X Shore wurde 2016 mit dem erklärten Ziel gegründet, das Motorboot neu zu denken: elektrisch, leise, emissionsfrei, kombiniert mit skandinavischem Design und digitalem Nutzererlebnis. Modelle wie die Eelex 8000 und später die X Shore 1 sorgten international für Aufmerksamkeit und positionierten die Marke im Premiumsegment.
Doch hinter dem ästhetischen und technologischen Anspruch stand ein kapitalintensives Geschäftsmodell. Spätestens im Herbst 2025 geriet dieses ins Wanken, als zunächst die Produktionsgesellschaft X Shore Production AB Insolvenz anmeldete. Trotz öffentlicher Beschwichtigungen, der operative Betrieb sei nicht gefährdet, folgte im Januar 2026 der Konkurs der Muttergesellschaft.
Besonders bemerkenswert ist die ungewöhnlich offene Kommunikation von Firmengründer Konrad Bergström, der sich öffentlich zur Verantwortung bekannte. In einem Statement erklärte er:
Als Gründer und Leiter erkenne ich meine Verantwortung dafür an, wie dieses Kapitel verlaufen ist, und ich bedauere zutiefst die Härten und Enttäuschungen, die dieses Ende verursacht hat.“
Bergström betonte, dass zahlreiche Optionen zur Restrukturierung geprüft worden seien, letztlich aber kein tragfähiger Weg gefunden werden konnte, um den Geschäftsbetrieb unter den gegebenen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen fortzuführen.
Branchenbeobachter verweisen darauf, dass die Insolvenz weniger ein Zeichen mangelnden Interesses an Elektromotorbooten sei, sondern vielmehr die Grenzen eines hoch ambitionierten Produktionsansatzes aufzeige. Hohe Fixkosten, begrenzte Stückzahlen, volatile Lieferketten und ein vergleichsweise kleiner Premium-Markt trafen aufeinander.
Bergström selbst verweist auf die ursprüngliche Motivation hinter der Werft:
Unsere Ambition war, das gesamte Erlebnis neu zu denken. Bootfahren soll sich modern anfühlen – keine Geräusche, kein Abgas, einfach Präsenz auf dem Wasser.“
Gerade dieser ganzheitliche Anspruch, vom Design über Software bis zur Fertigung machte X Shore technologisch interessant, wirtschaftlich jedoch schwer skalierbar.
Für Kunden und Partner bedeutet die Insolvenz zunächst Unsicherheit. Service, Ersatzteilversorgung und Garantiefragen hängen nun von den Entscheidungen des Insolvenzverwalters und möglicher Investoren ab. Rund 70 Mitarbeiter waren zeitweise betroffen.
Gleichzeitig zeigt der Erwerb von Produktionsanlagen und fertigen Booten durch den norwegischen Investor Staale Reiersen, dass die zugrunde liegende Technologie weiterhin als werthaltig angesehen wird. Reiersen plant, Teile der Fertigung wieder aufzunehmen oder die Marke in veränderter Form fortzuführen.
Trotz der formellen Insolvenz sieht Bergström das Kapitel Elektromobilität auf dem Wasser keineswegs als abgeschlossen:
Auch wenn X Shore als Unternehmen vielleicht endet, werden die Ideen, die es eingeführt hat, weiterleben. Meine Hoffnung ist, dass X Shore mit dem richtigen Partner einen neuen Anfang finden kann.“
Diese Aussage bringt den Kern der Situation auf den Punkt: Sie scheiterten nicht an der Idee, sondern an der Umsetzung unter realen Marktbedingungen.
Für die internationale Motorboot- und Yachtbranche ist der Fall X Shore ein realistischer Weckruf. Elektrische Antriebskonzepte gelten weiterhin als Zukunftstechnologie. Doch ihr Erfolg hängt weniger von Designpreisen als von wirtschaftlicher Tragfähigkeit, modularen Produktionsstrategien und realistischen Absatzmodellen ab. Die Schweden dürften daher weniger als gescheitertes Experiment in Erinnerung bleiben, sondern vielmehr als Fallbeispiel für eine Branche im technologischen Umbruch.