Sonne, Wind und Ferne

Sören Gehlhaus

 · 25.11.2021

Sonne, Wind und FerneFoto: Alberto Cocchi
Sonne, Wind und Ferne | ne
Die Silent 60 erhielt einen Reichweiten-Booster in Form eines Kites. Erste Tests vor Mallorca erzielten erstaunliche Ergebnisse.
Steuerzentrale: Der Kite erzeugt Zug, indem der Pilot ihn Achten abfliegen lässt. In Zukunft soll das ein Autopilot übernehmen. | n.Foto: Alberto CocchiSteuerzentrale: Der Kite erzeugt Zug, indem der Pilot ihn Achten abfliegen lässt. In Zukunft soll das ein Autopilot übernehmen. | n.

Die österreichische Marke, die in Italien und Thailand produzieren lässt, hatte die erste Silent 60 im Mai 2021 gewassert. Auf dieser Baunummer eins kamen bei den Tests vor Mallorca handelsübliche 9 und 13 Quadratmeter große Tubekites zum Einsatz. Diese werden auf dem Vorschiff aufgepumpt, angeleint und nach Lee ausgeworfen. Mit seinen Luftschläuchen (Tubes) schwimmt der Drachen auf der Wasseroberfläche und lässt sich von hier aus starten. Einmal in der Luft, fliegt er – auf den Fotos noch per Fernsteuerung – und zukünftig automatisch per Autopilot seine Achten ab. Dann liefert eine auf dem Stummelmast gelagerte und mit einer Flugleine verbundene Stange dem System permanent Daten über den Standort des Kites. Das Holen und Fieren sowie das Steuern geschieht über E-Winden.

Die Silent 60 schaffte es, mit bis zu 40 Grad gegen den Wind anzusegeln und loggte platt vor dem Wind Geschwindigkeiten zwischen vier und fünf Knoten ein. Silent-Werftkapitän Mike Wandler berichtet von der Brücke: „Dann schalteten wir die Elektromotoren ein, die jeweils nur ein Kilowatt verbrauchen, um den Widerstand der Propeller zu verringern. Das führte zu Geschwindigkeiten von sechs bis sieben Knoten bei gleicher Fahrtrichtung – eine erhebliche Verbesserung gegenüber unseren ursprünglichen Prognosen.“

Das Kite Boat System hat das Dresdener Unternehmen Wingit entwickelt und bereits an Motor- und Segelyachten ausgeliefert. Silent Yachts konnte bislang acht Eigner für die Kite-Option gewinnen. Die Silent 60 vertraut auf zwei E-Motoren mit einer Spitzenleistung von jeweils 340 Kilowatt und einer Batteriekapazität von 286 Kilowattstunden. Das Gros der Energie wird über 42 Solarpaneele geerntet, die bis zu 17 Kilowatt-Peak liefern. Der 17,99 Meter lange Kat mit langer Wasserlinie und negativem Steven wird am ökonomischsten mit sechs bis acht Knoten betrieben, soll aber auf maximal 20 Knoten beschleunigen können.

Silent-Yachts konnte kürzlich einen Eigner für die Silent 100 finden, eine Explorer-Version aus den Rechnern des römischen Designers Marco Casali. Da das Kitesystem als Option für alle Modelle angeboten wird, ist beim 31 Meter langen und 13,62 Meter breiten Flaggschiff eher von einem 50 Quadratmeter großen Kite an 150 Meter langen Leinen auszugehen.

Effizient: Die beiden E-Motoren beschleunigen die Silent 60 ohne Kite auf bis zu 20 Knoten. | n.Foto: Alberto CocchiEffizient: Die beiden E-Motoren beschleunigen die Silent 60 ohne Kite auf bis zu 20 Knoten. | n.
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Sören Gehlhaus

Sören Gehlhaus

Stellvertretender Chefredakteur BOOTE EXCLUSIV

Sören Gehlhaus wurde 1981 in Berlin geboren und besegelte auf Jollen die Unterhavel, in den Ferien den Ratzeburger See und die Ostsee auf „Dickschiffen“. Zeitgleich mit dem Beginn des Studiums in Lübeck trat 2001 das Kitesurfen auf den Plan, und die intensive Ausübung des neuen Sports sorgte für den beruflichen Schwenk zum Journalismus. Nach Volontariat beim b&d Verlag in Hamburg folgten viele Jahre der redaktionellen Arbeit für ein Kitesurf-Magazin und 2018 der Wechsel zu BOOTE EXCLUSIV.

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