Jan-Ole Puls
· 19.01.2026
Mit der Utility 27 und der Super Utility 27 bringt die norwegische Werft Cormate zwei Boote auf den Markt, die sich bewusst keiner klassischen Kategorie zuordnen lassen – und genau darin liegt der besondere Reiz. Zwar erinnert der Name „Utility“ zunächst an nüchterne, rein funktionale Arbeitsboote, doch die Realität zeigt ein ganz anderes Bild. Die 27-Fuß-Modelle präsentierten sich als stilbewusste, sehr hochwertige verarbeitete Daycruiser mit sportlichen Genen und einer gelungenen Kombination aus italienischem Stilgefühl und norwegischer Klarheit sowie guter Bauqualität.
Der einzige Unterschied bei den Modellen ist der Antrieb. Die normalen Utilitys besitzen einen Außenborder. Die Super Utilitys einen Innenborder. Wahlweise als Benziner oder als 3.0 TDI Diesel. Für diejenigen, die die Marke Cormate noch nicht kennen oder bisher wenig Berührungspunkte mit ihr hatten: Die Geschichte dieser Werft beginnt im Jahr 1985 mit der Gründung von Hydro-Design, initiiert durch Egil Ranvig und Tom Martens Meyer. Das junge Unternehmen spezialisierte sich zunächst auf den Bau von Wasserskibooten, entwickelte sich aber rasch weiter in Richtung Hochleistungs-Rennboote. Bereits in den 1990er-Jahren machten die Norweger international auf sich aufmerksam. 1993 stellte das Team mit einem Hydrolift CR-28 einen UIM-Weltrekord in der Offshore-6-Liter-Klasse auf – ein beachtlicher Meilenstein für ein vergleichsweise kleines Unternehmen.
Doch es blieb nicht bei einem einzigen Coup. Ein weiteres, technologisch bemerkenswertes Projekt war der sogenannte RIBCAT – ein revolutionärer Katamaran, der von einem V12-Lamborghini-Motor angetrieben wurde und als erstes RIB der Welt eine Geschwindigkeit von über 100 Knoten erreichte. Aus diesem fortschrittlich denkenden Unternehmen entwickelte sich im Laufe der Zeit die Marke Cormate mit dem klaren Ziel, Performance mit eleganter Linienführung, etwas Alltagstauglichkeit und exzellenter Seetüchtigkeit zu verbinden. Heute steht Cormate für kompromisslose Qualität, technische Präzision, luxuriöse Ausstattungen und ein sehr eigenständiges Designverständnis – alles verankert in moderner CAD/CAM-Technologie und traditioneller norwegischer Bootsbaukunst.
Auch die beiden Testboote folgen diesem klaren Konzept. Das Design bleibt der typischen Cormate-Linie treu: Die Silhouette zeigt klare, definierte Kanten, ein tiefes V (24,5 Grad) für beste Rauwasser-Eigenschaften. Der Rumpf ist schmal geschnitten, das Freibord bewusst niedrig gehalten – insgesamt wirkt das Boot dynamisch, schnittig und doch klassisch elegant. Besonders hervorzuheben ist die durchgehend sehr hochwertige Verarbeitung – vom sorgfältig ausgeführten Gelcoat bis zu den per CNC gefertigten Beschlägen. Gebaut wird das Boot aus Kohlefaser mit Vinylesterharz.
Im Cockpit spiegelt sich der skandinavische Designanspruch wider: Schlichtheit, Übersichtlichkeit und Funktionalität gehen Hand in Hand. Alles befindet sich an seinem intuitiv richtigen Platz. Die Sitzgruppe im Heck lässt sich mit wenigen Handgriffen in eine großzügige Sonnenliege verwandeln. Mittig angeordnet ist der Steuerstand – dieser bietet dank der niedrigen Bordwände eine ausgezeichnete Rundumsicht, was nicht nur beim Anlegen, sondern auch bei schneller Fahrt von Vorteil ist. Im Vorschiff gibt es zudem eine kleine Kabine. Sie kann entweder als Notkoje dienen oder großzügigen Stauraum bieten . Eine Flexibilität, die das Boot auch für Wochenendtouren mit zwei Personen attraktiv macht.
Während unseres Tests in der Nähe von Oslo konnten wir sowohl die Version mit Inbord- als auch mit Außenbordmotor fahren. Das Deckslayout bleibt in beiden Varianten identisch, der Unterschied zeigt sich vor allem im Bereich des Stauraums: Die Außenborder-Version bietet etwas mehr davon, da das Heck nicht durch einen Motorblock beansprucht wird. Fahrdynamisch bieten die beiden Boote einige Überraschungen.
Das erste Testboot war mit einem Mercury Verado V8 mit 300 PS ausgestattet. Der Übergang ins Gleiten erfolgt sanft, fast unmerklich – der Bug hebt sich dabei nur minimal. Die ideale Reisegeschwindigkeit liegt bei rund 36 Knoten, während die Höchstgeschwindigkeit bei 59,1 Knoten liegt – gemessen bei nahezu glattem Wasser. Bei unter 30 Knoten Boatspeed sind enge Kurven und plötzliche Manöver gelassen und souverän. Die Boote vermitteln jederzeit ein sicheres, sportlich-agiles Fahrgefühl. Wer schneller fährt, muss sich mehr konzentrieren. Das Boot fährt zwar immer noch gut, fühlt sich aber instabiler an. Die Geschwindigkeit ist dabei auch nicht zu unterschätzen. 59,1 Knoten sind immerhin fast 110 Kilometer in der Stunde. Aus unserer Sicht also nichts für Anfänger.
Ganz anders – aber keinesfalls schlechter – fährt sich die Inbord-Variante an. Verbaut ist hier ein Mercruiser 6.2L V8 mit 350 PS und Bravo 1-Antrieb. Der Motor ist ebenfalls ein Benziner. Hier wirkt das Boot insgesamt ruhiger, entspannter und etwas träger in der Beschleunigung – aber nicht weniger souverän. Der Unterschied im Fahrverhalten ist deutlich spürbar, fällt aber nicht negativ auf. Vielmehr fühlt sich die Inbord-Variante wie ein etwas komfortableres, alltagstauglicheres Boot an. Die wirtschaftliche Gleitfahrt liegt bei 29,1 Knoten bei 3.000 Umdrehungen pro Minute, während die Spitzengeschwindigkeit mit 49,1 Knoten gemessen wurde. Man könnte fast sagen: eine „zahmere Kanonenkugel“, aber mit ebenso viel Charakter. Die Werft gibt eine Maximalgeschwindigkeit von 59 Knoten an. Mit 49,1 Knoten sind wir davon noch weit weg. Erklären lässt sich das aber durch die fehlenden 900 Umdrehungen zur Maximaldrehzahl. Da muss noch einmal der Propeller geändert werden.
Die Reichweiten in der wirtschaftlichen Gleitfahrt liegen bei 200 Seemeilen beim Innenborder und bei 198 Seemeilen bei der Außenborder-Version. Das ist nahezu identisch. Es kommt also eher aufs Fahren an. Da muss man sich für die zahmere oder doch die wildere Version entscheiden. Bei Letzterem muss man aber wirklich aufpassen, wer das Boot bewegt. Ein charakteristisches Detail bei allen Cormate-Booten ist die zweigeteilte Gassteuerung. Hier bleibt sich die Werft treu: Ein Hebel dient ausschließlich der Gangwahl, der andere ausschließlich der Gasdosierung. Dieses System stammt aus dem Rennsport und bietet vor allem bei unruhiger See spürbare Vorteile. So kann man etwa das Gas reduzieren, ohne unbeabsichtigt den Rückwärtsgang einzulegen. Ob man im normalen Fahrbetrieb jemals in eine Situation kommt, in der das entscheidend ist, sei dahingestellt – es zeigt aber die Rennsport-Gene und die hohe technische Präzision, die Cormate in jedem Boot mitliefert.
Trotz der sportlichen Ausrichtung bleibt die Utility 27 ein Boot mit hoher Benutzerfreundlichkeit. Die Lenkung ist direkt, aber nie nervös, die Trimmung erfolgt manuell über zwei klassische Klappen (statt automatischer Systeme wie Zipwake), was jedoch präzises Nachjustieren erlaubt. Dank des übersichtlichen Layouts an Deck findet man sich auch ohne Eingewöhnungszeit schnell zurecht.
Wer häufiger allein oder mit wechselnder Crew unterwegs ist, wird diesen durchdachten Aufbau schnell zu schätzen wissen. Auch in Sachen Ausstattung wird der Premiumanspruch der Werft deutlich. Bereits die Serienausstattung ist umfangreich und beinhaltet vieles, was bei anderen Herstellern aufpreispflichtig ist: etwa zwei 9-Zoll-Simrad-Plotter, eine hydraulische Lenkung, ein leistungsfähiges Soundsystem mit vier Lautsprechern und einem Subwoofer sowie ein Soft-Grip-Deckbelag. Optional erhältlich sind unter anderem ein klassisches Teakdeck, größere Batteriekapazitäten oder eine elektrische Ankerwinde – alles sinnvolle Ergänzungen. Wer mit dem eigenen Boot verschiedene Reviere entdecken möchte, wird zudem die praktische Breite von 2,29 Metern und das geringe Leergewicht von 1.740 Kilogramm zu schätzen wissen. So lässt sich die Utility 27 oder Super Utility 27 problemlos trailern.
| Drehzahl U/min | Geschwindigkeit kn | Verbrauch l/sm | Reichweite sm |
| 2.000 | 9,6 | 2,24 | 99 |
| 3.000 | 29,1 | 1,10 | 200 |
| 4.500 | 49,2 | 1,76 | 125 |
| Drehzahl U/min | Geschwindigkeit kn | Verbrauch l/sm | Reichweite sm |
| 2.000 | 8,8 | 2,01 | 110 |
| 4.000 | 36,3 | 1,12 | 198 |
| 5.700 | 59,1 | 1,63 | 135 |
Die Cormate Super Utility 27 ist mehr als nur ein reines Kraftpaket. Sie vereint Stil mit hochwertiger Verarbeitung und ist auf das Wesentliche reduziert. Sicherlich ist es für die meisten Personen nicht das erste Boot, mit dem sie ihr Hobby beginnen. Dafür ist die Außenborder-Version zu sportlich. Die Innenborder-Version wäre dann eher die richtige Wahl.
Sehr sportlich
Gute Bauqualität
Vinylester-Infusions-Bauweise
(-) Als Außenborder-Version nichts für Anfänger
Bei einer Testfahrt unter deutlich besseren Bedingungen konnten die Motoren der Inbord-Version vollständig ausgefahren werden. Dabei erreichten sie eine um rund 700 Umdrehungen pro Minute höhere Drehzahl, was den Angaben des Motorherstellers entspricht.
Sverre Haraldsen, CEO von Cormate AS, erreichte dabei eine Spitzengeschwindigkeit von 57,85 Knoten. Ein Video belegt, dass sich das Boot dabei problemlos und ohne erhöhten fahrerischen Anspruch steuern lässt. Haraldsen konnte sogar zeitweise das Lenkrad vollständig loslassen.
Die Wetterbedingungen während der Testfahrt waren wie folgt: eine Lufttemperatur von 16 °C, eine Wassertemperatur von 11 °C, eine Windgeschwindigkeit von etwa 7–10 m/s sowie eine Wellenhöhe von rund 30–40 cm.