Mit der Marex 390 stellt die norwegische Werft ihren jüngsten Cruiser der neuen Generation vor. Die wird der älteren Marex 375 zur Seite gestellt, die noch im Programm verbleibt. Auf rund zwölf Metern Länge vereint die 390 skandinavisches Design, hohe Alltagstauglichkeit und einen klaren Fokus auf Komfort für die ganze Familie. Große Aufmerksamkeit bei der Entwicklung will die Werft auf das Kundenfeedback zu vorherigen Modellen gerichtet haben.
Schon auf den ersten Blick überzeugt die Marex 390 mit einer harmonischen modernen Linienführung. Aus der Entfernung ist sofort klar: Das ist eine Marex. Inhaber Espen Aalrud erklärt: „Es ist uns sehr wichtig, dass wir unserer Designphilosophie treu bleiben. Jeder soll sofort eine Marex erkennen.“ Sein Vater, Eyvin Aalrud, gründete das Unternehmen 1973, 1989 übernahmen die Brüder Espen und Thomas Aalrud die Werft. Die Boote genießen längst nicht nur in Norwegen hohes Ansehen, sondern auch in Deutschland und ganz Europa. 2024 gewann die Marex 440 Gourmet Cruiser den Titel European Powerboat of the Year, zuvor wurden bereits die 330 Scandinavia und die 310 Sun Cruiser ausgezeichnet.
Die Marex 390 liegt an einem der letzten Stege der Asker Marina nahe Oslo. Große Fensterflächen prägen das Profil und sorgen nicht nur für ein zeitgemäßes Erscheinungsbild, sondern auch für viel Licht im Innenraum. Wir gehen über das Heck an Bord und stehen auf der großzügigen Badeplattform. Besonders gut gelöst sind hier die Backskisten selbst: Sie sind so tief ausgeführt, dass problemlos acht Fender sowie ein oder zwei zusätzliche Platz finden. Und das stehend! Auch die Festmacher werden hier verstaut und lassen sich über eine einfache Vorrichtung aufhängen. Ein echtes Highlight befindet sich auf Steuerbord: Das Landstromkabel wird automatisch aufgerollt. Ähnlich wie bei einer Gartenschlauchtrommel. Das spart Platz und vermeidet Kabelsalat, kostet allerdings einen Aufpreis von 2.388 Euro.
Auf dem Testschiff ist Teakholz verlegt, wobei Aalrud erzählt, dass mittlerweile rund die Hälfte der Kunden einen synthetischen Belag gegenüber dem Edelholz bevorzugen, ein klarer Trend. Der nächste Bereich ist fester Bestandteil der Marex-DNA: der geschlossene Sitzbereich im Heck. Wie bei allen Modellen lässt sich dieser durch die Hecktür komplett schließen und vermittelt so ein sicheres Gefühl. Ein wichtiger Punkt für Marex sind dabei die Sitzbänke. Sie müssen ausreichend tief und vor allem lang sein, sodass man sich auch bequem hinlegen kann. In allen vier Ecken befinden sich großzügig dimensionierte Getränkehalter, dazu kommt ein Auslass der Webasto-Heizung. Mit geschlossenem Dach und Verdeck lässt sich der Bereich auch bei kalten Temperaturen nutzen. Wir haben das bei 3 Grad Außentemperatur ausprobiert. Nach kurzer Zeit ließen sich hier rund 17 Grad messen. Das bewährte Marex-Canopy-System ermöglicht es, das Cockpit schnell wetterfest zu schließen.
Unter der Steuerbordbank befinden sich zwei separate Bereiche: Stauraum für bis zu drei Mülleimer sowie eine Backskiste, die tiefer liegt als der Salonboden. Marex setzt dieses Konzept schon länger um und hat es aus Gesprächen mit Kunden entwickelt. Mehr nutzbarer Stauraum ist das Ergebnis. Wer Wassersportgeräte oder sperrige Gegenstände transportieren möchte, findet auf der Backbordseite einen großen Stauraum mit 2,30 Metern Länge, 51 Zentimetern Breite und 46 Zentimetern Höhe. Unter den übrigen Bänken gibt es weiteren Stauraum, an dem es an Bord der 390 generell nicht mangelt.
Der große Holztisch lässt sich ausklappen und in der Höhe verstellen. Eine Besonderheit zeigt sich in der Querrichtung: Da der Tisch ausgeklappt nicht die gesamte Breite abdecken würde, lässt er sich auf Schienen seitlich verschieben. So haben alle Sitzplätze gleichermaßen Zugang zum Tisch – gut mitgedacht. Der Zugang zum Motorraum befindet sich ebenfalls im Heck. Dieser ist angenehm groß und sehr ordentlich gestaltet. Alle Kabel sind gleichmäßig und fachgerecht verlegt, Sicherungskästen beschriftet, und auch die beiden Motoren sind für Servicearbeiten gut zugänglich.
Durch die Hecktür gelangen wir in den Salon. Die Fensterscheibe im Heck lässt sich elektrisch absenken und öffnet den Raum zusätzlich. Auf der Backbordseite befindet sich ein U-förmiges Sofa, dessen vordere Rückenlehne sich umklappen lässt, sodass ein Beifahrersitz entsteht. Da das Rückenpolster durchgehend ist, sitzt man hier sehr bequem und freut sich über eine Armlehne. Ein ausklappbarer Holztisch bietet Platz für Getränke. Zwei zusätzliche Hocker lassen sich bei Bedarf ausklappen, sodass innen und außen insgesamt bis zu 18 Personen Platz finden. Vorhänge oder Rollos sorgen für Abdunkelung, auf Wunsch lässt sich ein Fernseher aus der Decke ausklappen. Gegenüber liegt die Pantry mit zwei Kühlschränken, einer Herdplatte und einem Backofen. Stauraum ist reichlich vorhanden, ergänzt durch einen Hängeschrank und optional eine Dunstabzugshaube.
Der Fahrstand ist ebenfalls im Salon untergebracht. Zwei große Plotter sind leicht zueinander ausgerichtet und vermitteln dem Fahrer das Gefühl eines klar definierten Arbeitsplatzes, fast wie im Auto. Alle Anzeigen, Schalter und Bedienelemente sind gut erreichbar. Der Fahrersitz ist sehr bequem und vielfach verstellbar. Über eine Schiebetür gelangt man direkt nach draußen. Besonders praktisch: Auf dem Seitendeck gibt es eine Klappe, die man sitzend vom Fahrersitz aus erreicht und in der ein Festmacher verstaut werden kann. Für Frischluft lässt sich das Dach manuell öffnen. Der selbst entwickelte Mechanismus läuft über Harken-Schienen aus dem Segelsport und lässt sich dank Kugellagern mit einem Finger bedienen.
Unter Deck, drei Stufen tiefer, setzt sich der helle und hochwertige Eindruck fort. Zwei vollwertige Kabinen bieten komfortable Schlafplätze für vier Personen. Die Eignerkabine im Vorschiff überzeugt mit guter Stehhöhe, viel Stauraum und einem großzügigen Bett mit zwei Metern Länge und ebensolcher Breite im Schulterbereich. Die Gästekabine mittschiffs ist ebenfalls angenehm dimensioniert und bietet dank Rumpffenstern viel Licht und gute Lüftungsmöglichkeiten. Eine Kommode ist auf Booten selten, hier aber sehr praktisch, auch wenn sie sich mit geöffneter Tür nicht ganz ausziehen lässt. Das Bett misst ebenfalls zwei mal zwei Meter.
Die Verarbeitungsqualität ist insgesamt auf sehr hohem Niveau. Die Bodenbretter sind sogar mit Schaumstoffdichtungen eingesetzt, um keine Geräusche zu verursachen. Das Badezimmer ist großzügig geschnitten und verfügt über eine separate Dusche mit versteckter Entwässerung und einer elektrischen Toilette.
Marex bietet verschiedene Doppelinstallationen mit Volvo-Penta-D4- oder -D6-Motoren an. Je nach Konfiguration erreicht das Boot Höchstgeschwindigkeiten zwischen rund 33 und über 42 Knoten, die angenehme Reisegeschwindigkeit liegt bei etwa 22 bis 26 Knoten. Der Rumpf ist gut ausbalanciert, läuft weich durch kurze Wellen und vermittelt auch bei höherem Tempo ein sicheres Fahrgefühl. Trotz eines Leergewichts von rund 13 Tonnen wirkt das Boot überraschend leicht am Ruder – genau so wünscht man sich einen Familien-Cruiser. In Kombination mit Bugstrahlruder und optionaler Joysticksteuerung gelingen auch Hafenmanöver präzise und stressfrei.
Im Hafen hilft auf der Marex 390 ein Joysticksystem oder nur das Bugstrahlruder. Optional steht für 8.988 Euro auch ein Heckstrahlruder mit Fernbedienung zur Verfügung. Steuersitz Verstellbare Rückenstütze, zwei Armlehnen und eine verschiebbare Position sorgen für hohen Komfort während der Fahrt.
Die Galley ist erstklassig ausgestattet. Ein Kühlschrankvolumen von 182 Litern sieht man nicht allzu oft auf Booten dieser Größe. Küchengeräte und Arbeitsplatte sind nahezu haushaltsüblich.
Bei einer Marschfahrt von 1.000 Umdrehungen in der Minute und einer Geschwindigkeit von 6,2 Knoten ist das Boot unterdurchschnittlich leise. Gerade einmal 63 Dezibel waren am Fahrstand messbar.
| Drehzahl U/min | Geschwindigkeit kn | Geschwindigkeit km/h | Verbrauch l/h | Reichweite sm | Reichweite km | Lautstärke dB(A) |
| 650 | 4,3 | 7,9 | 4,6 | 691 | 1.280 | 57 |
| 1.000 | 6,2 | 11,5 | 9,2 | 498 | 923 | 63 |
| 1.500 | 8,6 | 15,9 | 24,4 | 261 | 483 | 65 |
| 1.800 | 10,5 | 19,4 | 42,5 | 183 | 338 | 68 |
| 2.200 | 14,5 | 26,9 | 70,5 | 152 | 282 | 70 |
| 2.500 | 20,0 | 37,0 | 77,0 | 192 | 356 | 69 |
| 2.750* | 24,6 | 45,5 | 85,0 | 214 | 396 | 71 |
| 3.000 | 28,6 | 52,9 | 100,9 | 210 | 388 | 72 |
| 3.250 | 32,0 | 59,3 | 114,1 | 207 | 384 | 74 |
| 3.930 | 41,2 | 76,3 | 181,8 | 168 | 310 | 77 |
Die Marex 390 setzt nicht auf die neuesten Designtrends, sondern auf das, was die Werft seit Jahren erfolgreich macht – und bei den Eignern gut ankommt. Fahrverhalten und Bauqualität überzeugen, das Boot ist zurückhaltend, aber durchaus stilvoll. Unter Deck punktet es mit großzügigen Betten in beiden Kabinen, sodass eine Langfahrt oder ein Wochenendtrip zum Vergnügen wird, auch mit Kindern.
Solide Bauweise
Ein echtes Familienboot
Relativ hohes Leergewicht
Gute Kurvenlage
Leichtes Handling
Sehr hohe Qualität
Viele kleine Details
Kommode in der Gästekabine lässt sich mit geöffneter Tür nicht vollständig ausziehen
Hochwertige Schnapper für alle Schubladen und Schränke
Modernes Holz und Alternativen zum Teak
Gute Serienausstattung
Die Aquador kam Anfang 2025 auf den Markt. Sie ist etwas größer und leichter als die neue Marex 390. Sportlicher in den Fahrwerten ist sie aber nicht, da kleinere Maschinen verbaut sind. Preis: 551.510 €
Balkontüren und somit mehr Platz im Heck. Designtechnisch fährt das französische Boot deutlich mehr im Mittelmeer-Look. Preis: 749.462 €
Die Bavaria SR41 Coupe läutete die neue Designlinie von Bavaria Yachts ein. Sie ist ebenfalls zwölf Meter lang, besitzt zwei Kabinen und ordnet sich zwischen Marex und Aquador ein. Preis: 435.421 €