohr-Konstrukt ist der Träger der zwei Solarmodule. Diese sind teils durchsichtig, so ist ein angenehmer Schatten im Boot, ein bedrückendes Gefühl kommt dabei aber nicht auf.

Um den Bügel am Boot zu befestigen, gab es keine einfache zu kaufende Lösung. Die Füße müssen einstellbar sein und sich somit an den Deckssprung anpassen. Daher bot es sich an, selbst etwas Passendes zu entwerfen. Schnell kamen die beiden Bootsbauer auf den 3-D-Drucker. Sie fertigten eine Zeichnung an und überlegten sich, wie sie am besten umsetzbar sein könnte. Ein Nachbar im Gewerbepark konnte dabei helfen und den Entwurf dann auch drucken. Und auch für die Gemütlichkeit wurde gesorgt. Die Sitzflächen sind mit selbst angefertigten Stoffpolstern bezogen und unterstreichen das Image von einem gemütlichem Daycruiser für ruhige Gewässer.

Fazit

Nach unserem ersten Eindruck und einigen gefahrenen Metern kann man sagen: Das Projekt ist gelungen. Das Boot sieht gut aus und – das Wichtigste – es funktioniert gut. Wer etwas für Seen oder ruhige Gewässer sucht, hat hier eine gute Alternative zu den klassischen Booten mit Verbrennungsmotoren gefunden. Allerdings ist es unserer Meinung nach nur für Seen gedacht. Auf offenem Gewässer wäre es falsch aufgehoben.

Technische Daten

Das Boot

  • Typ: Drascombe Boats
  • Länge über alles: 6,63 m
  • Länge Wasserlinie: 5,50 m
  • Breite: 2,00 m
  • Gewicht (o. M.): 600 kg
  • Baujahr: 1992
  • Kraftstoffart: Elektro
  • Motorisierung: Außenborder 2,0 kW
  • Batteriekapazität: 260 AH bei 24 Volt
  • Refit-Werft: Alveus Bootsbau

Der Motor

  • Hersteller: Torqeedo
  • Typ: Cruise 2.0
  • Leistung: 2.0 kW
  • Kraftstoff: Elektro
  • Aufladung: Solarmodule


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