Die UIM E1 World Championship wurde im Jahr 2020 von Alejandro Agag und Rodi Basso ins Leben gerufen. Agag begründete vor der E1 Series bereits die beiden Rennserien Formel E und Extreme E. Er gilt als Pionier in der Elektrifizierung des Rennsports auf dem Wasser und an Land. Rodi Basso ist ein ehemaliger Ingenieur von Ferrari und Red Bull Racing, führt die technische Leitung und bringt seine Expertise aus der Formel 1 direkt in die Entwicklung der sogenannten RaceBirds ein.
Alle Teams treten mit dem identischen Boot, dem RaceBird, an. Der Foiler erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 50 Knoten und gerät ab ungefähr 18 Knoten ins Gleiten. Das senkt den Widerstand und damit den Energieverbrauch im Vergleich zu herkömmlichen Rumpfformen deutlich. Durch die Hydrofoil-Technologie entsteht zudem kaum Wellenschlag, weshalb die Rennen in unmittelbarer Nähe zu Stadtzentren und in geschützten Gewässern ausgetragen werden können. So werden auch Standorte wie Venedig oder der Hafen von Monaco zu potenziellen Austragungsorten.
Den Anstellwinkel der Foils müssen die Piloten während des Rennens manuell justieren. Je nach Wetterlage wird der richtige Einsatz jedoch schnell zum Drahtseilakt. Ein Fehler oder eine ungünstige Welle führt häufig zur Ventilation, also zum Lufteintritt an den Tragflächen. Die RaceBirds fallen dabei ins Wasser und werden nicht mehr von den Foils in der Luft gehalten. Den Piloten passiert dank der Sicherheitssysteme nichts, sie verlieren aber wertvolle Sekunden.
Ein weiterer Schwerpunkt der Serie ist die Weiterentwicklung der Racebirds: Die gewonnenen Daten zur Effizienz der Foils und zum thermischen Batteriemanagement sollen wertvolle Daten für die Entwicklung zukünftiger Boote liefern, auch für den Freizeitsektor.
Die Weltmeisterschaft fungiert offiziell unter dem Dach der Union Internationale Motonautique (UIM), dem einzigen vom Internationalen Olympischen Komitee anerkannten Dachverband für den motorisierten Wassersport. Sie regelt neben der E1 auch etablierte Klassen wie die F1H2O und die Offshore-Kategorien Class 1 und XCAT.
Hinter den meisten Teams stehen prominente Eigentümer, die als Teamchefs auftreten, darunter Football-Legende Tom Brady, Tennisprofi Rafael Nadal, Cricket-Star Virat Kohli und Schauspieler Will Smith. Neben den Weltstars gibt es aber auch Teams wie AlUla oder das neue Team Monaco, die für eine bestimmte Region antreten.
Finanziert wird die E1 maßgeblich durch den Public Investment Fund aus Saudi-Arabien. Das Geld aus der Wüste ermöglicht die Weiterentwicklung der Boote und finanziert die Logistik hinter dem globalen Wettbewerb. Gleichzeitig wird die Partnerschaft aber auch im Kontext von Sportswashing immer wieder kontrovers diskutiert.
Ein Grand Prix in der E1 Series wird im K.-o.-System ausgetragen. Nach der Qualifikation folgen Heats (Vorläufe), ein Race-Off-Rennen und ein Super Final. Die Qualifikationsläufe zum Start des Rennwochenendes werden einzeln ausgetragen und bestimmen die Startaufstellung für die Heats. Dort treten am Samstag jeweils fünf Boote an, aus denen sich die zwei Bestplatzierten direkt für die Endrunde qualifizieren. Die übrigen Teams fahren dann im Race-Off noch einmal um die letzten beiden Finalplätze. Nur die zwei schnellsten Teams bekommen in dieser Runde ein Ticket für das Finale. Den Abschluss bildet das Super Final, in dem die sechs besten Teams aus den Heats und dem Race-Off in zwei Läufen um den Gesamtsieg kämpfen.
Ein Lauf dauert etwa fünfzehn Minuten, da die Kapazität der Batterien bei maximaler Belastung nicht mehr hergibt. Für zusätzliche Spannung sorgt die Aufteilung der Strecke in drei verschiedene Kursdistanzen: Short, Normal und Long. Jeder Pilot muss während des Rennens verpflichtend jeweils einmal die Abkürzung (Short) und einmal den Umweg (Long) nehmen. Zu welchem Zeitpunkt eine bestimmte Route genommen wird, ist den Piloten dabei frei überlassen.
Ein fester Teil der Serie ist zudem die Blue Trophy, eine eigene Wertung für den Umweltschutz. In der letzten Saison gewann Team Brady die Blue Trophy, da sie für jeden gewonnenen Rennpunkt laut offiziellen Angaben 100 Kilogramm Plastikmüll aus den Weltmeeren entfernt haben – insgesamt fast 20 Tonnen.
Ein richtiges Alleinstellungsmerkmal des Wettbewerbs ist die vorgeschriebene Geschlechterparität: Jedes Team muss mit einem männlichen und einem weiblichen Piloten besetzt sein, die beide gleichermaßen zum Einsatz kommen und gemeinsam Punkte für ihr Team sammeln. Damit das möglich wird, entscheiden die Teams zunächst, welcher Pilot das Qualifying bestreitet, woraufhin sich beide Fahrer in den Heats bis hin zu den Finalläufen abwechseln. Da die Einzelergebnisse beider Teammitglieder am Ende des Wochenendes zu einer Gesamtwertung addiert werden, hängt der Erfolg des gesamten Rennstalls unmittelbar von der konstanten Leistung beider Piloten ab.
Für die Saison 2026 wird der Rennkalender auf acht internationale Stationen ausgeweitet. Die Serie beginnt traditionell in Dschidda und führt über den Comer See, Dubrovnik und Monaco bis nach Miami und auf die Bahamas. Der Sierra Racing Club und das Team Monaco sind erstmals dabei. Beide Rennställe starten mit der Hoffnung, oben anzugreifen und an der Spitze ordentlich Druck zu machen. Damit sich das Konzept dauerhaft trägt, muss die E1 nun beweisen, dass die Faszination für den Sport auch außerhalb der glänzenden Fassade existiert.