Selbst wenn man zu den reichsten Menschen der Welt gehört, macht es offensichtlich wenig Sinn zwei Yachten zu unterhalten, die sich so ähnlich sind. Für potentielle Käufer ist das Angebot ein Glücksfall, denn 100-Meter-Yachten sind überaus rar auf dem Gebrauchtbootmarkt. Noch dazu, wenn es um Formate der niederländischen Werft Feadship geht, die - wie auch die norddeutschen Yachtbauer von Lürssen und Abeking & Rasmussen - einen besonders guten Ruf genießen und für herausragende Bauqualität bekannt sind.
Das Exterieur von “Moonrise” stammt vom niederländischen Designbüro De Voogt Naval Architects, das Interieur wurde vom französischen Designer Rémi Tessier entworfen. Die vor sechs Jahren gewasserte Gigayacht verfügt über ein für die Länge moderates Innenraumvolumen von 3945 Gross Tons und bietet auf fünf Decks viel Platz für bis zu 16 Gäste in 8 Kabinen. 32 Crewmitglieder kümmern sich um den erstklassigen Service und um die Navigation.
Zu den Ausstattungsmerkmalen an Bord zählen ein Beach Club, Wellness-Einrichtungen und - natürlich - ein Helipad. Das britische Brokerhaus Burgess übernahm die Vermarktung der Ausnahme-Yacht. "Wir sind außerordentlich stolz darauf, ,Moonrise’ auf den Markt bringen zu können", erklärte der verantwortliche Sales-Broker Henry Craven Smith. "Sie ist eine der ikonischsten Feadships." Bei ihrer Fertigstellung war “Moonrise” die längste Superyacht, die jemals in den Niederlanden gebaut wurde – ein Titel, der die herausragende Position dieses schwimmenden Superlativs unterstreicht. Auch der Verkaufspreis passt zu der herausragenden Eigenschaften: Burgess listet den Custombau für 325 Mio. Euro!
Die Yacht wird von zwei MTU-Motoren (je 4813 PS) angetrieben, die ihr eine Reisegeschwindigkeit von 16 Knoten und eine Höchstgeschwindigkeit von 18,5 Knoten bescheren. Mit einer Reichweite von 6.000 Seemeilen ist “Moonrise” für ausgedehnte Ozeanüberquerungen bestens gerüstet. Bemerkenswert ist zudem der enorme technische Aufwand, den die Werft und Innenausstatter betreiben mussten, um “Moonrise” außergewöhnlich leise zu machen – die Yacht übertrifft sogar Feadships legendäre Standards für Geräusch- und Vibrationsdämpfung.
Die letztes Jahr ausgelieferte 101-Meter-”Moonrise” weist ähnliche Designelemente auf, darunter einen vertikalen Bug sowie eine grau-schneeweiße Lackierung. Sie unterscheidet sich jedoch von der nun zum Verkauf stehenden 99,95 Meter langen “Moonrise” durch zahlreiche technologische Verbesserungen und Designverfeinerungen.
Zur Flotte des Milliardärs gehört übrigens auch der 68 Meter lange Yachtversorger “Nebula”.
“Moonrise” spielt auch in einem Rechtsstreit eine große Rolle. Whatsapp-Mitgründer Jan Koum erhob kürzlich schwere Betrugsvorwürfe gegen den französischen Interieurdesigner Remi Tessier, wie die Tageszeitungen „Daily Mail“ und „New York Post“ unabhängig voneinander berichten. Demnach beziehen sich die Anschuldigungen auf die Gestaltung von mehreren Immobilien und die zwei 100-Meter- Yachten mit den Namen „Moonrise“. Laut Gerichtsdokumenten, die in New York eingereicht wurden, habe Tessier „ihn schamlos ausgenutzt“, indem er Preise künstlich aufgebläht und die beschafften Waren falsch deklariert habe.
Koum beschuldigt den Berichten nach den erfolgreichen Pariser Designer, bei nahezu allen Aspekten der Inneneinrichtung getäuscht zu haben. In einem besonders gravierenden Fall soll der Milliardär auf Tessiers Empfehlung ein Picasso-Gemälde für 6,7 Millionen Euro gekauft haben. Dabei habe der Designer angeblich eine verdeckte Provision von 515.000 Euro von der Galerie erhalten, ohne dies Koum offenzulegen. Ein weiterer Vorwurf betrifft eine Kunstprovision, die auf ein Offshore-Konto auf den Britischen Jungferninseln überwiesen worden sein soll. Die systematische Täuschung zieht sich laut den Zeitungsberichten durch zahlreiche Projekte – von teuren Teppichen bis hin zu Steakmessern und Sofas. Der Tech-Entrepreneur, der WhatsApp 2014 für 16,2 Milliarden Euro an Facebook verkaufte, plant zudem, in Frankreich ein Strafverfahren gegen Tessier einzuleiten.
Hohe Rechnungen für Designleistungen sind immer wieder Grund für Rechtsstreitigkeiten im Yachtbau. Rund 15 bis 20 Prozent der Gesamtkosten einer Customyacht entfallen auf die kreativen Arbeiten angesehener Studios. Um eine tiefe Vertrauensbasis zu schaffen, bieten einige Werften und Designbüros ihren Kunden bereits einen transparenten Einblick in das eigene Partnernetzwerk und die damit einhergehenden Kommissionen.
Tessier hat weiteren Medienberichten zufolge beim Gericht in New York Ende Einspruch gegen Koums Antrag auf Beweissicherung erhoben und die Vorwürfe als Rufschädigungskampagne bezeichnet.
Interessierte Käufer der 99,95 Meter langen “Moonrise” muss das juristische Intermezzo nicht weiter interessieren. Die kleinere der beiden Schwestern ist fraglos ein außergewöhnliches Angebot. Mit 325 Mio. Euro gehört sie nicht ohne Grund zu den teuersten Second-Hand-Yachten der Welt.