Die Boote aus der ZAR Formenti-Werft sind in der RIB-Szene beliebt, denn sie zeichnen sich durch gute Fahreigenschaften und eine hohe Qualität aus. Auch wir haben mit einer ZAR 53 schon einige Touren unternommen. Bei unserer Reiseredaktion standen damit die Nord- und Ostsee auf dem Törnplan. Die Kollegen hatten eine besondere Ausrüstung an Bord: ein Zelt, das die Crew geschützt an Bord übernachten ließ. Solch ein Zelt benötigt man bei unserem Testboot, der ZAR 85 SL (Sport Luxury), nicht, denn sie hat eine Kabine mit Doppelkoje.
Zur Verarbeitung: Der aus GFK gefertigte Rumpf hat auf den Außenseiten eine hochglänzende Gelcoatschicht und die Innenseiten sind sauber mit einem Schutzanstrich versehen. Besonders gefällt uns die Befestigung mit Durchgangsschrauben, deren Muttern beispielsweise bei den Klampen noch mit Kunststoffkappen versehen sind. Die Kanten der Öffnungen und Luken sind sauber versiegelt und die Polsterarbeiten fach - männisch ausgeführt. Gleiches gilt für die Verarbeitung der Tragschläuche. Auch in diesem Punkt setzt ZAR Formenti auf Qualität, denn sie fertigen ihre Schläuche aus dem hochwertigen Material ORCA, das die Firma Pennel & Flipo produziert. Dabei handelt es sich um ein hochfestes Polyester mit einer Beschichtung aus Neopren und CSM (Chlorosulfonated Polyethylene), das sich durch gute chemische sowie UV-Beständigkeit auszeichnet und damit eine lange Lebensdauer garantiert.
Wir betreten das Boot seitlich vom Steg aus, man fühlt sich sofort sicher, denn die ZAR bietet gute Seitenstabilität. Wohl fühlt man sich ebenfalls auf Fahrer und Co-Piloten-Platz, denn die Offshore Sitze (mit Polster vorn zum Hochklappen) bieten eine sportliche Polsterung und Seitenhalt. An Fahrer- und Beifahrerplatz gibt es Fußstützen, der Co-Pilot findet zudem einen soliden Haltebügel vor sich. Die beiden 250-PS-Yamaha-Außenborder bedient der Skipper über die elektronisch gesteuerte Hebelschaltung „Drive-by-Wire“ und die Lenkung über das sogenannte „Steer-by-Wire“. Beides lässt sich uneingeschränkt und leichtgängig bedienen. Die Anzeige von Motordaten und elektronischer Seekarte übernehmen auf unserem Testboot ein Monitor von Yamaha und ein Raymarine-Navigationskit Premium (Option). Dann geht es raus aus dem Hafen von Neustadt und weiter auf die Ostsee, wo am Testtag der mäßige Wind (etwa 4 Beaufort) einen Seegang um die Stufe 3 erzeugte. Ich schiebe die Gashebel nach vorn und bin begeistert, wie durchzugs stark die beiden Außenborder die ZAR 85 SL beschleunigen. Damit eignet sich das RIB auch gut als Zugboot für Wakeboarder und Co. In der Übergangsphase von Verdränger- in Gleitfahrt hebt sich der Bug nur wenig an und die Voraussicht bleibt erhalten.
Etwas weiter draußen auf der Ostsee zeigt sich der Rumpf im Rauwasser von seiner besten Seite, selbst mit höheren Geschwindigkeiten setzt er weich und trocken ein. Auch Kurvenfahrt meistert er souverän und zieht kursstabil seine Runden. Auf dem schnellen Slalomkurs schwingt die ZAR sicher von der einen zur anderen Seite und man hat immer ein gutes Gefühl. Nach der Auswertung der Messergebnisse zeigt sich, dass bei 3000 U/min mit 25 Knoten die wirtschaftlichste Gleitfahrt liegt. Daraus errechnet sich wiederum mit dem 400-l-Tank abzüglich 15 % Reserve eine Reichweite von 163 sm, was ein guter Wert für diese Bootskategorie ist. Bei Vollgas mit 50 Knoten kommt man noch gut halb so weit. In der langsamen Gangart läuft der Rumpf kursstabil und im Hafen lässt sich das Testboot zielgenau anlegen, dafür sorgen enge Wendekreise und ein direktes Umsteuerverhalten in Rückwärtsfahrt. Festgemacht wird die ZAR an soliden Klampen, für die Fenderbefestigung bieten sich zahlreiche Niro-Handläufe an. Den Rundumschutz übernimmt eine stabile, dicke Scheuerleiste.
Zum Ankern spendiert die Werft einen 9-kg-Anker, eine elektrische Winde steht auf der Zubehörliste. Letzteres gilt auch für die Sonnenliegenerweiterung (mit Tisch und Polster) der vorderen Sitzecke. Wer diese ordert, kann eine riesige, bequeme Liegefläche im Bug bauen. Auch die Heckbank lässt sich auf unserem Testboot in eine große Sonnenliege umwandeln. Die geteilte Badeplattform erklimmt man am einfachsten an Backbord, denn hier ist eine Hecktür installiert (als Rückenpolster der Sitzbank ausgeführt). Auf dieser Seite findet man auch eine in die Plattform integrierte Badeleiter, die sich vom Wasser aus gut bedienen lässt. Um sich nach dem Bad das Salz von der Haut zu spülen, gibt es eine serienmäßige Dusche mit 100-l-Wassertank und elektrischer Druckwasserpumpe. Für die Versorgung mit kühlen Getränken liefert die Werft standardmäßig einen 64-l-Kühlschrank, auf dem Testboot ist jedoch ein optionaler 90-l-Kühlschrank im Pantryblock installiert. In dem gleichen Block, der hinter dem Fahrer- und Beifahrerplatz steht, gibt es ein Spülbecken und einen Zwei-Flammen-Kocher, beides ist mit einer Klapphaube (mit Bügel und Verschlüssen) abgedeckt. Wer diesen Pantrybereich und den Fahrstand mit einem Dach schützen möchte, kann ein T-Top bestellen. Auf dem Testboot war ein Premium-Hecksonnendach installiert, das praktisch unter der Sitzbank achtern verstaut wird.
Staumöglichkeiten findet man auf dem gesamten Boot reichlich. Der größte Stauraum ist unter dem Cockpit im Bereich der Hecksitzecke zu finden. Um diesen Stauraum einfacher per Knopfdruck zu öffnen und zu schließen, steht ein elektrischer Antrieb auf der Zubehörliste. Zum Übernachten findet man die bereits erwähnte Doppelkoje in der Kabine, die bequem über einen Eingang mit Schiebetür zu erreichen ist. Die Abmessungen der Koje sind für zwei Erwachsene gut, an Backbord sind unter dem Polster ein Waschbecken und Staufach untergebracht. Unter dem Mittelpolster (Extra) auf unserem Testboot steht ein Marine-WC (elektrisch), das mit einem Fäkalientank geliefert wird. Die Installationen der ZAR überzeugen mit fest und ordentlich verlegten Leitungen. Vom Borddurchlass zu den beiden Außenbordern liegen die Kabel und Schläuche in Schutzrohr. Sicher verspannt stehen zwei Batterien in Kunststoffkisten im großen Cockpitstauraum. Hier findet man auch die Filter für die Spritreinigung. Außerdem gehören zur elektrischen Anlage: gut erreichbare Hauptschalter, eine dritte Batterie und ein Schalterpanel mit Automaten für die 12-V-Verbraucher, das bedienungsfreundlich am Fahrstand platziert ist. Eine Navigationsbeleuchtung liefert die Werft serienmäßig, Gleiches gilt für die elektrische Bilgenpumpe und doppelte LED-Beleuchtung in der Kabine. Des Weiteren gehören zur Standardausrüstung: Luftpumpe, Paddel, Reparaturkit, Kolbenpumpe und Manometer.

Stellvertretender Chefredakteur BOOTE