Azimut Seadeck 6Neue Serie ist leichter, effizienter und nachhaltiger

Ralf Marquard

 · 03.08.2024

An Deck gibt es reichlich  komfortable Sitz- und Liegemöglichkeiten, die zum Entspannen einladen
Foto: Azimut
Mit speziellen Baumaterialien, neuer Rumpfform und Technikausstattung fährt die Azimut Seadeck 6 nachhaltig in die Zukunft

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Mit der neuen Seadeck-Serie geht Azimut einen großen Schritt in Richtung Nachhaltigkeit. Sie haben Konzepte, Baumaterialien und Hybridtechnik für einen umweltfreundlichen Umgang mit der Natur entwickelt. Um das zu erreichen und die CO2-Emissionen zu reduzieren, wurde beim Testboot das Gewicht gering gehalten, der Rumpf hat eine besonders effiziente Form bekommen und das Energiemanagement wurde optimiert.

Die Gewichtsreduktion basiert auf einer Kohlefaserbauweise. Beispielsweise Deckshaus, Dach, Badeplattform und große Teile des Hauptdecks werden aus diesem Material gefertigt. Auch die inneren Strukturen bestehen teilweise aus einem speziellen Baustoff. Hierfür verwendet die Werft sogenanntes R-PET, das aus etwa 15 000 wiederverwerteten Plastikflaschen hergestellt wird. Ebenfalls aus diesem Material: die Teppichböden in der Standardausführung unter Deck. Einen besonderen Belag findet man zudem an Deck. Hier wurde kein Teak verlegt, sondern MarineCork von Sace Components.

Energiebilanz auf dem Testboot von Azimut

Für eine gute Energiebilanz auf dem Testboot sorgt der sogenannte „Mild Hybrid Zero Emission Hotel Mode“. Dafür wird ein zusätzlicher Generator an einem der Motoren installiert und es werden Lithium-Batterien (42 kWh), Inverter und Solarzellen eingebaut. Der Bordnetz-Dieselgenerator wird während der Fahrt nicht benötigt, sondern die Klimaanlage sowie der Stabilisator werden von dem oben genannten System versorgt (bis zu acht Stunden). Am Ankerplatz können die Batterien laut Werft die gesamte Yacht je nach Wetterbedingungen zwischen vier (tagsüber) und acht (nachts) Stunden mit Strom versorgen.

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Das Testboot liegt im Hafen von Fano, und schon von Weitem gefallen mir die Linien, für die Alberto Mancini verantwortlich zeichnet. Zusammengearbeitet hat er bei der Entwicklung mit den Innenarchitekten Matteo Thun und Antonio Rodriguez.

Layout der Azimut aus der neuen Serie

Ich betrete das Boot von achtern über die Gangway und von dort geht es auf die Badeplattform. Schon die ersten Schritte ohne Schuhe auf der neuen Oberflächenstruktur fühlen sich gut an. Weiter ins Cockpit gelangt man über den seitlichen Zugang neben der riesigen Polstereinheit, die unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten bietet. Praktisch: die Badeplattform. Sie lässt sich per Knopfdruck rauf- und runterfahren, Gleiches gilt für eine Treppe, über die man bequem die abgesenkte Plattform erreicht. An Letztere lässt sich eine Badeleiter einhaken. Zurück ins Cockpit: An der großen Liege schließt sich nach vorn ein Klapptisch und davor eine Sitzbank an. Für den nötigen Schatten sorgt die Verlängerung des Salondaches, aus dem sich noch ein Sonnendach herausfahren lässt und den restlichen hinteren Bereich überspannt. Um die sogenannte Fun Island zu vervollständigen, lassen sich die Seitenwände herunterfahren, die mit Stangen und Leinen zum Wasser hin begrenzt sind. Damit nicht genug: Auch auf dem Vordeck findet man eine riesige Sitz-Liege-Einheit, die zum Sonnenbaden und Verweilen einlädt.

Der Weg vom Cockpit in den Salon führt durch eine Glastür. Neben dem Eingang findet man die Pantry, die mit Spülbecken, Induktionskochfeldern, Backofen, Geschirrspüler, Eiswürfelmaschine, Kühlschrank und reichlich Stauraum komplett ausgerüstet ist. Wer im Salon steht und nach achtern ins Cockpit schaut, macht das durch ein großes Heckfenster. Der Clou: Dieses Fenster lässt sich per Knopfdruck komplett runterfahren und verbindet zusammen mit der geöffneten Eingangstür das Cockpit mit dem Salon – ein riesiger, luftiger Raum entsteht. Für ein schönes Ambiente im Salon sorgen die großen Fensterflächen und das Sonnendach, sie lassen viel Tageslicht in den schick gestalteten Raum. Für Wohnkomfort sorgt eine gut gepolsterte Sitzecke mit Tisch. Weiter vorn befindet sich an Backbord die Treppe zu den Kabinen. Im Bug ist die VIP-Kabine untergebracht, die mit einer Doppelkoje ausgestattet ist. Sie bietet viel Raum, Staufläche und einen Zugang zur Nasszelle. Letztere ist ebenfalls vom Vorraum für Personen aus der zweiten Gästekabine (zwei Einzelkojen) zugänglich. Die Eignerkabine erstreckt sich über die gesamte Bootsbreite und ist mittschiffs untergebracht. Das große Doppelbett steht nicht längs zur Fahrtrichtung, sondern quer, gegenüber haben die Designer ein komfortables Sofa positioniert. Weiter nach achtern ist eine Nasszelle angeordnet, die viel Raum und ein schickes Interieur aufweist.

Manöver mit dem Testboot

Im Salon findet man nicht nur die Pantry und Sitzeinheit, sondern auch den Fahrstand. Zwei Sportsitze geben Beifahrer und Fahrer guten Halt, ihre Füße stehen dabei auf Klappstufen. Lenkung, Bugstrahlruder, Schaltung und Joystick bedient man uneingeschränkt. Der Blick auf die Monitore ist makellos, Gleiches gilt für die Voraussicht durch die große Windschutzscheibe (mit zwei Scheibenwischern). Hafenmanöver fährt man am einfachsten mit dem Joystick-System, das man auch für langsame Fahrt verwenden kann.

Auf dem Meer schalten wir auf die Volvo-Pentas-Schaltung um und schieben die Hebel zügig nach vorn. In der Beschleunigungsphase bleibt die Voraussicht sowohl im Sitzen als auch im Stehen gut. Cruising Speed errechnen wir bei unserer Testfahrt um 25 Knoten, der Verbrauch liegt dann bei 8,4 l/sm und es ergibt sich eine Reichweite von 243 Seemeilen plus 15 % Reserve. Der Geräuschpegel beträgt in diesen Situationen nur 66 dB(A) (Heckfenster und Tür geschlossen). Bei Vollgas mit 3700 U/min steigt die Lautstärke nicht über 71 dB(A) und wir erreichen eine Geschwindigkeit von 32 Knoten. In schneller Kurvenfahrt zieht der Rumpf sicher seine Runden und setzt weich in die eigene Welle ein.

Der Motorraum mit den drei Volvo-Penta-IPS-Antrieben ist über eine Luke im Cockpitboden gut zu erreichen, den Auf- und Abstieg erleichtert eine Leiter. Eine maximale gemessene Motorraumtemperatur von etwa 28 Grad zeigt, dass die Belüftung gut funktioniert. Das gleiche Prädikat bekommen die gesamten Installationen: Alle Leitungen verlegten die Techniker fest und übersichtlich, pro Motor sind zwei Filterpatronen installiert. Lob verdienen ebenfalls die Feuerlöschanlage und die gesamte Bootsverarbeitung.


Technische Daten

boot/100066247_e3d4b36ec5eb2e8c103c6bd95979464eFoto: Marc André Bergmann
  • CE-Kategorie: B
  • Länge über alles: 17,5 m
  • Breite: 5,05 m
  • Verdrängung (voll beladen): 27,6 t
  • Schlafplätze: 6 + 1
  • Kraftstofftankt: 2400 m
  • Wassertank: 590 l
  • Mögl. Motorisierung: 3 x Volvo Penta IPS 500 oder 3 x Volvo Penta IPS 650
  • Testmotorisierung: 3 x Volvo Penta IPS 650 353 kW (480 PS)
  • Preis: ab 2 201 500 €
  • Weitere Infos: azimutyachts.com

Messergebnisse


Fazit

Die Azimut Seadeck 6 ist eine Yacht, bei der die Werft viel Wert auf Nachhaltigkeit legt. Sie bietet komfortable Liege- und Sitzmöglichkeiten unter Deck sowie im Außenbereich. Mit dem Joystick-System lässt sich das Testboot sicher und exakt an- und ablegen.

Vorteile

  • + Gute und sichere Fahreigenschaften
  • + Die Installationen sind sorgfältig ausgeführt
  • + Schickes, helles Interieur

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Ralf Marquard

Ralf Marquard

Stellvertretender Chefredakteur BOOTE

Ralf Marquard entdeckte seine Begeisterung für das Bootfahren auf der beschaulichen Aller, zunächst mit Schlauchbooten, später mit einem Sechs-Meter-Kajütboot. Sein Elektrotechnikstudium an der HAW Hamburg führte ihn vom südlichen Heidekreis (Niedersachsen) in die Hansestadt. Ralf Marquard arbeitet seit 1997 in der BOOTE-Redaktion und wurde dort zum Testredakteur ausgebildet. Er testet sowohl kleine Schlauchboote als auch größere Yachten. Sein persönliches Boot ist ein 4,50 Meter langes, selbstgebautes Holzboot mit einem 50-PS-Außenbordmotor. Im Jahr 2007 wurde er zum stellvertretenden Chefredakteur bei BOOTE ernannt.

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