Ende des vergangenen Jahrzehnts entschloss sich die slowenische Werft zur Rückbesinnung auf ihre Wurzeln, also zur Konzentration auf Segelyachten. Die Motoryacht-Linie wurde verkauft. Daraus wurde Focus Motor Yachts mit Sitz in Amsterdam. Schrittweise wurden die Yachten überarbeitet, was zur Runderneuerung der Flotte führte. Am Flaggschiff der Power-Linie fallen die geänderten Fenster im Rumpf ins Auge. Aus ovalen Bullaugen wurden kantige und größere Fenster. Laminiert wird komplett mit Vinylesterharz, was für ein langes Leben ohne Osmose spricht. Ansonsten ist die schnittige Linienführung geblieben, nur der veränderte Cockpitbereich samt einer deutlich verlängerten Badeplattform ist noch zu erwähnen, womit aus der 42er eine 44er wird. Am Unterwasserschiff gab es keine Mängel, also auch keinen Grund für Nachbesserungen. Komplett neu ist dagegen die Innenausstattung. Das Testboot trägt die Baunummer zwei und war zum Zeitpunkt unserer Probefahrten das erste Modell mit Schiebetür im Heck, also mit geschlossenem Decksalon. Damit erweitert sich das Revierspektrum in Richtung Norden. Der neue Eigentümer setzt auf individuelle Anpassung seiner Yachten an die Wünsche der Eigner. Die Vorstellungen der Kunden werden – sofern realisierbar – umgesetzt.
Beim Betreten über die Badeplattform fällt die Neugestaltung direkt ins Auge. Drei Treppenstufen führen auf die Gangborde zum Vorschiff. Eine integrierte Sitzgruppe im Heck bietet nun eine Rücksitzbank und eine L-förmige Sitzgruppe mit Tisch an der Steuerbordseite. Die variable Konstruktion lässt einen Umbau in eine 2,47 x 1,97 Meter messende Liegefläche zum Sonnenbaden zu. Davor bildet die Schiebetür den Übergang zum Salon. Hier ergänzt sich die Sitzgruppe dann bei geöffneter Tür zu einer u-förmigen Polsterkonstruktion. Die beiden Tische lassen sich durch ein Einlegeteil in einen großen Tisch verwandeln. An Backbord befindet sich eine Bar. Auch der Steuerstand mit den beiden gut geformten Einzelsitzen wurde mit einem neuen Instrumententräger versehen, der viel Platz für Zubehör bietet.
Der Niedergang an Backbord führt unter Deck. Hier trifft man zuerst auf eine Pantry mit Spüle und wahlweise Gas- oder Elektroherd, Mikrowelle und Kühlschrank oder einem „Weinkeller“. Gegenüber gibt es eine weitere u-förmige Sitzgruppe mit Tisch. Zum Bugschließt sich eine Doppelkabine an. Die v-förmige Liegefläche ist zwei Meter lang und zwischen 1,43 und 1,25 Meter breit. Eine eigene Nasszelle mit Waschbecken, WC und getrennter Duschkabine ergänzt den Bereich. Praktisch ist das große Luk zum Lüften in der Dusche. Hinter der Sitzgruppe befindet sich eine weitere Doppelkabine mit Unterflur-Kojen, die einzeln oder mittels Einleger zusammen genutzt werden können. Eine eigene Nasszelle ist auch vorhanden, allerdings ohne separate Duschkabine. Optional gibt es auch drei Kabinen und sechs Kojen.
Bei der im Testboot verbauten Motorisierung in Form von zwei Mercury 4,2 L V8 mit 272 kW (370 PS) handelt es sich um Restbestände der älteren TDI-Modelle, die leider nicht mehr verfügbar sind. Aktuell werden als Einstiegsmotorisierung zwei Volvo Penta D6-380 angeboten. Damit liegt der Einstiegspreis für die Focus Power 44 bei 714 000 Euro. Alternativ werden noch D6-400 und D6-440 angeboten. Zum Antrieb sind Bravo Three XR Seacore verbaut. Außerdem ist noch eine Version mit Jet-Antrieben und Mercury Diesel 6,7 im Angebot. Die stabile Gleitfahrt liegt beim Testboot nach nur vier Sekunden mit 14,4 Knoten an. Nach insgesamt 27 Sekunden erreichen wir die Höchstgeschwindigkeit von 37,2 Knoten. Mit einer Reisegeschwindigkeit von 22 Knoten bei 2700 Touren liegt man im effizientesten Bereich. So lassen sich dank der großen Tankkapazität von 1160 Litern abzüglich einer 15-prozentigen Reserve stattliche Reichweiten von 295 Seemeilen realisieren. Dank der großen Aufkimmung von 22,5 Grad taucht der Rumpf weich in Wellen ein, eignet sich also bestens für die Fahrt in rauem Wasser. Schnelle Vollkreise sind mit nur 1,8 Bootslängen Durchmesser sehr eng fahrbar. Auch das Manövrieren klappt dank der Doppelmotorisierung auf engem Raum. Bei der Sicherheit ist dank fünf Feuerlöschern sowie je zwei elektrischen und manuellen Bilgepumpen auch alles in Ordnung. Das Qualitätsniveau ist sehr gut und die Montage der Komponenten mängelfrei.
Die Focus Power 44 ist eine gelungene Modernisierung, die insbesondere durch die Möglichkeiten glänzt, auf individuelle Eignerwünsche einzugehen. Qualität und Verarbeitung sind auf hohem Niveau. Bei den Fahreigenschaften überzeugen gute Manövrierfähigkeit und Rauwassertauglichkeit.