Die Custom Line Navetta 35 erweitert die Verdrängerlinie der italienischen Werft nach unten. Mit 34,5 Metern Länge und 7,7 Metern Breite positioniert sich die Yacht unterhalb der bereits etablierten Navetta 38. Das Außendesign stammt von Filippo Salvetti; die Innenarchitektur entwickelte das Mailänder Büro ACPV ARCHITECTS (Antonio Citterio Patricia Viel). Die Werft hat das Strategic Product Committee unter Vorsitz von Piero Ferrari mit der Entwicklung beauftragt. Der Tiefgang von 2,2 Metern erlaubt nach Herstellerangaben das Anlaufen flacher Gewässer, etwa in der Karibik.
Das Schiff verteilt sich auf drei Decks mit insgesamt fünf Gästekabinen. Die Eignerkabine liegt auf dem Hauptdeck. Vier weitere Kabinen befinden sich auf dem Unterdeck. Eine davon lässt sich mit einem Pullman-Bett ausstatten. Die Crewbereiche bieten Platz für bis zu sechs Personen. Der Kapitän erhält eine eigene Kabine mit Bad auf dem Oberdeck. Drei weitere Crew-Kabinen mit zwei Bädern liegen im Bug des Unterdecks.
Die Verbindung zwischen den Decks erfolgt ausschließlich über Innentreppen. Auf dem Hauptdeck verzichtet die Werft auf eine Außentreppe im Heckbereich. Die Haupttreppe im Salon liegt an Steuerbord hinter einer verspiegelten Fläche. Diese Lösung schaffe laut Werft einen großzügigen, lichtdurchfluteten Flur zur Eignerkabine im Bug. Der untere Teil der Treppe ist nur durch eine Brüstung sichtbar. Das Fehlen der Außentreppe vergrößert die nutzbare Decksfläche.
Das Sonnendeck umfasst 58 Quadratmeter. Der zentrale Bereich unter dem Hardtop lässt sich als Lounge oder Sky-Bar einrichten. Im Bug befindet sich ein Solarium, im Heck kann optional ein Spa-Pool installiert werden. Dieser ist von Liegeflächen umgeben. Das Oberdeck verbindet eine 44 Quadratmeter große Cockpit‑Fläche mit einer 23 Quadratmeter großen Sky‑Lounge. Das Cockpit enthält einen Essbereich für zehn Personen und eine Lounge über die volle Breite. Die Sky‑Lounge ist vollständig verglast. Im Bug des Oberdecks ergänzt eine weitere Lounge mit Sofas und Solarium das Angebot.
Die Salons auf dem Haupt- und dem Oberdeck erhalten bodentiefe Fenster. Die Möbel entwarf Antonio Citterio als freistehende Elemente, um den Blick durch die Verglasung nicht zu verstellen. Sofas und Sessel kommen ohne fest montierte Kissen und Rückenlehnen aus. Die Anordnung lässt sich nach Bedarf verändern. Diese Gestaltung soll laut Architekt den Lichtfluss im Innenraum fördern und die Verbindung zum Außenbereich verstärken.
ACPV ARCHITECTS entwickelte drei Ausstattungskonzepte. Light Mood arbeitet mit hellen Naturtönen wie Elfenbein, Beige und Karamell. Dreidimensionale, weiß lackierte Holzpaneele werden mit strukturierten Stoffen kombiniert. Contrast Chocolate Mood setzt auf dunkelbraunes Leder, Bone‑China‑Lackierungen und Grigio‑Alpi‑Steinoberflächen. Contrast Oyster Mood verbindet helle Hölzer mit dunklem Leder und Ton‑in‑Ton‑Stoffen. Das Custom Line Atelier begleitet Eigner während des gesamten Bau‑ und Designprozesses bei der Individualisierung.
Serienmäßig erhält die Navetta 35 zwei MAN‑V12‑Motoren mit je 1.400 PS. Diese sollen im Sparmodus eine Reichweite von bis zu 1.800 Seemeilen ermöglichen, so der Hersteller. Optional sind zwei CAT‑C32‑Aggregate mit je 1.622 PS verfügbar, die eine Höchstgeschwindigkeit von 16 Knoten (vorläufige Daten) erreichen sollen. Zur Stabilisierung gehören serienmäßig zwei Sleipner‑Flossenstabilisatoren. Optional lassen sich Seakeeper‑Kreiselstabilisatoren der Modelle NG18 und NG26 einbauen.
Das Schiff ist für die Installation eines SCR‑Systems (Selective Catalytic Reduction) vorbereitet. Dieses reduziere die Stickoxid‑Emissionen um 70 Prozent und erfülle die IMO‑Tier‑III‑Vorschriften, teilt die Werft mit. Der Maschinenraum ist nach Herstellerangaben großzügig dimensioniert und ermöglicht einen guten Zugang zu Motoren und Hauptsystemen. Die Garage im Heck des Unterdecks nimmt ein Beiboot bis zu fünf Metern Länge und einen Jet‑Ski auf.
Custom Line gehört zur Ferretti Group, die Motoryachten von 8 bis 95 Metern Länge baut. Zur Gruppe gehören die Marken Ferretti Yachts, Riva, Pershing, Itama, CRN, Custom Line und Wally. Die Gruppe betreibt sieben Werften in Italien. Alberto Galassi ist CEO; das Unternehmen ist mit eigenen Niederlassungen in Europa, den USA und Asien sowie einem Händlernetz in mehr als 70 Ländern präsent.

Stellvertretender Chefredakteur BOOTE