​ModernisierungErste länderübergreifende Bootsbeschaffung in Deutschland

Lars Bolle

 · 15.01.2026

Die neuen Boote der WSP Hamburg und Schleswig-Holstein.
Foto: MSB WSP SH
Auf Nord- und Ostsee, im Hamburger Hafen und auf dem Nord-Ostsee-Kanal sind seit Dezember 2025 neue Streifenboote der Wasserschutzpolizeien Hamburg und Schleswig-Holstein im Einsatz. Die mobilen Streifenboote stehen für einen deutlichen Modernisierungsschritt und für ein in Deutschland neuartiges Kooperationsprojekt zweier Länderpolizeien.

Gemeinsame Beschaffung als Premiere

Die Anforderungen an Polizeiboote unterscheiden sich je nach Einsatzgebiet wie Küstenmeer, Kanal, Hafen oder Binnengewässer. Hamburg und Schleswig-Holstein haben ihre weitgehend ähnlichen Bedarfe gebündelt und erstmals eine gemeinsame Ausschreibung für neue Streifenboote vorbereitet. Grund war eine Überalterung der bestehenden Flotte. Fachleute beider Wasserschutzpolizeien entwickelten dafür abgestimmte Leistungsbeschreibungen und begleiteten den gesamten Vergabeprozess.

Schleswig-Holsteins Innenministerin Magdalena Finke spricht von einem Projekt mit Pioniercharakter, weil die Wasserschutzpolizeien beider Länder zum ersten Mal gemeinsame Anforderungen formuliert und zusammen ausgeschrieben haben. Hamburgs Innensenator Andy Grote betont die enge Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden und bezeichnet die neue Flotte als wichtige Investition in die Sicherheit auf den Wasserwegen des Nordens.

Sechs Boote im Dienst und Option auf weitere Einheiten

Im ersten Schritt wurden sechs mobile Streifenboote beschafft, drei für die Wasserschutzpolizei Schleswig-Holstein und drei für Hamburg. Die Boote wurden im Dezember 2025 von Alunaut geliefert und sind seitdem im täglichen Streifendienst sowie in besonderen Einsatzlagen unterwegs. Die Ausschreibung enthält außerdem eine Option auf acht zusätzliche Einheiten für Schleswig-Holstein, die bei Bedarf und verfügbarer Finanzierung abgerufen werden können.

Die Boote sind rund acht Meter lang, mit 250-PS-Mercury Außenbordern ausgerüstet und für schnelle und wendige Einsätze ausgelegt.

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Technik und Ausstattung

Die neuen Boote sollen die Wasserschutzpolizei flexibler und schlagkräftiger machen. Die kommissarische Leiterin der Wasserschutzpolizei Schleswig-Holstein, Sarah Lampe, nennt insbesondere das deutlich größere Platzangebot an Bord, moderne Sensorik und den erweiterten Aktionsradius als Fortschritt.

Zur Ausrüstung gehören eine Radaranlage, eine Wärmebildkamera und weitere Technik, die längere und vielseitigere Einsätze ermöglicht. Die zusätzliche Sensorik unterstützt die Besatzungen bei Einsätzen in der Dunkelheit, bei Nebel oder eingeschränkter Sicht und verbessert die Lagebeurteilung. Lampe spricht von einem klaren taktischen Vorteil für die Wasserschutzpolizei im Küstenmeer, auf dem Nord-Ostsee-Kanal und in den Häfen.

Synergien durch gleichen Bootstyp

Ein Kernpunkt der Kooperation liegt in der Typengleichheit der Boote. Beide Länder setzen auf identische mobile Streifenboote und schaffen damit eine einheitliche technische Grundlage für Wartung, Ausbildung und Einsatzplanung.

Die gemeinsame Beschaffung verbessert die Ersatzteilverfügbarkeit, ermöglicht gemeinsame Wartungsverträge mit externen Dienstleistern und führt durch die höhere Stückzahl zu günstigeren Konditionen. Die einheitliche Flotte erleichtert zudem länderübergreifende Unterstützung bei größeren Einsatzlagen, weil die Besatzungen auf vertrauter Technik arbeiten.


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