Stratos Dutch Built 50Das erste eigene “Baby” von Lengers Yachts

Jan-Ole Puls

 · 28.08.2024

Farbpalette: „Stratos Blue“  ist einer von 25 Basistönen.  Das Hardtop besteht aus  Carbon und leuchtet in Grau.
Foto: Sofia Winghamre Photography
Dutch Built 50 nennt sich die erste Eigenentwicklung von Lengers Yachts, die mit ihrer neuen Marke Stratos den Weekender-Markt erobert. BOOTE EXCLUSIV testete das sportliche Power-Format, das mit markantem Look und kräftigem Auftritt überrascht.

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Eine Yacht, eine eigene Marke zu kreieren, das ist für mich das Schönste“, sagte Bas Lengers in einem früheren Interview mit Boote Exclusiv. Damals besuchten wir das Unternehmen vor den Toren Amsterdams, wollten wissen, wie sich der niederländische Yachthändler in vier Jahrzehnten entwickelt hat. Schnell war klar, dass es einen Folgetermin geben musste, um das fertige „Baby“ zu sehen, das sich damals noch im Bau befand. Der lang ersehnte Nachwuchs ist nun auf der Welt, rund 15 Meter lang, 4,45 Meter breit und fast ganz aus Glas- sowie Kohlefaser laminiert. Während die in Amsterdam beheimateten Sealevel Naval Architects die Konstruktion der Stratos Dutch Built 50 (DB50) lieferten, ist das Designbüro Bernd Weel für den sportlichen Charakter und die dynamischen Linien des ersten Stratos -Modells verantwortlich. Aus der Feder des Niederländers stammt auch die Holterman Xtreme Series und die 64-Meter-Icon „Mission“.

Um den Newcomer zu begutachten, steht eine ausgiebige Probefahrt auf dem Ijsselmeer an. Die DB50 fährt sich ruhig und kontrolliert, selbst bei größeren Wellen liegen die 20 Tonnen gut und sicher im Wasser – das unterstreicht auch die CE-Kategorisierung A. Die Höchstgeschwindigkeit steht mit 36 Knoten in den Papieren, die beiden Volvo-Penta-Aggregate mit sechs oder acht Zylindern haben Kraft. Zöge man Parallelen zu einem Sportwagen, könnte der Vergleich mit einer Mercedes S-Klasse schon hinken. In puncto Verarbeitung und Fahrverhalten ließe sich die Stratos schon eher mit dem großen Bruder, der Maybach S-Klasse, vergleichen. Der Look des 20-Tonners hingegen erinnert eher an eine von Brabus getunte G-Klasse.

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Stratos Dutch Built 50 kommt mit ausgeklügelten Features

Versteckte Lüftungseinlässe für den Motorenraum, eine in die absenkbare Heckplattform eingelassene Gangway und eine umlaufende, von der Werft selbst produzierte Sichtcarbon-Handreling mit indirekter LED-Beleuchtung sind nur einige Merkmale, die den rund 2,3 Millionen Euro teuren Weekender (Startpreis Liste 2025) in den Rang einer Superyacht schieben. Im Bug des Oberdecks befindet sich eine große, ergonomisch angepasste Sonnenliege, im Anschluss folgt der Steuerstand, der wie der Niedergang durch das Hardtop geschützt ist.

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Die Windschutzscheibe ist nach vorne geneigt, was diverse Vorteile hat: Spritzwasser oder Regen laufen ab, der Gebrauch der Scheibenwischer reduziert sich auf ein Minimum. Hier ziehen sich auch das Raumgefühl und die Kopffreiheit in die Höhe, gleichzeitig liegen die Instrumente im Schatten. Der großzügige Steuerstand besteht fast durchgehend aus Sichtcarbon, die Optik gelingt harmonisch. Gut eingebettet liegen die Plotter, die Daten wie Wassertiefe, Drehzahl und Geschwindigkeit anzeigen und natürlich auf die Bedürfnisse des Kapitäns eingestellt werden. Gesteuert wird entweder per Joystick oder klassisch mit Lenkrad und Gashebel. Darüber hinaus zeigt sich das Cockpit mit 360-Grad-Rundumsicht auf das Wesentliche reduziert, was nicht nur edel aussieht, sondern auch beim praktischen Handling punktet.


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Das edle Cockpit

Wer auch immer am Ruder der DB50 steht, bleibt nicht lange alleine. Auf der Baunummer eins wurden vier Sessel installiert, zur Standardausstattung gehören drei. Die Custom-Sportsitze tragen viel Kohlefaser mit einem glänzenden Finish. Für die Erfrischung zwischendurch ist die Wetbar in Reichweite, bestückt mit Kühlschränken, Grill sowie einer von Stratos geschweißten Edelstahlspüle. Um den Tag stilvoll ausklingen zu lassen, steht Champagner im gekühlten Getränkehalter bereit. Das nötige Zubehör für das Servieren lagert in Schubladen, die sich elektrisch auf Knopfdruck öffnen.

Hinter der Wetbar können acht Tagesgäste sitzen, auch die Polster für die beiden Bänke stammen, wie fast alle Materialien an Bord, aus den Niederlanden. Richtung Heck schließt sich eine Sonnenliege inklusive Stauraum an. Erst auf den zweiten Blick entpuppt sich der Decksbelag als Flexiteek mit hellen Fugen. Die makellose Lackierung, selbstverständlich auch unter Stratos -Regie in den eigenen Hallen aufgetragen, besteht aus neun Schichten. Den drei Lagen Primer und diversen Zwischenschliffen folgen drei Schichten Farbe und zu guter Letzt drei Durchgänge mit Klarlack. Die Baunummer eins trägt leuchtendes „Stratos Blue“, doch möglich ist fast alles – auf Wunsch auch der Farbton des eigenen Sportwagens.

Ein genauerer Blick auf das Hardtop der Stratos bringt Details ans Licht. Die Carbon-Konstruktion spannt sich nahtlos von der Windschutzscheibe bis auf die Rücksitzbank, was ausreichend Schutz vor den Elementen bietet. Zwei Stützen auf Höhe der Wetbar fügen sich in das Design ein. Steht der Sinn nach Frischluft, lässt sich das Dach entweder nach vorne zum Steuerstand oder nach hinten zu den Sitzplätzen öffnen.

Eine Etage tiefer können die Eigner zwischen drei Interieur Paketen wählen, die sich in den Farben und Materialien unterscheiden: das helle „Zen“, das „Serene“ und das eher sportliche „Graphite“ wie bei der ersten DB 50.

Das Layout der Stratos gibt sich pragmatisch

Im Bug befindet sich ein U-Sofa mit absenkbarem Tisch und Schlafmöglichkeit, an Backbord ist eine kleine Pantry eingebaut. Sämtliche Edelstahlflächen sowie das integrierte Waschbecken wurden getreu dem Motto „Dutch Built“ von den eigenen Werftmitarbeitern nach strengen Qualitätsvorgaben geschweißt. Gegenüber steht ein Minibad mit Carbon-Toilette bereit. Überraschend großzügig präsentiert sich die Schlafkabine mit seitlichem Stauraum. Zwar müssen hier selbst kleinere Gäste den Kopf einziehen, dafür fällt durch die breiten Fensterbänder viel Tageslicht hinein und die hervorragende Aussicht auf den Horizont wird jeden Eigner erfreuen. Wird es Nacht, weitet die angenehme, indirekte Beleuchtung den Raum optisch.

Den Fahrspaß garantieren zwei Volvo Penta IPS 650 D6-Pakete, auf Wunsch lässt sich die Variante IPS 800 D8 einbauen. Damit erreicht die DB50 neben den maximal 36 Knoten mühelos eine Reisegeschwindigkeit von 32 Knoten. Den Treibstoff saugen die Motoren aus einem 2100 Liter fassenden Dieseltank. Laut Werftangaben hat Stratos den Weekender für sämtliche Jahreszeiten und Klimazonen konzipiert. Am Testtag gab sich das Wetter über der niederländischen Küste regnerisch und windig, eher herbstlich. Nun, die meisten Eigner werden ihre DB50 wohl sowieso ins Mittelmeer verholen.


Technische Daten

Farbpalette: „Stratos Blue“  ist einer von 25 Basistönen.  Das Hardtop besteht aus Carbon und leuchtet in Grau
  • Länge über alles: 15,06 m
  • Breite: 4,45 m
  • Tiefgang: 1,28 m
  • Verdrängung (halbleer): 20 t
  • Material: GFK/Carbon
  • Motoren: 2 x Volvo Penta V6
  • Motorleistung: 2 x 356 kW
  • Geschwindigkeit (max.): 36 kn
  • Geschwindigkeit (Reise): 32 kn
  • Kraftstoff: 2100 l
  • Wasser: 450 l
  • Navigation: Garmin
  • Konstruktion: Sea Level
  • Exterieurdesign: Bernd Weel Design
  • Interieurdesign: Bernd Weel Design
  • Klasse: CE „A“
  • Werft: Stratos, 2024
  • Startpreis (Liste 2025): 2,3 Mio. Euro

Jan-Ole Puls

Jan-Ole Puls

Redakteur Test & Technik

Ole Puls wuchs auf Jollen und Dickschiffen auf und kam so früh mit dem Segeln in Berührung. Nach der Schule absolvierte er eine Ausbildung zum Bootsbauer im Bereich Hightech-Kohlefaserbau. Seit 2022 ist er im Ressort Test & Technik tätig. Zu seinen Aufgaben zählen Bootstests von Motorbooten aller Art sowie praxisnahe Technikthemen. Die Sommer verbringt er auf dem Wasser und meist auf der Ostsee oder Schlei.

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