Admiral 72„No Rush“ wird zum maritimen Vermächtnis des Modeschöpfers Giorgio Armani

Christian Sauer

 · 24.05.2026

Besondere Ästhetik: 2.104 GT, verteilt auf 72 Meter Länge und 13 Meter Breite. 
Hinzu kommen Eisklasse, enorme Glasfronten, gewöhnungsbedürftige Formen und die Lackierung in Metallic Greige.
Foto: PR

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Bei der Admiral 72 griff Giorgio Armani zum Zeichenstift. Die außen wie innen von ihm gestaltete Yacht bricht mit Konventionen und begeistert als Gesamtkunstwerk mit schier unendlichen Details. Wir gingen in Monaco an Bord der „No Rush“.

​Was für ein glamouröser und grandioser Moment wäre das gewesen: Giorgio Armani steht auf „seiner“ 72 Meter langen Yacht – ganz Monaco zu seinen Füßen. Dieses Bild wäre um die Welt gegangen. Doch dazu kam es bekanntlich leider nicht, das legendäre Mode- und Designgenie verstarb im Alter von 91 Jahren am 4. September, drei Wochen vor Beginn der Monaco Yacht Show 2025. Und somit vor der Weltpremiere der Admiral 72 by Giorgio Armani.

In der Szene war der zumindest in Italien beinahe wie ein Gott verehrte Mailänder zwar bereits seit Jahrzehnten aktiv und ließ seine beiden eigenen Codecasas, die 50-Meter „Mariù“ sowie die 15 Meter längere „Maìn“, ganz nach seinem Geschmack einrichten. Zudem veredelte er das Interieur der 55-Meter-­Admiral „Silver Star“. Der 72-Meter-­Neubau mit rund 2.100 GT war jedoch eine andere, viel größere Herausforderung.

Eine Admiral als Explorer-Yacht für Giorgio Armani

Zusammen mit den Design-Teams von Armani/Casa und The Italian Sea Group Centro Stile schuf er keineswegs eine filigrane Schönheit im traditionellen Sinn, die konzeptbedingt wahrscheinlich selten bis nie das Mittelmeer verlassen würde. Nein, das außen wie innen von Armani geprägte Projekt Metamorphosis ist ein waschechter Worldcruiser, der guten Gewissens die inzwischen inflationär verwendete Bezeichnung „Explorer-Yacht“ verdient.

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Der Stahlrumpf mit 3,44 Meter Tiefgang erscheint nicht nur optisch äußerst robust, mit Eisklasse 1C FS (insgesamt 1D) beweist er es tatsächlich. Zu den weiteren Ingredienzien zählen zwei MTU-Sechzehnzylinder mit Abgasreinigung, Dynamic Positioning System, 6.000 Seemeilen Reichweite und 17 Knoten Höchstgeschwindigkeit. Hinter den vorderen Rumpfklappen steht unter anderem eine neun Meter lange Limousine von Falcon Tenders im Stil des Mutterschiffes bereit, die Freifläche darüber fungiert als Touch-and-Go-Helipad.

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Für die Admiral 72 kam viel Glas zum Einsatz

Doch vor allem die markanten Aluminiumaufbauten ziehen die Blicke auf sich und polarisieren – nicht allein wegen der je nach Licht changierenden Lackierung in Metallic Greige. Zum einen verjüngen sich die Aufbauten nach oben kaum, sodass sich selbst das Sonnendeck über eine Breite von 13 Metern zieht. Zum anderen liegt es an dem immensen Einsatz von Glas, sei es auf dem Eigner- und Brückendeck mit Blick voraus oder noch prägnanter in Form der beiden überdachten Lounges achtern, die sich via Glaswände in klimatisierte Wintergärten für tropische oder kalte Gefilde verwandeln lassen. Mögen sie im geschlossenen Zustand vielleicht an „Skat“ oder „Bold“ erinnern, ermöglichen diese Areale auf der Admiral 72 eine noch flexiblere Nutzung.

Gleiches gilt für den Beachclub mit der festen Badeplattform. Diese bietet dank voller Breite und mehreren Metern Länge sowohl Platz für Sonnenliegen als auch für Tische und Sitzgruppen, die wie sämtliche Möbel an Bord von Armani stammen. Zwar extra für die Yacht hergestellt, wurden sie weitestgehend direkt von den Armani/Casa-Kollektionen abgeleitet. Die Badeplattform wird partiell von den Decks darüber vor Sonne sowie seitlich dank Glasscheiben vor Wind und neugierigen Blicken geschützt.

In die Bordwände integrierte Sofas dienen an beiden Seiten ebenso als Rückzugsorte wie der anschließende Beachclub mit seitlich abklappbaren Terrassen. Dank der darin integrierten Glaselemente laden selbst im geschlossenen Zustand die halbrunde Bar sowie der Gym- und Spa-Bereich samt Massageraum und Dampfbad zu längeren Aufenthalten ein.

​Giorgio Armani setzte auf hohe Qualität

Zwei breite Treppen führen parallel hinauf zum Hauptdeck und der ersten der beiden Indoor-Outdoor-Lounges, wo die von Giorgio Armani präferierte Symmetrie sowie die bewusste Reduzierung auf wenige Farben und Materialien deutlich werden. Umso wichtiger war dem Meister die Qualität. Entsprechend stolz prangt das GA-Logo überall an Bord auf Kissen, Möbeln, Teppichen, Türgriffen und Lichtschaltern. Anders als zum Beispiel Stefano Gabbana mit seiner Codecasa „Regina d’Italia“, die während der MYS zeitgleich im Port Hercule lag und mit äußerst opulentem Interieur beeindruckte, pflegte Armani bekanntlich einen gänzlich anderen, weniger extrovertierten Stil. Davon profitiert die Admiral 72. Seine omnipräsenten Initialen krönen die elegant schlichte Atmosphäre, ohne aufgesetzt oder übertrieben zu erscheinen.

Giorgio Armani gelang es dank seiner akribischen Arbeit am Layout, die breiten Decks mit beeindruckender Höhe durch quantitativ überschaubares Mobiliar gekonnt zu füllen. Jedes Sofa, jeder Tisch und jeder Stuhl hat genügend Platz, um für sich selbst zu wirken. Gleichzeitig wirkt nichts verloren, sondern harmonisch integriert und einladend. Anstelle stark verdunkelten Glases setzte Armani auf eine Kombination von Jalousien und verschiebbaren Vorhängen mit Metallgeflecht, die magnetisch am Boden gehalten werden. Eine optische Verbindung zwischen Haupt- und Eignerdeck schafft der gläserne Boden des mehr als fünf Meter langen Pools mit Gegenstromanlage.

Vervollständigt wird dieses Sonnendeck durch üppige Liegeflächen, Lounge-Möbel, eine veritable Bar, den primären Speiseplatz für 14 Personen sowie Leuchten von Armani/Casa. Zwei Level höher präsentiert sich das eigentliche Sonnendeck dreigeteilt inklusive Spa-Pool und Liegeflächen achtern, Bar und Treppen mittschiffs unter dem massiven Geräteträger samt gläsernen Windschutzelementen sowie davor unter freiem Himmel weiteren Sofas und einer Feuerstelle.

Das Master-Refugium

Eine zweite Feuerstelle findet sich auf dem Eignerdeck – in der Bugspitze, vor dem Helipad. Den Blick von der damit verbundenen Liege über die Flammen und die Yacht hinaus schweifen zu lassen, etwa wie vom ursprünglichen Eigner geplant in der Nordwestpassage, in Patagonien oder im Südpazifik, dürfte kaum zu übertreffen sein. Weniger intim, aber umso weitläufiger präsentiert sich die Portugieser Brücke als zusätzliche Terrasse vor dem nicht minder spektakulären Steuerstand mit bodentiefen Glasscheiben, zwei Pilotensitzen und halbrunder Couch dahinter. Die hohe Material- und Verarbeitungsqualität erinnert weniger an ein Arbeits- denn an ein weiteres Gästeareal. Zurück auf dem Eignerdeck mit besagtem Outdoor-Kamin und Helipad voraus sowie dem Poolbereich achtern lohnt ein genauerer Blick auf das 180 Quadratmeter messende Master-Refugium. Dessen 180-Grad-Panorama lässt sich nicht nur vom einige Meter zurückversetzten Bett, sondern auch von der Lounge davor genießen.

Der unaufdringliche Farb- und Materialmix ist Armani in Reinform. Die gedämpfte Palette umfasst neutrale, weiche Töne mit Schattierungen in Beige, Creme sowie Taupe für Leder und Stoffe aus dem Armani/Casa-Portfolio. Raffinierte Kontraste zu Taj-Mahal-Quarzit, Silk-Georgette-Kalkstein und Calacatta-Gold werden durch dunklere Akzente von Canaletto-Nussbaumholz, schwarzem Marquinia-Marmor, blauen Macaubas-Quarziten oder transluzentem Onyx betont. Indirekte Beleuchtung und Tischlampen samt GA-Initialen ergänzen das Tageslicht der großen Glasflächen. Von dieser Symbiose profitieren auch das Eignerbad an Backbord mit frei stehender Wanne und Armaturen von Armani/Roca sowie an Steuerbord der geräumige Ankleideraum im Stil einer exklusiven Armani-Boutique.

Mittschiffs schließen sich das Treppenhaus und der doppelseitige Aufzug an. Der Salon des Eignerdecks inklusive Bar und selbstspielendem Piano ist auf den TV-Screen ausgerichtet, der sich wie überall an Bord diskret hinter Spiegelflächen verbirgt.

Die Gäste nehmen an dieser Stelle nicht den nahtlosen Ausgang zum nahezu endlosen Freiluftareal, sondern die Stufen hinunter zum Hauptdeck, wo sich die sechs farblich differenzierten Gästekabinen befinden. Die vorderste wurde als VIP-Suite mit separater TV-Lounge konzipiert. Dank eigenem Bad, Schlafsofa und mobiler Trennwand kann diese auch als eigenständige Kabine genutzt werden. Abermals viel Tageslicht – sogar über geneigte Oberlichter – flutet die Kabinen. Hohe Decken vermitteln ein grandioses Raumgefühl.

Giorgio Armani fand elegante Lösungen

Zum Abschluss führt der Weg in den Hauptsalon mit zwei Sofas und rundem Esstisch, der auf den ersten Blick etwas unterdimensioniert erscheint. Allerdings lässt sich sein Durchmesser nahezu verdoppeln. Hinter Schiebetüren wartet an dieser Stelle kein TV, sondern der temperierte Champagner- und Weinschrank – ein weiteres Beispiel dafür, wie es Giorgio Armani gemeinsam mit Armani/Casa gelungen ist, elegante und zugleich praktische Lösungen zu generieren. Zusammen mit den vielen feinen Details entstand ein maritimes Kunstwerk.

Diese erste Admiral 72 by Giorgio Armani, die in ihrem jungen Alter bereits mehrere Eignerwechsel erlebte und nach der Monaco Yacht Show in „No Rush“ umbenannt wurde, bleibt trotz ihres kolportierten Verkaufspreises von 155 Millionen Euro kein Einzelstück. Das Brokerhaus IYC, das von Beginn an intensiv das Projekt Metamorphosis begleitete und für den erneuten Verkauf des ersten Exemplars verantwortlich zeichnete, bietet das Schwesterschiff „Geco“ ab diesem Sommer zu Charterraten ab 890.000 Euro pro Woche an. Der Name könnte auf den Eigner der bisherigen 55-Admiral-­Yacht aus dem Jahr 2020 hindeuten, die ihrerseits zu Redaktionsschluss bei IYC zum Verkauf gelistet ist.


Technische Daten:​

Bild 1
Foto: PR
  • Länge: 72,30 m
  • Breite: 13,20 m
  • Tiefgang: 3,44 m
  • Gross Tonnage: 2.104 GT
  • Material: Stahl/Aluminium
  • Eisklasse: 1D (Rumpf 1C FS)
  • Motoren: 2 x MTU 16V 4000 M63
  • Motorleistung: 2 x 2.028 kW
  • Generatoren: 3 x 250 ekW
  • Geschwindigkeit (max.): 17 kn
  • Geschwindigkeit (Reise): 14,5 kn
  • Reichweite @ 11 kn: 6.000 sm
  • Kraftstoff: 209.000 l
  • Wasser: 54.000 l
  • Gäste/Crew: 14/20
  • Konstruktion: The Italian Sea Group
  • Exterieurdesign: Giorgio Armani S.p.A., Centro Stile The Italian Sea Group
  • Interieurdesign: Giorgio Armani S.p.A.
  • Klasse: Lloyd’s
  • Werft: Admiral, 2025

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