Boston Whaler 210 VantageBowrider der Extraklasse

Ralf Marquard

 · 30.12.2024

Die Boston Whaler 210 Vantage  eignet sich gut für Binnenreviere und küstennahe Gewässer
Foto: Jan-Ole Puls
Wer Boston Whaler hört, verbindet diesen Namen gleich mit solider Bauweise und Sicherheit, denn die Bootsrümpfe sind ausgeschäumt und machen das Boot unsinkbar.

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So auch unser Testboot, die Boston Whaler 210 Vantage, die auf der Miami Boatshow 2024 ihr Debüt feierte. Ein Freizeitboot, das als Bowrider konzipiert und für neun Personen zugelassen ist. Sie eignet sich mit der CE-Kategorie C für Fahrten auf Binnenrevieren, wie unserem Testgewässer dem Schweriner See, als auch auf küstennahen Gewässern. Die Boston Whaler 210 Vantage ist ein vielseitiges Boot, das für Wassersport, Angeln oder einfach nur entspannte Tage auf dem Wasser konzipiert wurde. Im Bug findet man eine Sitzeinheit mit Tisch, die zu einer Sonnenliege gewandelt werden kann. Unter den Polstern gibt es genügend Stauraum, vorn einen Ankerkasten mit einem Deckel, der eine Ausbuchtung für die Ankerleine hat. Vom offenen Bug gelangt man über einen breiten Mitteldurchgang mit Klappscheibe (in einem soliden Rahmen mit Arretierung) und Windschutz (Tür) im Fußraum ins Cockpit.

Passendes Raumangebot

Am Durchgang ist an Steuerbord der Fahrstand installiert und auf der gegenüberliegenden Seite ein Toilettenraum. Letzterer lässt sich über eine Tür vor dem Beifahrerplatz betreten und bietet für Erwachsene ein passendes Raumangebot. Die Beifahrersitzeinheit (Extra) auf unserem Testboot kann mithilfe der klappbaren Lehne in eine Sonnenliege gewandelt werden. Im hinteren Teil des Cockpits gibt es einen Tisch (Aufpreis), der bei Nichtgebrauch praktisch im Toilettenraum verstaut wird. Eine gute Idee findet man ebenfalls bei den beiden Hecksitzen: Ihre Rückenpolster lassen sich nach unten klappen, die Außenseite mit Antirutschstrukturen schließen dann auf Höhe der Badeplattform ab, was den stolperfreien Zugang von achtern garantiert. An Steuerbord liegt unter einem Deckel die Badeleiter, die einen einfachen Aufstieg aus dem Wasser garantiert. Eine Heckdusche - mit der man sich unter anderem das Salz vom Körper spült - gibt es ebenfalls.

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Markenzeichen von Boston Whaler

Sicher und gut platziert fühlt man sich auf dem Fahrersitz. Er ist sportlich gepolstert und gut geformt. Schaltung und Steuerrad (höhenverstellbar) hat man von dort gut im Griff. Ein Markenzeichen von Boston Whaler: der Knauf am Lenkrad. Die Instrumente lassen sich gut ablesen und die Schalter uneingeschränkt bedienen. Der Blick durch die Windschutzscheibe im stabilen Rahmen ist gut. Scheibenwischer? Fehlanzeige. Am Testtag zeigte sich der Schweriner See bei einer Windstärke von etwa 4 Bft. aufgewühlt. Eine Kabbelsee die man mit der Boston Whaler weich und trocken überspringt (etwa 26 Knoten), sogar mit etwa 40 Knoten war die Fahrt noch sicher und nicht zu hart. Die Bootslage steuert dabei die Active-Trimm-Automatik von Mercury. Die Trimmklappen auf unserem Testboot stehen auf der Zubehörliste, und lassen sich bei Seitenlage einsetzen.

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Fährt man schnelle Kurven zieht der Rumpf sportlich seine Runden, der Propeller schnappt einmal kurz Luft, wenn man vom engen Kreisel zurück auf Geradeaus dreht. Auf dem Slalomkurs lässt sich das Testboot immer gut kontrollieren und beim Verreißen des Ruders setzt das Heck soft ein. Wer auf Reichweite setzt, lässt den F250-von Mercury 3.500 Umdrehungen/Minute drehen und gleitet mit gut 20 Knoten übers Wasser, der Verbrauch liegt bei 1,30 Liter/Seemeile, daraus ergibt sich mit dem 303-l-Tank eine respektable Reichweite von fast 200 Seemeilen plus 15 % Reserve. Bei Vollgas mit 43 Knoten errechnet sich noch ein Wert von 131 Seemeilen. Wasserskiläufer, Wakeboarder oder Tubefahrer lassen sich ebenfalls gut ziehen. Dafür sorgt die kräftige Motorisierung, die einen schnellen Übergang von Verdränger- in Gleitfahrt garantiert.

Gute Verarbeitung und Installationen

In Verdrängerfahrt zwischen etwa 4 und 6,5 Knoten giert die Boston Whaler, was für diesen Bootstyp nicht ungewöhnlich ist. Hafenmanöver lassen sich mit engen Wendekreisen und direktem Umsteuerverhalten (rückwärts eingekuppelt) gut fahren. Damit die Fahrt oder das Liegen am Ankerplatz von einem guten Sound begleitet wird, befindet sich auf dem Testboot eine Musikanlage mit Bose-Einbaulautsprechern. Eine Besonderheit findet man unter dem Fahrtstand, hier ist ein Mülleimer untergebracht, der von außen befüllt werden kann. Ein gutes Bild hinterlässt die gesamte Verarbeitung, das fängt bei den soliden Beschlägen und Handläufen an, geht über die erstklassige Polsterung bis zur sorgfältigen Kunststoffverarbeitung mit ausgeschäumten Hohlräumen. Gleiches Lob bekommen die Installationen auf dem Testboot.

Fazit

Die Boston Whaler 210 Vantage ist ein sportliches Boot für Ausflüge auf den unterschiedlichsten Revieren mit der Familie oder Freunden. Sie bietet ein hohes Maß an Sicherheit und zeigt gute Fahreigenschaften.


Technische Daten

  • Werft: Boston Whaler / USA
  • Typ: 210 Vanatage
  • CE-Kategorie: C/9
  • Rumpf und Deck: Kunststoff
  • Länge über alles: 6,47 m
  • Breite: 2,59 m
  • Verdrängung (o. M.): 1.728 kg
  • Tiefgang (o. M.): 0,46 m
  • Durchfahrtshöhe: 1,50 m
  • Kraftstofftank: 303 l
  • Cockpitgröße: 2,02 m x 3,70 m
  • Sitzhöhe: über Toilette 0,87 m
  • Sonnenliege: Vordeck 1,10 m x 1,70 m, Cockpit 0,98 m x 1,87 m
  • Freibord: 0,50 m (bei Heckeigang)
  • Wendekreise (Bootslängen): vorwärts Stb 1 1/4, Bb. 1 1/4 Stb.; rückwärts 1 Bb., 1 Stb.
  • Umsteuern: von. Stb. nach Bb. 4 s; von Bb. nach Stb. 4 s
  • Motorisierung: Mercury V8 F250 EFI,
  • Preis: auf Anfrage
  • Vertrieb: atlanticmarine.de

Messwerte

  • Drehzahl Geschwindigkeit Verbrauch Reichweite
  • 1.000 U/min 4,2 Knoten 1,03 l/sm 249 sm
  • 2.000 U/min 6,9 Knoten 1,58 l/sm 163 sm
  • 3.500 U/min 20,2 Knoten 1,30 l/sm 199 sm
  • 4.500 U/min 30,5 Knoten 1,47 l/sm 175 sm
  • 5.500 U/min 39,0 Knoten 1,75 l/sm 147 sm
  • 6.100 U/min 43,0 Knoten 1,96 l/sm 131 sm

Ralf Marquard

Ralf Marquard

Stellvertretender Chefredakteur BOOTE

Ralf Marquard entdeckte seine Begeisterung für das Bootfahren auf der beschaulichen Aller, zunächst mit Schlauchbooten, später mit einem Sechs-Meter-Kajütboot. Sein Elektrotechnikstudium an der HAW Hamburg führte ihn vom südlichen Heidekreis (Niedersachsen) in die Hansestadt. Ralf Marquard arbeitet seit 1997 in der BOOTE-Redaktion und wurde dort zum Testredakteur ausgebildet. Er testet sowohl kleine Schlauchboote als auch größere Yachten. Sein persönliches Boot ist ein 4,50 Meter langes, selbstgebautes Holzboot mit einem 50-PS-Außenbordmotor. Im Jahr 2007 wurde er zum stellvertretenden Chefredakteur bei BOOTE ernannt.

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