David Ingelfinger
· 10.05.2026
Die robusten Holzboote sind das Wahrzeichen Helgolands. Normalerweise trotzen sie der Nordsee, doch ein Hamburger Reeder wollte den Klassiker für sein Domizil in Italien nutzen. Der Bootsbauer Rainer Hatecke setzte diesen Wunsch um, schrumpfte den Rumpf auf sieben Meter und wagte den Selbstversuch im italienischen Revier. Im Interview erklärt er, wie das ungewöhnliche Projekt zustande kam.
Ich hatte 2010 einen Kunden, der ein besonderes Boot für seine Fahrten in den Kanälen haben wollte. Er war Hamburger Reeder und hatte dort sein Wochenendhaus. Schließlich rief er mich an und sagte: „So ein Ding für Venedig, das wäre genau das Richtige.”
Wir mussten das Boot einfach ein bisschen schrumpfen lassen. Prinzipiell bauen wir unsere Boote sowieso ganz selten nach einer Zeichnung. Das Wichtigste beim Holzbootsbau ist, ein gutes Auge zu haben. Man muss die Linien sehen und richtig einschätzen können. So baut man Schritt für Schritt ein Börteboot zusammen, unabhängig von der Größe.
Am Ende hatten wir sozusagen ein Mini-Börteboot mit ungefähr sieben Metern Länge und 2,20 Metern Breite. Sogar ein Bugstrahlruder haben wir eingebaut.
Ja! Da musste ich auch zuerst einmal lachen. Aber als ich dann selbst durch die engen Kanäle gefahren bin, hab ich schnell gemerkt, wie hilfreich ein Bugstrahlruder in den schmalen Kurven sein kann. Ich habe zum Teil Blut und Wasser geschwitzt, als ich das erste Mal in Venedig gefahren bin. Das war eine Riesenkatastrophe mit den ganzen Wassertaxis und Gondeln, die kreuz und quer fahren.
Man muss dort wirklich höllisch aufpassen. In Venedig gibt es Einbahnstraßen, Linksverkehr und sogar Ampeln auf dem Wasser. Wenn man da mit dem Boot unterwegs ist, ist das richtige Schwerstarbeit. Aber es gibt auch schöne Momente: morgens, wenn noch nicht so viel los ist, mit dem Boot zum Fischmarkt fahren und den Fisch direkt einkaufen. Danach noch ein Eis holen und einfach auf dem Boot sitzen bleiben– das war schon etwas ganz Besonderes.
Erst haben sie mich komisch angeguckt, weil ich mit der Helgoländer Flagge gefahren bin. Das sind die gleichen Farben wie bei der italienischen Flagge, nur eben anders sortiert. Mit der Zeit wurde ich tatsächlich ein paarmal angesprochen. So was wie: „Bella barca!“ – schönes Boot! Besonders war auch, dass die Farben vom Börteboot ja genau den italienischen Landesfarben entsprechen: weißer Rumpf, grüne Kante und rote Scheuerleiste. Das fanden die Italiener richtig schick.
Ursprünglich war die Gründung eines Vereins auf Helgoland eine reine Schnapsidee. Inzwischen haben wir aber fast 400 Mitglieder. Ein Börteboot ist eben etwas Besonderes. Jedes einzelne kann eine Geschichte erzählen. Dieses Gefühl versuchen wir zu vermitteln. Der Verein zum Erhalt der Helgoländer Börteboote setzt sich seit Jahren für die Anerkennung dieser Schiffe als immaterielles Kulturerbe ein.

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