Boston Whaler 250 DauntlessUnsinkbare Legende mit „Fishing-DNA“

Jan-Ole Puls

 · 16.12.2024

Der positive Vorsteven der 250 Dauntless schneidet gut durch die Wellen
Foto: Ole Puls
Ein Familienboot mit der DNA eines Fischerbootes, das ist die Boston Whaler 250 Dauntless. Ob sie wirklich familientauglich ist, musste sie auf dem Schweriner See zeigen

Themen in diesem Artikel

Die amerikanische Werft Boston Whaler ist für viele mehr als nur eine Werft. Gerade in den USA ist sie so etwas wie der Olymp. In Regionen wie den Florida Keys gehören die Boote zum alltäglichen Bild. Klar, für die Amerikaner ist das Angeln in etwa das, was für die Deutschen das Fußballspielen ist. Schon Kinder fangen früh mit diesem Hobby an, und dazu gehört ein robustes, durchdachtes und vor allem sicheres Boot. Auf der Ostsee sieht man oft kleine Angelboote, die kaum länger als drei oder vier Meter sind, zum Beispiel eine Terhi 450. Wer mit einem solchen Bötchen auf dem Atlantik unterwegs ist, wird kaum Spaß haben. Die Boote sind für die dort herrschenden Bedingungen einfach nicht gebaut.

Ein besonderer Vorteil

Anders sieht es bei der 1958 gegründeten Werft Boston Whaler aus. Hier ist alles auf das Abenteuer auf See ausgerichtet, egal bei welchem Wetter. In Europa könnte man das vielleicht mit den derzeit sehr beliebten skandinavischen „Schlechtwetterbooten“ wie einer Axopar 29 XC Cross Cabin oder der neuen XO DFNDR 9 vergleichen. Da es in Florida weniger regnet und wärmer ist, braucht man keine Kabine. Einen besonderen Vorteil haben aber alle Boston-Whaler-Boote: Der Rumpf ist komplett ausgeschäumt, wodurch das Boot unsinkbar ist. Das zeigt die Werft auch, und so sieht man in den sozialen Netzwerken immer wieder ein Modell, das in der Mitte durchgeschnitten durch die Gegend fährt.

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Doch dies soll keine Werftvorstellung werden, sondern ein Bootstest über die Boston Whaler 250 Dauntless. Die Dauntless-Serie ist für Inshorefishing, Wassersport und als Ausflugsboot konzipiert. Schon beim Betreten der 250er spürt man die „Fishing-DNA“. Im Heckbereich wird auf eine durchgehende Sitzbank verzichtet und stattdessen eine Art Aftdeck verbaut. Alle Scharniere sind bündig eingelassen, sodass man sich nirgends den Zeh stoßen kann, wenn man sich auf ihr bewegt. Wer also den großen Thunfisch oder bei uns mit viel Glück einen großen Lachs oder Dorsch an der Angel hat, kann sich frei bewegen. Unter der mittleren Klappe verbirgt sich ein Lebendfischbehälter. Wer mit Angeln nichts anfangen kann, füllt ihn einfach mit Eis und kühlt so sein Lieblingsgetränk. Rechts und links befinden sich aus dem Aftdeck klappbare Einzelsitze. Die Rückenlehne ist fest mit dem Klappteil verbunden, die Sitzfläche wird mit Magneten auf der Fläche und Knöpfen an der Unterseite befestigt.

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Ausstattung Boston Whaler 250 Dauntless

In der Mitte des Bootes befindet sich der Steuerstand. In unserer Version ist das Testboot mit einem Deluxe-Helmseat-Paket ausgestattet. Das heißt: Wir haben eine Doppelsitzbank und viel Stauraum. Es gibt drei Schubladen und eine große Klappe. Die Bank ist angenehm gepolstert und kann, wie heute üblich, zum Sitzen oder Anlehnen genutzt werden. An den Seiten befinden sich gepolsterte Armlehnen. Der Fahrstand ist mit einem 12 ‐Zoll-Raymarine-Plotter, einem Fusion-Audio-Bedienelement und dem Mercury-eigenen Motorkontrollelement ausgestattet. Lichter, Horn und vieles mehr werden klassisch über eine Schalterreihe bedient. Lenkrad, Gashebel und Trimmsystem sind natürlich auch vorhanden. Es ist also alles da, was das Herz begehrt. Sogar zwei Getränkehalter und ein kleines Staufach haben noch Platz gefunden. Wer möchte, kann auch zwei 9 ‐Zoll-Plotter ordern.

In der Konsole ist eine kleine Chemietoilette verbaut. Der Platz ist zwar nicht besonders groß, aber für die Notdurft sollte es reichen. Ein mit Stoff bespanntes T ‐Top schützt vor der Sonne. Am Aluminiumrahmen, der aus Rohren besteht, sind ebenfalls Angelrutenhalter angebracht. Wer sich auf dem Wasser anderweitig sportlich betätigen möchte, für den ist in der Mitte des T ‐Tops eine Wasserski-Zugöse eingebaut. Weiter vorne befindet sich eine vom Hersteller als Lounge bezeichnete Sitzfläche. Die Lounge ist eine 1,10 x 1,15 Meter große Fläche mit Rückenpolster. Zum Sitzen lehnt man sich an den Steuerstand an. Zum Liegen ist sie zu klein. Darunter gibt es viel Stauraum. Seitlich sind Armlehnen angebracht.

Das Polster wird mit Gummibändern an Ösen befestigt. Wenn alle Bänder gut befestigt sind, hält das Polster auch bei Vollgas. Werden ein oder zwei Befestigungen vergessen, besteht die Gefahr, dass das Polster verloren geht.


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Im Bug dann das klassische Bild – eine Liegefläche. Das Besondere aber auch hier: Die hinteren, seitlichen Polster können hochgeklappt werden und fungieren dann als Rückenlehne. Die Blickrichtung ist dabei zum Bug. Darunter befinden sich Verstaumöglichkeiten und ganz vorne die Ankerbox. Haltegriffe und Getränkehalter sind ebenfalls vorhanden. Auf dem Seitendeck kann mithilfe von Kohlefaserstangen und einem Sonnensegel und natürlich den passenden Aufnahmen Schatten geschaffen werden.

Bisher überzeugt uns das Boot durch eine gute Verarbeitung und coole Gimmicks. Auch das Gefühl der hochgezogenen Seitenwände (61 Zentimeter) gefällt uns, sie vermitteln Sicherheit. Jetzt muss die 250er zeigen, ob sie auch fahren kann.

Die Testfahrt mit der Boston Whaler

Wir starten den 300 PS starken Mercury-Motor und legen ab. Außerhalb des Hafens beschleunigen wir, gerade so, dass keine Welle entsteht. Dieser Punkt liegt bei etwa 1500 Umdrehungen pro Minute. Die Logge zeigt eine Geschwindigkeit von etwa 5,5 Knoten an. Wenn wir weiter beschleunigen, beginnt die Boston Whaler bei den typischen 2500 bis 3000 Umdrehungen pro Minute zu gleiten. Die Geschwindigkeit beträgt um die 10 Knoten. Eine gute und wirtschaftliche Gleitfahrt liegt bei 3500 Umdrehungen pro Minute und einer Geschwindigkeit von 24,5 Knoten an. Dabei verbraucht die Whaler 31,8 Liter Benzin pro Stunde. Umgerechnet auf den doch sehr großen Tankinhalt von 341 Litern abzüglich 15 Prozent Reserve ergibt das eine Reichweite von 223 Seemeilen oder neun Stunden und sechs Minuten.

Bei allen Geschwindigkeiten macht das Boot eine gute Figur, kein Schlingern, keine surrenden Geräusche von schwingenden Teilen oder Klappen. Das Steuer kann man dabei auch mal loslassen, die Whaler fährt trotzdem geradeaus. Auf dem Slalom-Parcours schlägt sie sich ebenfalls gut. Die 250 Dauntless fühlt sich leichtfüßig und spritzig an, fast wie ein Kart auf der Rennstrecke. Bei maximaler Beschleunigung haben wir etwa 45 Knoten auf der Logge.

Mit etwas weniger Geschwindigkeit beginnen wir mit engen Kreisen, das Boot hakt nicht, sondern dreht gemächlich seine Runden. Auch bei über 30 Knoten ist das problemlos möglich. Dabei nutzen wir die Sitzbank zum Anlehnen. Zurück in Richtung Hafen machen wir es uns gemütlich. Die Sicht bleibt und wir sind froh über die Armlehnen.


Technische Daten

boot/100095153_9b69c1f907e715ee54d03418dd89cb81Foto: Marc André Bergmann
  • CE-Kategorie: C/10
  • Länge über alles: 7,32 m
  • Breite: 2,59 m
  • Verdrängung: 2.150 kg
  • Tiefgang (Antrieb oben): 0,38 m
  • Durchfahrtshöhe: 2,41 m
  • Kraftstofftank: 341 l
  • Max. Motorisierung: 298 kW (400 PS)
  • Testmotorisierung: Mercury F300 220 kW (300 PS)
  • Preis (mit Motor und T-Top): 196.020 €
  • Weitere Informationen: atlanticmarine.de

Messergebnisse


Fazit

Die Boston Whaler 250 Dauntless ist nicht nur ein Angelboot für Gutverdiener, sondern auch ein wahres Familienboot. Klar, der Preis ist für ein 25-Fuß-Boot hoch, er spiegelt sich allerdings auch in der Verarbeitung und vor allem an den durchdachten Features wider.

Vorteile

viel Platz zum Angeln

unsinkbar

großer Tank für ein 25-Fuß-Boot


Jan-Ole Puls

Jan-Ole Puls

Redakteur Test & Technik

Ole Puls wuchs auf Jollen und Dickschiffen auf und kam so früh mit dem Segeln in Berührung. Nach der Schule absolvierte er eine Ausbildung zum Bootsbauer im Bereich Hightech-Kohlefaserbau. Seit 2022 ist er im Ressort Test & Technik tätig. Zu seinen Aufgaben zählen Bootstests von Motorbooten aller Art sowie praxisnahe Technikthemen. Die Sommer verbringt er auf dem Wasser und meist auf der Ostsee oder Schlei.

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