Gebrauchtboote 2026"Man muss heute mit Rabatten arbeiten, um überhaupt zu verkaufen"

Dennis Pfister, Verkaufsleitung bei Boote Pfister, Süddeutschlands größtem Händler für neue und gebrauchte Motorboote.
​Dennis Pfister ist Verkaufsleiter im Familienunternehmen mit 60-jähriger Tradition. In Süddeutschland ist Boote Pfister der größte Händler für Neu- und Gebrauchtboote.

​BOOTE: Herr Pfister, alle reden von Krise. Wie läuft es bei Ihnen?

Dennis Pfister: Bei uns läuft es eigentlich ganz gut. Das Einstiegssegment zwischen 25.000 und 45.000 Euro ist extrem eingebrochen, das stimmt. Diese Boote kosten 25 bis 35 Prozent mehr als vor Corona. Da sagen die Kunden: Ich zahle 50.000, bekomme aber nur ein Boot, das früher 30.000 gekostet hat. Aber wir verkaufen mehr im Nicht-Trailer-Segment. Ab 30 Fuß sogar mehr denn je. Und: Der erfahrene Kunde mit Budget kauft weiterhin.

Sehen Sie neue Käufergruppen im Bereich Gebrauchtboote?

Ja, tatsächlich. Deutsche Kunden, die parallel eine Immobilie in Spanien, Kroatien oder Italien haben und sich dort ein Tagesboot ab 30 Fuß zulegen. Das sehe ich deutlich mehr in den letzten zwei Jahren.

Warum sollte ein Käufer zum Händler kommen, statt von Privat zu kaufen?

Der moderne Kunde will Schlüssel rein und losfahren. Beim Boot geht das nicht ganz wie beim Auto, aber so weit wie möglich – rundum sorglos. Wir machen eine komplette Aufbereitung: neues Anti-Fouling, Reinigung inklusive Bilge, automatisch den nächstfälligen Service und zwölf Monate Gewährleistung auf alles. Sauberkeit ist dann der wichtigste Faktor. Ich hatte das erst kürzlich: Familie kam, Boot war noch nicht aufbereitet, Kabine roch noch, Polster hatten Flecken. Die sind rückwärts wieder raus.

Wie sieht es mit Rabatten aus?

Man muss mit Rabatt arbeiten, um überhaupt verkaufen zu können. Je mehr man gibt, desto besser. Bei einem 60.000-Euro-Boot können zehn Prozent – 6.000 bis 8.000 Euro – den Unterschied zur Konkurrenz ausmachen. Wir kommen dadurch wieder zu Preisen wie in den Zeiten vor der Corona-Pandemie.

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Hat sich das Kaufverhalten verändert?

Absolut! Früher nahmen sich Interessenten für ein Sechs-Meter-Boot zwei bis sieben Tagen Zeit, um sich zu entscheiden. Jetzt sind es bis zu drei Wochen – die Leute sind viel zögerlicher geworden. Zudem: Der Bootsmarkt ist klein, jedes Gebrauchtboot findet man bei mindestens drei anderen Händlern, fast zum gleichen Preis. Die Leute sind bereit, 300 bis 500 Kilometer zu fahren.

Welche Marken empfehlen Sie, wenn es um Wertstabilität geht?

Sea Ray ist einer der größten Bootshersteller der Welt, sehr gute Qualität. Bei Sea Ray findet jeder ein begeisterndes Boot – Familie, Hundebesitzer, Sporttyp. Als zweite Empfehlung: Saxdor, das Pendant zu Axopar. Lifestyle-Charakter, die machen extrem viel Marketing selbst – das macht auch später den Wiederverkauf einfacher.

Was zieht bei der Ausstattung besonders?

Decksbeläge – Flexi-Teak, Soft-Teak. Dann elektrische Ankerwinde und GPS-Plotter. Solar und Lithium spielen im Fünf- bis Sieben-Meter-Bereich noch keine Rolle. Das sind Daycruiser, da schläft man nicht drauf.

Was ist Ihr wichtigster Rat an einen Erstkäufer?

Auf einen Händler mit Gewährleistung setzen. Es gibt keine verlängerten Garantien auf Motoren oder Rümpfe – ein Motorschaden kostet schnell 5.000 bis 15.000 Euro. Ich habe oft Kunden, die sagen: „Wir haben gerade ein Gebrauchtboot gekauft, jetzt rasselt der Motor." Zack, 6.000 Euro Reparatur, Riesenstress, und der Käufer hat kein Boot für die Saison. Also: Gewährleistung oder vorher einen Sachverständigen draufschauen lassen

Ihre Prognose für die nächsten Jahre?

In zwei, drei Jahren haben wir eine klassische Back-to-Reality-Situation wie 2016 bis 2018. Corona war ein Sonderfall – hohe Kaufkraft, nicht ins Ausland fahren können, alle wollten aufs Wasser. Das normalisiert sich wieder. Aber man kommt heute gut an ein gutes Boot für gutes Geld.


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