Alsterdampfer St. GeorgNot-OP für Hamburgs Kult-Schiff – mitten in einer Wohngegend

Jan-Ole Puls

 · 18.03.2026

Der Alsterdampfer an einem typischen Sommertag auf der vollen Alster.
Foto: iStock / deepblue4you
Der Alsterdampfer St. Georg aus dem Jahr 1876 ist Deutschlands ältestes fahrtüchtiges Dampfschiff. Jetzt musste das Schiff wegen zwei Leckagen im Rumpf zu einer außerplanmäßigen Reparatur. In einer provisorischen Werft am Osterbekkanal in Hamburg-Barmbek werden die beschädigten Platten ausgetauscht.

Kurz vor dem Saisonstart 2026 entdeckte man zwei Leckagen im Rumpf des historischen Dampfers. Die Leckagen befanden sich an kritischen Stellen der Außenhaut und machten eine sofortige Reparatur unumgänglich. Da andere Werften keine kurzfristigen Kapazitäten hatten, errichtete man am Osterbekkanal in Barmbek-Nord eine provisorische Pop-up-Werft.

Zwei große Kräne hoben das 150 Jahre alte Schiff behutsam aus dem Wasser und setzten es an Land. Das Kranen des historischen Dampfers stellte eine logistische Herausforderung dar, da das empfindliche Schiff äußerst vorsichtig behandelt werden musste. Im vorübergehenden Trockendock schweißen Fachleute die schadhaften Platten heraus und ersetzen sie durch neue, passgenau angefertigte Stahlplatten. Die Arbeiten sollen laut Verein rund zehn Tage dauern, wobei Wetterbedingungen und unvorhergesehene Komplikationen die Dauer beeinflussen können.

Anwohner in Barmbek beobachteten das ungewöhnliche Schauspiel mit großem Interesse. Viele Passanten blieben stehen, um die Reparaturarbeiten an dem historischen Dampfer zu verfolgen. Die provisorische Werft entwickelte sich zu einer kleinen Attraktion im Stadtteil. Der Verein nutzte die Gelegenheit, um Interessierte über die Geschichte des Schiffes und die Notwendigkeit der Erhaltungsarbeiten zu informieren.

Wechselvolle Geschichte mit mehreren Umbauten

Im Jahr 1911 ließ die Reederei das Schiff zum Glattdecker umbauen. Bei dieser Bauweise verläuft das Deck durchgehend vom Bug bis zum Heck. Gleichzeitig erhielt der Dampfer den neuen Namen Galatea nach der griechischen Meeresnymphe. Die Hochbahn AG übernahm 1919 die Alsterschifffahrt und benannte das Schiff 1936 in St. Georg um, nach dem gleichnamigen Hamburger Stadtteil. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs stellte die Reederei den Liniendienst ein. Nach 63 Jahren als Alsterdampfer endete zunächst der Betrieb.

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Vom Motorschiff zurück zum Dampfbetrieb

Nach dem Krieg verkaufte man das Schiff nach Berlin. Dort baute man es zum Motorschiff um und taufte es auf den Namen Deutschland. Das Schiff fuhr fortan auf Havel und Wannsee. Später diente es als Versorgungsschiff Planet. Der Verein Alsterdampfschiffahrt rettete das Schiff 1989 vor der Verschrottung. In der Dresdner Schiffswerft Laubegast ließ der Verein den Dampfer restaurieren und in den Bauzustand der 1930er Jahre zurückversetzen.

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Technische Ausstattung und Antrieb

Eine Zweizylinder-Dampfmaschine aus dem Jahr 1922 treibt das Schiff an. Die Maschine leistet 75 PS, was 55 Kilowatt entspricht. Der ölbefeuerte Kessel erzeugt eine Dampfleistung von einer Tonne pro Stunde. Im Winter 2009/2010 installierte man zusätzlich eine Duplexpumpe als Speisepumpe. Diese dampfbetriebene Pumpe versorgt den Kessel mit Wasser. Die Besatzung besteht aus drei Personen: Kapitän, Schaffner und Maschinist.

Regulärer Fahrbetrieb auf der Alster

Seit Sommer 1994 verkehrt die St. Georg wieder als Alsterdampfer in Hamburg. Von März bis Ende Oktober fährt das Schiff mehrmals täglich vom Jungfernstieg, Anleger 4, über die Binnen- und Außenalster. Die einstündigen Rundfahrten führen auch durch die Hamburger Kanäle. Die Hamburger Reiherstiegwerft baute die St. Georg im Jahr 1876 für die Alsterreederei H.E. Justus. Ursprünglich trug der Dampfer den Namen Falke und verfügte über ein hoch liegendes Mittelteil mit tiefer liegenden Salons vorn und hinten.

Erhalt durch ehrenamtliches Engagement

Der Verein Alsterdampfschiffahrt kümmert sich nicht nur um die St. Georg, sondern restauriert auch weitere historische Schiffe. Außerdem erforscht und dokumentiert der Verein die Geschichte der Alsterschifffahrt. Die Finanzierung erfolgt über Spenden. Ehrenamtliche Helfer unterstützen die Arbeit des Vereins bei Wartung und Betrieb des Dampfers. Die aktuelle Reparatur zeigt einmal mehr, wie wichtig kontinuierliche Pflege und schnelles Handeln für den Erhalt des historischen Schiffes sind.

Technische Daten:

  • Baujahr: 1876
  • Werft: Reiherstiegwerft, Hamburg
  • Länge: 20,98 Meter
  • Breite: 4,40 Meter
  • Tiefgang: 1,20 Meter
  • Antrieb: Zweizylinder-Dampfmaschine von 1922
  • Maschinenleistung: 75 PS (55 kW)
  • Kessel: ölbefeuert, 1 Tonne Dampfleistung pro Stunde
  • Heimathafen: Hamburg
  • Eigner: Verein Alsterdampfschiffahrt e.V.
  • Besatzung: 3 Personen

Jan-Ole Puls

Jan-Ole Puls

Redakteur Test & Technik

Ole Puls wuchs auf Jollen und Dickschiffen auf und kam so früh mit dem Segeln in Berührung. Nach der Schule absolvierte er eine Ausbildung zum Bootsbauer im Bereich Hightech-Kohlefaserbau. Seit 2022 ist er im Ressort Test & Technik tätig. Zu seinen Aufgaben zählen Bootstests von Motorbooten aller Art sowie praxisnahe Technikthemen. Die Sommer verbringt er auf dem Wasser und meist auf der Ostsee oder Schlei.

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