Juwel in neuem GlanzHistorische Dampfyacht „Cangarda” schwimmt wieder

Lars Bolle

 · 10.03.2026

Die Yacht zieht unter wehendem türkischen Banner und vor der dicht bebauten Kulisse Istanbuls ihre Bahnen auf dem Wasser.
Foto: RMK Yachts
Die 38 Meter lange Dampfyacht „Cangarda” aus dem Jahr 1901 ist nach umfassender Restaurierung durch RMK Yachts in Istanbul zu Wasser gelassen worden. Das historische Schiff wird künftig als Ausstellungsstück im Rahmi Koç Museum in Haliç zu sehen sein. Die Werft hat bei der Instandsetzung auf museale Konservierungsstandards gesetzt und dabei die originale Dampfantriebstechnik erhalten.

RMK Yachts hat die historische Dampfyacht „Cangarda” nach einer umfassenden Restaurierung in Istanbul zu Wasser gelassen. Das 38 Meter lange Schiff aus dem Jahr 1901 wurde von der Werft am Standort Istanbul instand gesetzt und anschließend ins Rahmi Koç Museum in Haliç überführt. Dort wird die Yacht als permanentes Ausstellungsstück der maritimen Geschichte präsentiert.

„Von Anfang an haben wir ‘Cangard’a nicht als Refit-Projekt betrachtet, sondern als Verantwortung gegenüber dem globalen maritimen Erbe. Unser Ziel war es, ihren Geist zu bewahren, nicht ihn neu zu interpretieren", sagt Cuneyt Okcu, Direktor von RMK Yachts. Die in den Vereinigten Staaten gebaute Yacht gilt als eines der am besten erhaltenen Dampfschiffe ihrer Ära und repräsentiert die Marinearchitektur und Dampfantriebstechnik des frühen 20. Jahrhunderts. Über mehr als ein Jahrhundert wechselte „Cangarda” mehrfach den Besitzer und durchlief verschiedene Überholungen.

Konservierung statt Modernisierung

Das Restaurierungsprojekt von RMK Yachts zielte darauf ab, die historische Integrität der Cangarda zu bewahren und gleichzeitig ihre strukturelle und mechanische Langlebigkeit als Museumsexponat sicherzustellen. Nach ihrer Ankunft in Istanbul im Oktober 2024 durchlief die Yacht ein sorgfältig geplantes Programm aus Wartung, Konservierung und funktionaler Wiederherstellung. Die Arbeiten umfassten detaillierte Rumpf- und Strukturinspektionen, Überholungen der mechanischen und Dampfsysteme, Innenraumkonservierung und Reparaturen sowie Arbeiten an Takelage, Decksausrüstung und Sicherheitssystemen.

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„Alle Eingriffe wurden mit einer musealen Konservierungsdenkweise durchgeführt, nicht mit einem Modernisierungsansatz", erklärt Okcu. Wo technisch machbar, wurden Originalelemente bewahrt, darunter kubanische Mahagoni-Tischlerarbeiten, Messing- und Bronzebeschläge, Decksausstattung, Innenraumlayouts und zahlreiche mechanische Komponenten.

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Dampfantrieb als technische Herausforderung

Besondere Aufmerksamkeit galt dem Dampfantriebssystem der „Cangarda”, das eine der größten Herausforderungen des Projekts darstellte. Die Originalkonfiguration wurde bewahrt, ausgewählte Komponenten jedoch neu aufgebaut, um Sicherheits- und Betriebsanforderungen zu erfüllen. Aufgrund der Seltenheit von Fachwissen über Dampfyachttechnologie des frühen 20. Jahrhunderts suchte RMK Yachts international nach Spezialisten.

Entscheidende Expertise lieferten schließlich Ingenieure von Tüpraş, einem Unternehmen der Koç Holding und einem der führenden Energiekonzerne der Türkei. Deren Unterstützung ermöglichte die erfolgreiche Restaurierung des Dampfsystems entsprechend dem Originaldesign. Elemente, die nicht mehr zu retten waren, wurden mit historisch korrekten Methoden und Materialien rekonstruiert, wobei strikt die Originalspezifikationen eingehalten wurden. Rumpf und Aufbauten erhielten Schutzbehandlungen und Reparaturen, die die ursprüngliche Geometrie und Konstruktionsphilosophie respektierten.

Ausstellung im Rahmi Koç Museum

Nach dem Stapellauf wurde die „Cangarda” ins Rahmi Koç Museum überführt, eine der führenden Institutionen der Türkei für Industrie-, Transport- und Technikgeschichte. Das Museum in Haliç, einem historischen Seefahrtszentrum Istanbuls, macht die Yacht der Öffentlichkeit zugänglich. Sie dient als Zeugnis der frühen dampfbetriebenen Yachtfahrt und soll künftige Generationen informieren und inspirieren.

Eine Dokumentation über die Geschichte und Restaurierung der „Cangarda” befindet sich in Produktion. Die Veröffentlichung ist für 2026 geplant und soll einen detaillierten Einblick in das maritime Erbe und die Handwerkskunst der Yacht bieten.


Lars Bolle

Lars Bolle

Chefredakteur Digital

Lars Bolle ist Chefredakteur Digital und Gründer von YACHT-Online. Viele Jahre war der Diplom-Sportwissenschaftler als Redakteur der YACHT in den Bereichen Sport und Seemannschaft tätig und hat die größten Segelsport-Veranstaltungen der Welt begleitet, vom America's Cup bis zu Olympischen Spielen. Seine persönliche Segel-Vita reicht vom Leistungssport in der Jolle (Deutscher Meister 1992 im Finn Dinghi) über historische und moderne Jollenkreuzer bis hin zu europaweiten Charter-Törns.

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