Die Focus 5X ist eine Sportmotoryacht, die zwei Konzepte vereint. Mit geschlossenen Fenstern bietet sie den Schutz einer Hardtop-Yacht, mit geöffneten Fenstern wird sie zum Open Cruiser. Diese Verwandlung geschieht durch hydraulische Seitenfenster im Hardtop, die sich komplett versenken lassen. Dazu kommt ein großes Panorama-Glasdach, das elektrisch auf Knopfdruck zur Seite gleitet. Beide Systeme zusammen schaffen ein Raumgefühl, das zwischen vollständigem Wetterschutz und offener Fahrt wechselt.
Das Achterdeck lässt sich nach Bedarf umbauen. Die Sonnenliege dort hat eine verschiebbare Rückenlehne. Schiebt man sie nach vorne, entsteht eine größere Liegefläche. Schiebt man sie zurück, wird der Bereich um den Tisch zur Sitzgruppe. Im Bug verwandelt sich die Sonnenliege ebenfalls: Ein Tisch fährt elektrisch aus der Mitte hoch und macht aus der Liegefläche eine Lounge. Die Seitendecks laufen bis zum Heck durch und schaffen dort zusätzlichen Platz zum Bewegen und Sitzen.
Die hydraulische Badeplattform am Heck hebt sich um 70 Zentimeter oder senkt sich um 90 Zentimeter ins Wasser. Sie trägt bis zu 450 Kilogramm. Senkt man sie ab, öffnet sich eine Tür zur Dinghy-Garage unter dem Achterdeck. Das Beiboot lässt sich dann direkt ins Wasser gleiten. Focus empfiehlt dafür das Williams TurboJet 285. Die Plattform dient also gleichzeitig als Zugang zum Ufer, als Badeleiter und als Tender-Handling-System.
Ein durchgehender Gummifender läuft über die gesamte Rumpflänge. Er ist in die Form integriert und unterbricht die Linienführung nicht. Beim Anlegen und bei engen Manövern schützt er die Außenhaut. Alle Flächen mit Awlgrip-Lackierung werden mit Vinylesterharz laminiert. Das soll laut Hersteller die Osmosebeständigkeit erhöhen und Farbe sowie Oberfläche langfristig erhalten.
Die Focus 5X kann mit zwei verschiedenen Antriebssystemen bestellt werden. Variante eins: zwei MAN i6-850 mit je 625 Kilowatt (850 PS) und klassischen Wellenantrieben. Damit erreicht die Yacht laut Werft eine Reisegeschwindigkeit von 26 bis 30 Knoten und eine Höchstgeschwindigkeit von 36 bis 40 Knoten. Der Verbrauch liegt bei Reisegeschwindigkeit bei etwa 200 bis 235 Litern pro Stunde, bei Vollgas bei 310 bis 340 Litern. Die Reichweite beträgt rund 250 bis 340 Seemeilen.
Variante zwei: zwei Volvo Penta D11 IPS 950 mit je 533 Kilowatt (725 PS) und Pod-Antrieben. Die Pods sitzen unter dem Rumpf und lassen sich einzeln steuern. Damit soll die Yacht laut Hersteller 25 bis 29 Knoten Reisegeschwindigkeit und 33 bis 37 Knoten Spitze erreichen. Der Verbrauch sinkt auf 180 bis 205 Liter bei Reisefahrt und 265 bis 285 Liter bei Vollgas. Die Reichweite steigt auf 275 bis 360 Seemeilen. Die IPS-Variante bringt ein Joystick-System für das Manövrieren und optional ein Dynamic Positioning System mit. Sie läuft leiser und vibriert weniger, benötigt aber mehr Wartung an den Pods und ist anfälliger bei Grundberührungen.
Serienmäßig verbaut Focus das Humphree Active Trim & Stabilisation System. Es trimmt die Yacht automatisch für beste Geschwindigkeit und Effizienz, gleicht Schlagseite durch ungleiche Beladung oder Seitenwind aus und reduziert die Krängung in Kurven. Das System arbeitet mit Hochgeschwindigkeits-Interceptoren und digitaler Steuerung. Außerdem werden wichtige Komponenten doppelt verbaut, etwa zwei Klimaanlagen mit insgesamt 32.000 BTU Leistung. Das soll laut Werft die Zuverlässigkeit erhöhen und Ausfälle vermeiden.
Die Focus 5X wird individuell gebaut und kann in den Abmessungen angepasst werden. Im Innenraum und Cockpit beträgt die Stehhöhe mindestens 2,15 Meter, in der Eignerkabine steht ein 2,25 Meter langes Bett. Die Eignerkabine erstreckt sich über die volle Breite des Rumpfs. Es gibt zwei Layoutvarianten: eine mit zwei Kabinen oder eine mit drei Kabinen. Dazu kommen drei Badezimmer, eines davon mit getrennter Dusche. Panoramafenster im Rumpf bringen Tageslicht nach innen. Die Möbel sind in den Rumpf integriert und verstärken laut Hersteller die Struktur zusätzlich.
Jede Focus 5X wird nach Kundenwunsch gebaut. Zur Auswahl stehen die Außenfarbe in Awlgrip, die Holzart und Tönung im Innenraum, die Art des Decksbelags (echtes Teakholz oder Flexiteek in verschiedenen Farben), die Polstermaterialien und die Oberflächen aller Metallelemente wie Reling und Beschläge. Der Prozess beginnt mit einem Designgespräch, in dem die wichtigsten Punkte festgelegt werden. Danach folgt eine längere Phase, in der Details verfeinert werden. Diese Anpassungen sind kein Aufpreis, sondern Teil des Bauprozesses. Die Liste an Extras umfasst gerade einmal 16 Punkte.
Zur Serienausstattung gehören drei Garmin-Bildschirme: zwei mit 16 Zoll und einer mit 15 Zoll im Ultrawide-Format. Dazu kommen ein Simrad NAIS 500 VHF-Funkgerät mit AIS und Antenne, ein Autopilot, ein Kamerasystem für das Rangieren und eine Fernbedienung für Anker, Bugstrahlruder und Badeplattform. Verbaut sind außerdem ein Wechselrichter, vier Unterwasser-LED-Leuchten am Heck und eine JL-Audio-Anlage mit zehn Lautsprechern und zwei Subwoofern. Ein Dieselgenerator mit 6 kVA Leistung von WhisperPower (Modell Piccolo 6) gehört ebenfalls zur Grundausstattung, ebenso Bug- und Heckstrahlruder von Vetus.
Gegen Aufpreis gibt es unter anderem einen stärkeren Generator mit 15 kVA, eine Wasseraufbereitungsanlage (Schenker Smart 100), einen Gyro-Stabilisator, eine zusätzliche 16.000-BTU-Klimaanlage für das Cockpit, ein Garmin-360-Grad-Kamerasystem, eine Nachtsichtkamera von Syonix, ein Garmin-Radar, mehr Unterwasser-LEDs (fünf am Heck plus je zwei an den Seiten), ein Upgrade der Audioanlage auf die JL-Audio-Signature-Serie mit 16 Lautsprechern und eine Starlink-Internetantenne. Für Wassersport lassen sich eine integrierte Jet-Ski-Halterung, ein Williams TurboJet 285 Beiboot, ein Awake Rävik S E-Foil-Board mit Ladestation und ein Seabob F5 S mit Ladestation einbauen.
Der Rumpf hat eine tiefe V-Form und wird in Handarbeit aus Glasfaser laminiert. Ein geschlossenzelliger Kern soll laut Werft Steifigkeit und Schlagfestigkeit erhöhen. Strukturelle Schotten und Möbelelemente sind in den Rumpf integriert und verstärken die Konstruktion durch das Layout selbst. Die Yacht wird vor Auslieferung auf See getestet. Sie ist nach CE-Norm in Kategorie B zugelassen, also für Fahrten bis Windstärke 8 und Wellenhöhen bis vier Meter.

Redakteur Test & Technik