Mit Ästhetik und cleveren Details stellt die TH36 eine spannende Alternative auf dem Markt dar. Klar, über Ästhetik lässt sich streiten und vielleicht sagt der eine oder andere auch, dass sich ein so offen gestaltetes Boot weniger für rauere Gefilde eignen könnte. Ob dem wirklich so ist, konnten wir Mitte Oktober vor Barcelona testen. TH steht übrigens für twin hull, also einen Doppelrumpf. Das knapp zwölf Meter lange Boot ist nicht vergleichbar mit Katamaranen wie dem Fountaine Pajot MY4.S oder der Prestige M48. Beide sind echte Urlaubsboote für Familien. Die Four Winns hingegen würden wir eher als Dayboat mit Übernachtungsfunktion einstufen.
Keine Frage, in den beiden identischen Rümpfen ist genügend Platz, die Kojen sind für zwei Personen ausreichend groß und gut gepolstert und mit der Toilette im Bug hat das Boot alles, was man sich wünscht. Den großen Luxus, wie auf ausgewachsenen Doppelrumpf-Yachten, findet man allerdings nicht.
Der neue Outbord-Catamaran TH 36 sucht unter Artgenossen seinesgleichen“, so Martin Mayer, Produktmanager von Four Winns
Doch beginnen wir unsere kurze Vorstellung der TH36 im Inneren. Im Heck befindet sich ein großes Doppelbett, darunter eine kleine Klimaanlage und etwas Stauraum. Es folgt ein längliches Fenster, das teilweise geöffnet werden kann und für viel Tageslicht sorgt. Gegenüber sind Schränke eingebaut. Für die Sommerbekleidung ist also Stauraum vorhanden. Möchte man dagegen das schwere Ölzeug mitnehmen, könnte sich die Anzahl der T-Shirts reduzieren – auch ein Hinweis auf ein „Schönwetterboot“?
Im Bug befindet sich die geräumige Nasszelle. Die Toilette ist von der Dusche getrennt, Stauraum ist ausreichend vorhanden. Der Rumpf wirkt ansonsten aufgeräumt und wohnlich. Die Bodenbretter knarren nicht und auch sonst ist alles sauber verarbeitet. Beide Rümpfe sind identisch. Steigt man über den Niedergang mit fünf Stufen an Deck, befindet man sich zwischen Pantry und dem Bowrider-ähnlichen Bugbereich. Fangen wir mit dem Bug an. Hier ist viel Platz – klar, bei einer Breite von 4,47 Metern. Mehr als zehn Personen können hier sitzen. Wer sich langmachen möchte, kann mit zusätzlichen Polstern eine zweigeteilte Liegewiese schaffen. Während der Fahrt könnte das der Lieblingsplatz der Gäste sein. Der Bug fällt leicht nach vorne ab, sodass die Aussicht freier ist. Der Bugbereich der Four Winns ist außerdem selbstlenzend. Das bedeutet, dass selbst bei unglücklichen Manövern, in denen eine Welle einsteigt, keine Gefahr besteht.
Hinter den Niedergängen befindet sich der Steuerstand mit zwei Garmin-Plottern. Die Sicht ist gut, der Sitz bietet guten Seitenhalt. Auf der Backbordseite ist eine Beifahrersitzbank eingebaut. Auch sie ist bequem. Die Pantry ist mit zwei Kühlschränken, einer Spüle und einer Kochplatte ausgestattet – alles, was man für einen Tag oder eine Nacht braucht. Kommen wir zu einem Highlight: Die L-Sitzbänke im Heck lassen sich verschieben. So entsteht nicht nur ein U-Sofa, sondern mit den Tischplatten und einem zusätzlichen Kissen auch eine große Liegefläche. So kann ein Durchgang geschaffen werden. Die Badeplattform zwischen den beiden Motoren ist dann gut erreichbar. Egal ob für den Landgang oder den kurzen Sprung ins erfrischende Nass.
Apropos Motoren: Angetrieben wird die Four Winns entweder von zwei 300 PS starken Achtzylindern von Mercury oder, wie in unserem Test, von zwei 350 PS starken Motoren, ebenfalls Mercurys V8er. Die Four Winns beschleunigt gut und läuft dann ruhig geradeaus. Kleine Wellen können ihr nichts anhaben, auch seitlich nicht. Will man eine Kurve fahren und lenkt ein, folgt sie gehorsam. Da die Motoren so weit auseinanderliegen, ist auch das Manövrieren im Hafen kein Problem und vielleicht sogar etwas einfacher als auf einem Monohull. Natürlich ohne Bugstrahlruder und in einer ähnlichen Größe. Der Topspeed der Four Winns liegt bei 28,9 Knoten, bei einem Verbrauch von 232,2 Liter mit beiden Motoren.
Die Four Winns Th36 ist ein spannender Katamaran, mit einer guten Bauqualität und praktischen und gut durchdachten Detaillösungen. Mit den Testmotoren ist sie gut ausgestattet und besitzt ausreichend Leistung.

Redakteur Test & Technik