Lift OceanFoils zum Nachrüsten

Jan-Ole Puls

 · 30.09.2026

Lift Ocean: Foils zum NachrüstenFoto: Båtmagasinet
Das Foilsystem an einer Uttern 66 DS auf dem Oslofjord
Das norwegische Start-up Lift Ocean hat ein Foilersystem entwickelt, mit dem sich herkömmliche Motorboote nachrüsten lassen. Bei einer Testfahrt auf dem Oslofjord hob eine Uttern 66 DS aus dem Wasser. Das System soll Boote effizienter und umweltfreundlicher machen.

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Lift Ocean aus Norwegen bringt ein Nachrüstsystem auf den Markt, das Motorboote mit Foilern ausstattet. Foiler sind tragflächenähnliche Konstruktionen unter dem Rumpf, die das Boot bei bestimmten Geschwindigkeiten aus dem Wasser heben. Dadurch verringert sich der Wasserwiderstand erheblich. Das Unternehmen demonstrierte die Technik auf einer Uttern 66 DS im Oslofjord.

Funktionsweise der Foiler-Technologie

Das Lift Ocean System besteht aus mehreren unter dem Rumpf montierten Tragflächen. Ab einer bestimmten Geschwindigkeit erzeugen diese Tragflächen Auftrieb, ähnlich wie Flugzeugtragflächen in der Luft. Der Bootskörper hebt sich dadurch aus dem Wasser und gleitet auf den Foilern. Nur noch die Tragflächen selbst haben Wasserkontakt. Der Energieverbrauch sinkt laut Hersteller um mehr als 50 Prozent, unabhängig davon, ob das Boot mit Elektro- oder Verbrennungsmotor fährt.

Die Testfahrt zeigte, dass die Uttern 66 DS mit montiertem Foilersystem stabil über das Wasser glitt. Das System funktioniere sowohl bei ruhiger See als auch bei leichtem Wellengang. Die Steuerung erfolge über die normale Bootslenkung, zusätzliche Bedienelemente seien nicht erforderlich.

Technische Umsetzung am Beispiel Uttern 66 DS

Die Uttern 66 DS ist ein Daycruiser mit etwa sechs Metern Länge. Für die Demonstration montierte Lift Ocean das Foilersystem unter den vorhandenen Rumpf. Die Installation erfordere keine dauerhaften Veränderungen am Boot, so das Unternehmen. Die Foiler bestehen aus Carbonfaser und Aluminium. Das zusätzliche Gewicht betrage etwa 80 Kilogramm.

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Bei niedrigen Geschwindigkeiten verhält sich das Boot wie ein herkömmliches Motorboot. Ab circa 15 Knoten beginnt der Rumpf sich zu heben. Bei 20 bis 25 Knoten schwebt das Boot vollständig auf den Foilern. Die Fahrhöhe über dem Wasser liege dann bei etwa 50 Zentimetern. Das System passe sich automatisch an unterschiedliche Beladungen und Geschwindigkeiten an.

Energieeffizienz und Umweltaspekte

Der Hauptvorteil des Foilersystems liegt in der Energieeinsparung. Durch den reduzierten Wasserwiderstand benötige das Boot deutlich weniger Antriebsleistung. Bei Elektrobooten verlängere sich die Reichweite entsprechend. Bei Booten mit Verbrennungsmotor sinke der Kraftstoffverbrauch. Lift Ocean beziffert die Einsparung auf 50 bis 60 Prozent gegenüber konventionellem Betrieb.

Die geringere Wellenbildung schone zudem Uferbereiche und andere Wasserfahrzeuge. Das Boot erzeuge im Foiler-Modus kaum noch Heckwellen. Auch die Geräuschentwicklung nehme ab, da Motor und Antrieb weniger belastet würden. Das Unternehmen sieht darin einen Beitrag zu umweltfreundlicherer Bootsnutzung.

Anwendungsbereiche und Verfügbarkeit

Lift Ocean entwickelte das System zunächst für Boote zwischen fünf und acht Metern Länge. Die Technik eigne sich besonders für Daycruiser, Bowrider und kleinere Kabinenboote. Auch für Arbeitsboote und Wassertaxis sehe das Unternehmen Einsatzmöglichkeiten. Die Installation könne bei bestehenden Booten nachträglich erfolgen oder ab Werk integriert werden.

Das Start-up befindet sich nach eigenen Angaben in Gesprächen mit mehreren Bootsbauern. Erste Serienmodelle mit integriertem Foilersystem könnten 2027 auf den Markt kommen. Für Nachrüstungen biete Lift Ocean individuelle Lösungen an. Preise nannte das Unternehmen noch nicht. Die Kosten hingen von Bootsgröße und Ausführung ab.

Herausforderungen und Grenzen

Das Foilersystem funktioniere am besten bei ruhigem bis mäßigem Seegang. Bei hohen Wellen oder starkem Wellengang müsse das Boot konventionell fahren. Die Foiler ließen sich dann hydraulisch einfahren. Auch in flachen Gewässern oder Häfen sei der normale Betrieb erforderlich, da die Foiler etwa einen Meter unter den Rumpf ragen.

Die Wartung der Foiler erfordere regelmäßige Kontrollen auf Beschädigungen und Verschleiß. Besonders die Kanten der Tragflächen seien empfindlich gegen Kollisionen mit Treibgut oder Untiefen. Lift Ocean empfehle jährliche Inspektionen. Die Lebensdauer der Foiler beziffert das Unternehmen auf etwa zehn Jahre bei normaler Nutzung.


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Jan-Ole Puls

Jan-Ole Puls

Redakteur Test & Technik

Ole Puls wuchs auf Jollen und Dickschiffen auf und kam so früh mit dem Segeln in Berührung. Nach der Schule absolvierte er eine Ausbildung zum Bootsbauer im Bereich Hightech-Kohlefaserbau. Seit 2022 ist er im Ressort Test & Technik tätig. Zu seinen Aufgaben zählen Bootstests von Motorbooten aller Art sowie praxisnahe Technikthemen. Die Sommer verbringt er auf dem Wasser und meist auf der Ostsee oder Schlei.

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