Die Werft Tuccoli Marine aus Collesalvetti stellt mit der T235 SF ein kompaktes Fischerboot vor, das trotz seiner Länge von nur 7,2 Metern die CE-Kategorie B erreicht. Diese Zulassung gilt für Fahrten bis Windstärke 8 und Wellenhöhen bis 4 Meter, eine Klassifizierung, die in diesem Größensegment selten ist. Die Werft überträgt damit Konstruktionsprinzipien aus dem Arbeitsbootbau auf ein Freizeitboot.
Die Werft nennt ihr Konzept Executive Sport Vessel. Dahinter steht die Idee, den Rumpf genau dort zu verstärken, wo die größten Belastungen auftreten, entsprechend wählt Tuccoli auch die Glasfasergewebe für die Laminierung aus. Das Ergebnis soll laut Hersteller bessere Fahreigenschaften bei Seegang, längere Haltbarkeit und stabilere Wiederverkaufswerte bringen. Paolo Sanguettola, Geschäftsführer von Nuova Tuccoli, erklärt: "Ein Arbeitsboot muss dort am stärksten sein, wo die Belastungen am größten sind. Dieses Prinzip wenden wir nun auch im Freizeitbootbau an."
Bei der T235 SF stehen zwei Antriebsoptionen zur Wahl: ein einzelner Außenborder oder zwei Motoren mit zusammen bis zu 300 PS. Mit der stärkeren Variante erreicht das Boot eine Höchstgeschwindigkeit von 42 Knoten, umgerechnet etwa 78 Kilometer pro Stunde. Die Breite beträgt 2,55 Meter.
Unter Deck liegt eine V-Koje für zwei Personen, die separate Nasszelle bietet Waschbecken und Dusche. Unter dem Hardtop findet sich die Pantry mit Kochfeld und Spüle. Im Cockpit lässt sich die Sitzbank einklappen und versenken, um bei Bedarf mehr Decksfläche zu schaffen. Angler können zusätzlich Fischbehälter und Rutenhalter ordern.
Jedes neue Boot von Tuccoli Marine erhält serienmäßig einen digitalen Bootspass: Ein NFC-Chip wird fest in den Rumpf laminiert. Mit dem Smartphone lassen sich darüber Bauzertifikat, Materialspezifikationen, Wartungshistorie, Handbücher und Originaldokumente abrufen. Das System macht den Lebenszyklus des Boots nachvollziehbar und soll eine objektivere Bewertung von Zustand und Wert ermöglichen. Marcello Gherbin, Vertriebs- und Marketingleiter, sieht darin auch eine Antwort auf künftige EU-Vorgaben zur Materialrückverfolgung.
Die Professional-Sparte der Werft liefert aktuell Boote an italienische Behörden. Eine Einheit für die Carabinieri ist bereits in Sizilien im Einsatz, zwei weitere sollen zwischen Ende 2026 und Anfang 2027 folgen. Für ARPAL, die Umweltschutzbehörde der Region Ligurien, baut Tuccoli ein Spezialboot für Gewässerüberwachung und Probenentnahme. Es erhält einen Innenborder, eine geschlossene Kabine als Büro, zwei Kühlschränke, einer davon ausschließlich für Proben, sowie einen Heckbogen mit Winden für Messgeräte. Ein weiteres Projekt in der Profisparte läuft bereits, bleibt aber vorerst unter Verschluss. Gherbin dazu: "Wir arbeiten an etwas Wichtigem, können aber aus Zeit- und Vertraulichkeitsgründen noch nichts verraten."

Redakteur Test & Technik
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