Mylius M47PSegelwerft reitet Motorwelle mit 57 Knoten

Sören Gehlhaus

 · 07.04.2025

Am Spiegel der ersten Mylius M47P hängen vier Mercury 500R.
Foto: Mylius Yachts / Andrea Muscatello
Die italienische Mylius-Werft hat sich mit Carbon-Seglern einen Namen gemacht. Ihre Motorformate sind ebenso schnell, wie die M47P. Mit vier Mercury 500R und zweistufigem V-Rumpf laufen die 15-GFK-Meter 57 Knoten.

Themen in diesem Artikel

Dass Werften, die Segelyachten bauen, motorisierte Formate in ihren Portfolios aufnehmen, ist längst nichts Ungewöhnliches mehr. Meist dient die Öffnung nicht nur der Diversifizierung, sondern hat praktische Gründe wie bei Mylius. Werftchef Luciano Gandini benötigte für seinen 80-Fuß-Segler ein Begleitboot und wollte auf ein werfteigenes, ebenso von Alberto Simeone gezeichnetes Powerformat zurückgreifen. Die 15,40 Meter lange Mylius M47P war geboren. Auch wollte man damit der steigenden Nachfrage aus den USA begegnen. Ergo landeten performante Außenborder am 4,20 Meter breiten Heck: Vier Mercury 500R mit zusammen 1470 Kilowatt Leistung bringen den 13,5-Tonner auf 57 Knoten. Mit 25 Knoten lässt sich verbrauchseffizient Meilen machen.

Wellensteuerstand von Mylius-Designer

Den zweistufigen V-Rumpf fertigt Mylius in Podenzano. Anders als die schnellen Segler, die dort auch entstehen, besteht bei der M47P nur das Hardtop aus Kohlefasern. Alles Weitere wird per Glasfaserinfusion mit Epoxidharz laminiert und bei 60 Grad Celsius für 16 Stunden ausgehärtet. Klebende Verbindungen gibt es eine. Die Steuerkonsole kommt mit farblich anpassbaren Besenzoni-Sitzen und zwei 19-Zoll-Displays von Garmin, die eine vollständige Überwachung aller Bordsysteme, Instrumente und wichtigen Hilfsmittel ermöglichen. Ein Joystick erleichtert An- und Ablegemanöver.

Zwei Kabinen, zwei Niedergänge

Von der Zentrale aus lassen sich Autopilot, Scheibenwischer, der einziehbare Teleskopanker am Bug und das mit Garmin verbundene Infotainmentsystem steuern, das vier Audiozonen bedient: Eigner-, Gästekabine, Steuerstand und Achterdeck. Den Seakeeper 4.5 gibt es optional, auf Wunsch klappen auch die Bordwände ab. Eine Besonderheit der M47P: Die beiden Kammern sind räumlich getrennt und verfügen entsprechend über einen eigenen Zugang und Bad.

Mylius treibt Expansion voran

Mylius sorgte bereits mit dem voluminösen Flybridge-Format Mylius 62 Power auf sich aufmerksam. Damit nicht genug. „Wir freuen uns sehr, dass wir uns auf diese Reise begeben haben und in den Motoryachtmarkt mit zwei Produktlinien einzutreten“, sagt Valentina Gandini, CEO von Mylius Yachts. „Obwohl sie sich in Stil und Verwendungszweck unterscheiden, spiegeln die M47P und MY62 unseren Ansatz getreu wider und bewahren das für die Werft charakteristische Familiengefühl. Von der M47P wurden bereits zwei Exemplare produziert, vier weitere sind in Vorbereitung. Damit sind wir auf dem besten Weg, zwölf Boote pro Jahr zu fertigen. Im Gegensatz zu unseren Segelyachten, die mit ihrem maßgeschneiderten Stil das Kerngeschäft des Unternehmens bleiben, könnte man die Motoryachtlinie als die Prêt-à-porter-Kollektion der Werft bezeichnen.“


Artikel teilen:
Sören Gehlhaus

Sören Gehlhaus

Stellvertretender Chefredakteur BOOTE EXCLUSIV

Sören Gehlhaus wurde 1981 in Berlin geboren und besegelte auf Jollen die Unterhavel, in den Ferien den Ratzeburger See und die Ostsee auf „Dickschiffen“. Zeitgleich mit dem Beginn des Studiums in Lübeck trat 2001 das Kitesurfen auf den Plan, und die intensive Ausübung des neuen Sports sorgte für den beruflichen Schwenk zum Journalismus. Nach Volontariat beim b&d Verlag in Hamburg folgten viele Jahre der redaktionellen Arbeit für ein Kitesurf-Magazin und 2018 der Wechsel zu BOOTE EXCLUSIV.

Meistgelesen in der Rubrik Boote