„Peking“ wird weiter komplettiertMotor, Rettungsboot und Heckanker an Bord

Jan-Ole Puls

 · 30.04.2026

Die Erscheinung des Flying-P-Liners ist beeindruckend.
Foto: Stefan Schorr
Die Viermastbark „Peking“ am Hamburger Hafenmuseum nimmt weiter Gestalt an: Ein historischer Motor, ein Rettungsboot und ein Heckanker sind nun an Bord. Damit startet die Restaurierung des 1911 gebauten Flying P-Liners in eine neue Phase – auch wenn für die vollständige Komplettierung noch wichtige Details fehlen.

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Die Viermastbark „Peking“ erhält Schritt für Schritt ihre historische Ausstattung zurück. Am Dienstag wurde ein originaler Arbeitsmotor der Marke Gnom per Kran an Bord gehoben. Das Aggregat hatte früher eine zentrale Funktion im Bordbetrieb: Es trieb die Ladewinden zum Bewegen der Fracht sowie die Ankerwinsch an und lieferte zudem Strom für die Bordbeleuchtung.

Besonders ist der Fund auch wegen seiner Seltenheit. Nach Angaben aus dem Projektumfeld zählt der Motor zu nur drei erhaltenen Exemplaren dieser Bauart in Europa. Künftig soll das historische Aggregat nicht dauerhaft laufen, aber bei besonderen Anlässen wieder in Betrieb genommen werden.

Neben dem Motor kam ein weiteres Stück Schiffsgeschichte zurück: Ein Rettungsboot aus Stahl wurde ebenfalls wieder an Bord gebracht. Zuvor war es in Berlin auf einem Schrottplatz gelagert – verborgen im Gebüsch und damit lange Zeit praktisch aus dem Blick geraten.

Zusätzlich befindet sich nun ein rund 1,2 Tonnen schwerer Heckanker an der Reling. Er soll von der „Pamir“ stammen und war zuvor auf einer Werft in Lübeck gelagert. Um den Anker an Bord zu bekommen, musste das Rigg teilweise verändert beziehungsweise abgetakelt werden.

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Die „Peking“ liegt seit fast sechs Jahren am Anleger des Hafenmuseums im Hansahafen. Die Restaurierung dauerte drei Jahre und kostete rund 40 Millionen Euro.

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Fehlende Originalteile

Die Ausstattung ist noch längst nicht vollständig. Ein großes Problem sind die Lampen aus der Betriebszeit zwischen 1911 und 1932. Die Restauratoren suchen nach korrekten Vorbildern für die Petroleumlampen. Diese Zeit gilt als wichtigste Epoche des Schiffs. Damals fuhr die Peking als Frachtsegler für die Hamburger Reederei F. Laeisz. Sie transportierte Salpeter von Chile nach Europa und umrundete dabei 34 Mal Kap Hoorn.

​Bei ihrer Indienststellung 1911 war sie hochmodern. Sie hatte bereits eine Funkanlage an Bord. Das Schiff war 115 Meter lang und hatte eine Segelfläche von 4.100 Quadratmetern. Der Großmast ragte 53,1 Meter in die Höhe. Bei gutem Wind erreichte das Schiff 17 Knoten. Die Besatzung bestand aus etwa 30 Mann. Sie mussten ohne maschinelle Hilfe die Segel setzen und bergen.

Wechselvolle Geschichte

Die “Peking” gehörte zu den Flying P-Linern, den schnellsten Frachtsegeln ihrer Zeit. Alle Schiffe der Reederei trugen Namen mit P am Anfang. Das ging auf Sophie Christine zurück, die Frau des Firmenerben Carl Laeisz. Ihr Kosename war Pudel. Von den Viermastbarken mit P sind noch vier erhalten: Die “Peking” in Hamburg, die “Passat” in Travemünde, die “Pommern” in Mariehamn und die “Padua”, die heute als “Krusenstern” unter russischer Flagge fährt.

Nach dem Ende der Segelschifffahrt 1932 verkaufte die Reederei Laeisz das Schiff nach England. Dort diente es 42 Jahre als schwimmendes Internat auf dem River Medway unter dem Namen “Arethusa”. Danach kam es nach New York. Im South Street Seaport Museum lag es weitere 43 Jahre als Ausstellungsstück. Dort verfiel das Schiff zusehends. Das Museum hatte kein Geld für eine Sanierung.

Heimkehr als Museumsschiff

2017 kehrte die “Peking” nach Hamburg zurück. Die Stiftung Hamburg Maritim organisierte den Transport und die Restaurierung. Das Schiff wurde auf einem Dockschiff über den Atlantik gebracht. In der Peters Werft in Wewelsfleth erfolgte die Grundsanierung. Rund ein Viertel der Substanz musste erneuert werden. Im sichtbaren Bereich blieben die Nietnähte erhalten. Das Rigg wurde komplett rekonstruiert.

Die “Peking” ist in Hamburg bereits zu besichtigen. Der Zugang erfolgt über das Hamburger Hafenmuseum. Für Besucher ist das Schiff seit Frühjahr 2021 geöffnet. Die Inneneinrichtung wird schrittweise ergänzt. Der größere Teil muss rekonstruiert werden. Die Arbeiten laufen und können von Besuchern beobachtet werden.

Besatzung und Betrieb

Ein vierköpfiges Team betreut das Schiff hauptamtlich. Dazu kommen ehrenamtliche Helfer vom Verein Freunde der Viermastbark Peking. Der Verein hat 350 Mitglieder. Sie kümmern sich um die Pflege und bieten Führungen an. Die Stadt Hamburg stellt jährlich knapp vier Millionen Euro für den Betrieb bereit. Davon fließen drei Millionen in Investitionen. Die laufenden Kosten betragen 878.000 Euro pro Jahr.

Das technische Team besteht aus einem Ingenieur und einer Taklerin. Beide waren an der Restaurierung beteiligt. Sie kennen jedes Detail des Schiffs. Die Wartung ist aufwändig, aber machbar. Das Schiff ist praktisch neuwertig. Es gibt keinen Fahrbetrieb und damit weniger Verschleiß. Trotzdem muss das große Rigg regelmäßig gepflegt werden. Die Wanten sind verzinkt und gespleißt. Sie wurden nach traditioneller Art getrenst und gesmart.

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Jan-Ole Puls

Jan-Ole Puls

Redakteur Test & Technik

Ole Puls wuchs auf Jollen und Dickschiffen auf und kam so früh mit dem Segeln in Berührung. Nach der Schule absolvierte er eine Ausbildung zum Bootsbauer im Bereich Hightech-Kohlefaserbau. Seit 2022 ist er im Ressort Test & Technik tätig. Zu seinen Aufgaben zählen Bootstests von Motorbooten aller Art sowie praxisnahe Technikthemen. Die Sommer verbringt er auf dem Wasser und meist auf der Ostsee oder Schlei.

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