Bluegame betreibt mit dem BGF45 Technologietransfer – und stapelt doch tief: Der Kat gibt auf den ersten Blick nicht preis, dass unter den Rümpfen Foils für Fahrkomfort und Verbrauchseffizienz sorgen. Und das ist nicht sein einziges Geheimnis.
Man könnte sagen, Bluegames BGF45 ist weit mehr als ein neuer Powerkatamaran. Er ist ein schwimmendes Statement dafür, in welche Richtung sich der moderne Motoryachtbau entwickeln könnte. Mit 14,15 Meter Länge und einer Breite von 5,12 Meter wirkt das Modell auf dem Papier zunächst unspektakulär. Zumal Konkurrenzmodelle wie der Leopard 46 bei ähnlicher Länge über zwei Meter mehr aufspannen. Doch genau in dieser scheinbaren Zurückhaltung liegt der Kern des Konzepts begründet: Mit dem BGF45 setzt Bluegame nicht auf maximale Innenbreite, sondern auf hydrodynamische Effizienz, strukturelle Präzision und eine Formensprache, die bewusst schlank bleibt.
Im Zentrum steht ein Element, das diesen Ansatz erst möglich macht: ein fest installiertes Foil zwischen den Rümpfen, das bei höherer Geschwindigkeit Auftrieb erzeugt und den Wasserwiderstand senkt. Es ist weit mehr als technisches Beiwerk. Die Wurzeln liegen im America’s Cup und damit nicht weit entfernt von der Motorbootmarke, die der ehemalige Profisegler Luca Santella 2004 gründete und die mittlerweile ein Teil der Sanlorenzo-Gruppe ist. Für die 2024er Cup-Ausgabe entwickelte Bluegame das wasserstoffbetriebene, voll foilende Chaseboat BGH-HSV, das die Teams American Magic und Orient Express Racing einsetzten. Die gewonnenen Erkenntnisse über Flügelgeometrie, Lastverteilung und hydrodynamische Stabilität flossen unmittelbar in die Serienentwicklung ein. Allerdings setzt der BGF45 auf sanften Technologietransfer. Der starre Querflügel passt sich nicht fortwährend algorithmusgesteuert dem Wellen- und Flugbild an – anders als es zum Beispiel bei dem Elektrofoiler Candela der Fall ist.
Am Steg fällt zunächst die ungewöhnliche Präsenz des BGF45 auf. Klar gezeichnet und ohne jede Übertreibung liegt der Kat im Wasser, als wolle er seine Fähigkeiten erst auf See offenbaren. Die Linien wirken konzentriert, beinahe sportlich-asketisch. Und doch deutet die sorgfältige Ausarbeitung jedes Details an, dass hier weit mehr zu erwarten ist als nur eine weitere Motoryacht der 14-Meter-Klasse für die oberen Zehntausend.
Im Praxistest zeigt sich der Effekt des Flügels bereits ab etwa 18 bis 20 Knoten. Das Heck bleibt im Wasser, doch der Bug hebt sich spürbar, wodurch Wellen sanfter überschnitten oder regelrecht überflogen werden. Das Ergebnis ist ein Fahrgefühl, wie man es von größeren oder spezialisierteren Yachten kennt: ruhig, gelassen, von bemerkenswerter Leichtigkeit.
Auf unserer Probefahrt vor Cannes – bei mit acht Personen gut gefülltem Boot und einem Kraftstoffvorrat von 35 Prozent – erreichte der BGF45 eine Maximalgeschwindigkeit von 38,1 Knoten. Laut Werftangaben lässt sich der Verbrauch bei Reisegeschwindigkeit, die in etwa bei 28 Knoten liegt, um bis zu 30 Prozent reduzieren, was sowohl dem eigenen Budget als auch der Umwelt zugutekommt.
Auffällig auch, dass selbst bei höheren Geschwindigkeiten der Schallpegel im Cockpit angenehm moderat bleibt und Vibrationen kaum wahrnehmbar sind. Die Kombination aus Foil und IPS-Antrieben führt dazu, dass sich das Boot bereits bei Reisegeschwindigkeit vom Wasser löst. Nur minimal, aber schon das führt zu weniger Dröhnen und Schlägen. Das Handling bleibt dennoch unkompliziert. Volvo Pentas IPS-Antriebe erlauben präzise Manöver. Die Kombination aus schlanken Rümpfen, niedrigem Widerstand und foilgestützter Stabilität vermittelt ein Fahrgefühl, das weder sportlich-nervös noch träge wirkt.
Ebenso interessant ist, wie ausgewogen der BGF45 auf wechselnde See reagiert. Die schmalen Wasserlinien schneiden Wellen präzise, ohne hart einzuschlagen. Und der Kat bleibt auch dann unter Kontrolle, wenn Wind und Welle seitlich angreifen. Puristen mögen das als zu gutmütig empfinden, für die meisten Eigner jedoch ist genau diese Gelassenheit ein entscheidender Vorteil. Unter Deck beweist der BGF45, dass Effizienz und Komfort nicht im Widerspruch zueinander stehen müssen. Vorn und über die gesamte Breite des Kats erstreckt sich die größte der zwei Kabinen in einer Art Wanne, die der weiche Mittelsteven bildet. Dazu kommt ein flexibel nutzbarer dritter Raum – ein Layout, das sich in dieser Klasse nur selten findet und eher an voluminösere Modelle wie die Aquila 46 erinnert.
Große Fensterflächen, die lackierte Perforationen von außen nicht sofort als solche erkennen lassen, schicken viel Tageslicht ins Innere, während leichte Verbundmaterialien und Carbon-Elemente das „Abfluggewicht“ senken. Die Gästekabine und das Bad sind funktional und vermitteln ein modern-maritimes Wohnambiente.
Auch an Deck setzt sich dieser Eindruck fort. Die hydraulisch absenkbare Badeplattform agiert als Wasserzugang, Tenderstation, Dockleiter oder Loungefläche dicht über der Wasserlinie. Eine Schneise in der überbreiten Sonnenliege führt ins gut durchdachte Cockpit mit Klapptisch, komfortabler Sitzecke und dezent integrierter Galley unter dem Hardtop. Hier offenbart sich die Stärke der Italiener: Funktion und Design, ausgearbeitet mit dem langjährigen Partner Zuccon International Project. Dass die italienische Werft dieses Zusammenspiel hervorragend beherrscht, zeigt sie auch bei anderen Modellen ihrer Premium-Palette – und bei der Verarbeitung. Die Übergänge zwischen den Materialien sind makellos, Scharniere und Beschläge schließen satt, und selbst verdeckte Stauräume verraten die Sorgfalt, mit der die ligurischen Yachtbauer zu Werke gehen.
Bluegame ist mit dem BGF45 ein Brückenschlag zwischen Hochtechnologie aus dem America’s Cup und dem steigenden Anspruch von Eignern an Komfort, Eleganz und Umweltbewusstsein gelungen. Durch das Foil senkt der Powerkat nicht nur den Kraftstoffverbrauch, sondern auch das Wellenschlagpotenzial – ein Aspekt, der in zunehmend sensiblen Küstengebieten an Bedeutung gewinnt.