Gebrauchtboote 2026So nutzen Sie den Käufermarkt

Antonia von Lamezan

 · 29.05.2026

Ein Schiff sollte vor dem Kauf gekrant und begutachtet werden. Erst an Land können Mängel wie Osmose, Korrosion an den Antrieben oder verbogene Propeller entdeckt werden. Nach dem Gutachten hat man meist bessere Argumente zum Verhandeln.
Foto: Fabian Boerger

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Der Markt für Gebrauchtboote verändert sich deutlich – und zwar zugunsten der Erwerber. Drei Branchenexperten erklären, warum 2026 das Jahr der Bootskäufer ist – und wie man diese Chance optimal nutzt.

Verkaufszahlen brechen ein

​Die Zahlen zeichnen ein deutliches Bild: „So schlecht wie jetzt lief das Geschäft für Verkäufer noch nie“, sagt Martin Dotti vom Online-Portal Boat24. In manchen Monaten seien die Verkaufszahlen im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 40 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig sei die durchschnittliche Laufzeit einer Anzeige von 34 auf 52 Tage gestiegen. Laut Dotti müsse inzwischen fast jeder zweite Verkäufer den ursprünglich geforderten Preis reduzieren, im Schnitt um 15 Prozent.

„Heute muss man mit Rabatten arbeiten, um überhaupt zu verkaufen“, bestätigt Bootshändler Dennis Pfister. Sein Unternehmen führt zwölf Bootsmarken, von Bayliner über Quicksilver bis Sea Ray. Dazu kommen zahlreiche Gebrauchtboote auch anderer Werften. In der Ausstellung und auf dem Hof des Händlers in Schwebheim bei Schweinfurt stehen ständig 100 bis 150 neue und ältere Boote.

​Einstiegsbereich besonders betroffen

Nicht alle Längensegmente sind gleichermaßen vom Preisverfall betroffen. Größere Premium-Yachten sowie besonders gefragte Mittelklassemodelle sind vergleichsweise wertstabil. Schwer hat es der Bereich der kleineren Boote, die häufig für Einsteiger interessant sind. „Der Handel mit Booten zwischen 25.000 und 45.000 Euro ist extrem eingebrochen“, sagt Pfister. Ein Grund für die Rabattschlacht sei die Marktüberhitzung, die während der Pandemie eingesetzt hatte. „Kleinere Boote waren da plötzlich teils um 25 bis 35 Prozent im Preis gestiegen. Fernreisen war ja zeitweise nicht möglich, da wollte stattdessen jeder aufs Wasser“, erklärt Pfister.

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Heute akzeptieren Käufer solch überhöhte Preise nicht mehr. Wer sich in Boom-Zeiten teuer ein Boot zugelegt hat und jetzt wieder davon trennen möchte, muss schmerzhafte Verluste hinnehmen.

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​Portale so voll wie nie

Das sind nicht wenige. Die Portale sind so voll wie nie: Immer mehr Eigner wollen verkaufen, während Käufer rar sind. Das führt zu einem klassischen Käufermarkt mit großer Auswahl und günstigen Angeboten an Gebrauchtbooten.

Die Gründe für den Verkaufsdruck sind vielfältig. Neben gestiegenen Liegeplatzkosten bewegen vor allem die Kraftstoffpreise viele Eigner zum Verkauf. „Wenn Marinediesel deutlich über zwei Euro kostet, macht Bootfahren vielen keinen Spaß mehr“, erklärt Nils Leutloff. Der Boots-Sachverständige ergänzt: „Hinzu kommen die laufenden Unterhaltskosten, die auch dann anfallen, wenn das Boot nicht genutzt wird.“

​Käufer können sich Zeit lassen

Des einen Leid, des anderen Freud: Für Käufer heißt das, sie haben mehr Zeit. „Vor drei, vier Jahren hatten Leute, die sich beispielsweise für ein Sechs-Meter-Boot interessierten, meist zwei bis sieben Tage Zeit für eine Entscheidung. Sonst kam ihnen ein anderer Interessent zuvor“, berichtet Pfister. „Heute können sie sich sorglos bis zu drei Wochen Zeit lassen. Und in Ruhe sehr genau vergleichen.“ Außerdem seien Käufer dank des Internets immer besser informiert. Verlange ein Anbieter mehr als andere für ein ähnliches Boot, würden das die Interessenten schnell bemerken.

​Demografischer Wandel verschärft die Lage

Druck auf den Bootsmarkt entsteht auch infolge des demografischen Wandels. Viele Eigner trennen sich altersbedingt von ihrem Boot. Leutloff sagt voraus: „In den nächsten fünf bis zehn Jahren wird der Markt regelrecht überschwemmt. Dann verkaufen nicht mehr nur die Eigner, sondern auch die Erben.“ Denn diese wollten ein geerbtes Boot allzu oft nur möglichst schnell loswerden, um nicht die laufenden Kosten tragen zu müssen. „Sie sehen vor allem die finanzielle Belastung“, so Leutloff. Die Folge: Der Preisverfall nimmt weiter zu.

​Erst prüfen, dann verhandeln

Der Verhandlungsspielraum ist entsprechend groß, vor allem bei Privatverkäufen. Leutloff rät Käufern: „Gehen Sie, wenn möglich, nicht in Preisverhandlungen, bevor ein Sachverständiger da gewesen ist. Nach dem Gutachten haben Sie die besseren Argumente.“ Außerdem betont er: „Ein Schiff sollte vor dem Kauf gekrant werden. Alles andere kann monetärer Selbstmord sein.“ Erst an Land können Mängel wie Osmose, Korrosion an den Antrieben oder verbogene Propeller entdeckt werden.

​Komfort schlägt Tradition

Eine ganz andere Veränderung im Markt der Gebrauchtboote beobachtet Martin Dotti: „Für viele Käufer ist der Fahr- und Wohnkomfort, den ein Boot bietet, viel wichtiger geworden.“ Das zeige die Auswertung von Suchanfragen, die in die Online-Plattform eingegeben würden. Dotti: „Das meistgesuchte Attribut ist das Bugstrahlruder. Danach kommen Heckstrahlruder, Heizung und Klimaanlage.“ Dennis Pfister ergänzt: „Was extrem zieht, sind moderne Decksbeläge, elektrische Ankerwinden und GPS-Plotter.“ Solcherart Ausstattung entscheidet heute oft darüber, wie schnell sich ein Boot später wieder verkaufen lässt.

​Auf diese Marken setzen

Für einen möglichst wertstabilen Kauf sollte man aber nicht nur auf gefragte Ausstattung, sondern ebenso und bewährte Marken achten. Bei Motorbooten zählen dazu Klassiker wie Grand Banks oder moderne Lifestyle-Marken wie Saxdor und Sea Ray.

Auch ein Blick in die Historie ist entscheidend. Ein lückenlos dokumentiertes, gepflegtes Boot schützt vor teuren Überraschungen und kann im Zweifel sogar einen höheren Einstiegspreis rechtfertigen.

​Sauberkeit ist die Visitenkarte

Bei der Besichtigung eines Gebrauchtboots ist dann stets der erste Eindruck wichtig. Händler Pfister warnt vor mangelnder Sauberkeit und ungepflegten Kabinen, denn sie deuten oft auf einen allgemeinen Wartungsstau hin. Leutloff empfiehlt, bei größeren Motoryachten einen Motortechniker hinzuzuziehen und die Bordelektrik gründlich zu prüfen. Bei der Probefahrt gilt: Alle Funktionen, vom Autopiloten bis zum Warmwasser, intensiv testen. Ab einer höheren Investition und womöglich unklaren Eigentumsverhältnissen rät er außerdem zur Beratung durch einen Fachanwalt für Yachtrecht.

​Hier liegen die Schnäppchen

Besondere Schnäppchen finden sich oft an von Deutschland aus abgelegenen Orten. „Boote in der Türkei etwa oder in Griechenland sind extrem schwierig zu verkaufen“, bestätigt Dotti. Wer die Überführung günstig organisieren kann oder das Boot vor Ort nutzen möchte, trifft dort nicht selten auf verhandlungsbereite Verkäufer.

​Spritverbrauch nicht vergessen

Angesichts der gegenwärtig hohen Kraftstoffpreise sollten Kaufinteressenten auch einen Blick auf den Treibstoffverbrauch werfen. Zwar lassen sich die Mehrausgaben an der Tankstelle dank eines niedrigen Kaufpreises vielleicht eine Weile verschmerzen. Einen Spritfresser sollte man sich deshalb aber besser dennoch nicht zulegen.

​Fazit: Käufer haben die Macht

Das Urteil der Experten ist klar: Der Markt gehört derzeit den Käufern. Wer Geduld mitbringt, sorgfältig prüft und selbstbewusst verhandelt, ist klar im Vorteil.


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Antonia von Lamezan ist gebürtige Hamburgerin und studierte Kultur- sowie Sozialwissenschaftlerin (Lüneburg/Kopenhagen). Obwohl die Seefahrt zur Familiengeschichte gehört, fand sie den eigenen Weg aufs Wasser erst als Erwachsene – dann jedoch mit voller Begeisterung und Konsequenz: Innerhalb eines Jahres absolvierte sie alle für die Langfahrt erforderlichen Scheine, tauschte das geregelte Stadtleben gegen das eigene Boot und segelte zwei Jahre lang auf eigenem Kiel durch Europa. Als Volontärin in der Redaktion verbindet sie nun fachlichen Hintergrund mit ihrer Leidenschaft für das Meer, Boote und das Schreiben.

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