„Asia“Fünfdecker von Royal Hakvoort steht für neue Generation von Motoryachten

Martin Hager

 · 07.02.2026

Nah am Wasser: Die „Asia“-Eigner wünschten ein außergewöhnliches Layout mit großem Beachclub auf dem Unterdeck. Davor kommen  die Gäste in großen Suiten unter. Die geräumige Tender-und- Toys-Garage wanderte dafür auf  das vordere Hauptdeck.
Foto: Josh Czachur – Breed Media
Für die Eigner der 61 Meter langen „Asia“ ist ihre Yacht ein schwimmendes Zuhause, in dem sie sehr viel Zeit verbringen. Die fünf voluminösen Decks realisierte Royal Hakvoort mit hybridem Antriebssystem und nach einem Entwurf von Sinot Yacht Architecture & Design.

​Den Lebensmittelpunkt auf die Yacht verlegen – was wie eine Vorstellung aus einem Traum klingt, ist für die Eigner von „Asia“ zur Realität geworden. Rund 290 Tage pro Jahr leben sie mittlerweile auf ihrem 61 Meter langen Fünfdecker, den sie bereits im Jahr 2019 – kurz vor der Coronapandemie – bei der niederländischen Werft Royal Hakvoort in Auftrag gaben. Das Virus, das die Welt für mehrere Jahre lähmte, beeinflusste auch den Bauprozess des voluminösen Verdrängers. „Wir hatten das Glück, die Eigner nur wenige Wochen vor dem Stillstand der Welt persönlich kennenzulernen. So konnten wir ihren Lebensstil verstehen und herausfiltern, wo ihr Fokus bei unserem gemeinsamen Yachtneubau liegt“, verrät Klaas Hakvoort, der gemeinsam mit seinem Bruder Albert die Geschäfte der traditionsreichen Werft im beschaulichen Fischerdorf Monnickendam leitet.

Für diesen Zweck wurde „Asia“ realisiert

Autark und frei die Welt bereisen – am liebsten mit einer Horde Freunde und viel Familie an Bord. Dafür wurde „Asia“ konzipiert und schließlich realisiert. Seit ihrem Stapellauf vor knapp zwei Jahren ist der Verdränger im Dauereinsatz. Seine Reichweite von 4.800 Seemeilen bei einer moderaten Reisegeschwindigkeit von zehn Knoten nutzt der jüngste Royal-­Hakvoort-Bau intensiv aus. So verwundert es auch nicht, dass das BOOTE-EXCLUSIV-Team „Asia“ erstmals während der Sea-Cloud- Leserreise zur St Barths Bucket im Hafen von Gustavia erblickt, mit Premiumplatz am Hafeneingang. Optisch kommt dort niemand an der eleganten Erscheinung vorbei, wenn die verbauten 220 Quadratmeter Glasfläche in der Sonne funkeln. Nachts übernimmt die farbenwechselnde Unterwasserbeleuchtung den karibischen Willkommensgruß.

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„Asia“ ist jedoch weit mehr als ein ästhetischer Blickfang – sie steht für eine neue Generation von Motoryachten, die Unterhaltung, Komfort und auch Umweltverantwortung miteinander verbinden. Ihr Name lässt asiatische Wurzeln vermuten, und tatsächlich stehen Destinationen wie Japan, Indonesien und Alaska auf der Reisewunschliste der Eigner. Hinter dem Explorer in Weiß steht ein amerikanisches Paar, das seine jahrzehntelange Erfahrung mit Booten und Yachten in ein maßgeschneidertes Traumschiff verwandelte. Nach mehreren Yachten amerikanischer Werften wie Viking und Valhalla sowie einer Feadship wagten sie sich erstmals an ein großes Neubauprojekt. „Das Ergebnis übertraf ihre Erwartungen derart, dass sie nach der Übergabe gleich vier Monate am Stück an Bord blieben und auch im darauffolgenden Winter ‚Asia‘ kaum verließen“, vermeldet die Werft stolz.

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Die Wahl des perfekten Teams

Für das Exterieur- und Interieur-Design zeichnete Sinot Yacht Architecture & Design verantwortlich – ein niederländisches Studio, bekannt für elegant-minimalistische und dennoch detailverliebte Entwürfe. Die konstruktiven Berechnungen liefen durch die bewährten Rechner von Diana Yacht Design, die bereits für einen Großteil aller Hakvoort-Projekte die nautische Expertise beisteuerten. Jordon Weinmeier, der langjährige Kapitän der Eigner, überwachte den Bau und beriet in allen technischen Fragen. Die Eignergattin hingegen brachte sich intensiv in die Gestaltung des Interieurs ein und arbeitete eng mit Paul Costerus von Sinot zusammen. Ihre Vision: zeitloses Design mit sportlichem Touch, viel natürliches Licht und – entgegen der typischen Sinot-Ästhetik – kräftige Farbakzente.

​„Asia“-Eigner wollen ökologischen Fußabdruck gering halten

Die Eigner legten von Anfang an viel Wert darauf, den ökologischen Fußabdruck ihres Traumschiffes möglichst gering zu halten. So wurden alle verfügbaren Technologien implementiert, die messbare Emissionsreduktionen ermöglichen – selbst bei konventionellem Dieselantrieb. Dieser Ansatz beginnt bereits bei der Ausarbeitung der Linien: Ein Verdrängerrumpf mit Bugwulst sorgt für deutlich verbesserte Effizienz. Je nach Geschwindigkeit reduziert die knapp unter der Wasseroberfläche installierte Stahlnase den Kraftstoffverbrauch um bis zu elf Prozent. Das Herzstück des Umweltkonzepts bildet ein ausgeklügeltes Hybridsystem mit PTI/PTO-Funktionalität (Power Take In/Power Take Out). Dieses ermöglicht es, die Yacht bei niedrigen Geschwindigkeiten ausschließlich über Elektromotoren zu bewegen, während Generatoren oder die zwei Hauptmaschinen ausgeschaltet bleiben. Das Ergebnis: deutlich reduzierter Dieselverbrauch und nahezu lautloser Betrieb.

Drei Generatoren werden durch eine leistungsstarke Batteriebank ergänzt. Diese Kombination sorgt dafür, dass die Gensets stets im optimalen Leistungsbereich arbeiten. Bei zu geringer Last lädt die Batteriebank auf, bei Spitzenbedarf gibt sie Energie ab. Diese intelligente Lastverteilung – Peak Shaving genannt – verlängert nicht nur die Lebensdauer der Generatoren, sondern optimiert auch den Kraftstoffverbrauch. Die Batterieleistung reicht sogar aus, um die Yacht im Crewbetrieb zu versorgen oder mittels Dynamic Positioning System die Position zu halten, ohne die zwei Caterpillar-Motoren mit je 1.350 Kilowatt Leistung zu starten oder einen Anker auszubringen – was den Meeresboden schützt.

Sämtliche Generatoren sind mit SCR-Systemen und Xeamos-Rußfiltern ausgestattet. Die Abgasleitungen führen bis zum Mast, was Ölverschmutzungen im Wasser verhindert. Ein Wärmerückgewinnungssystem nutzt die von den Maschinen erzeugte Hitze, um das Wasser in den Jacuzzis zu heizen – der große Pool auf dem Oberdeck fasst 6.600 Liter Wasser. Zusätzlich sammelt ein Kondensationssystem das von der Klimaanlage produzierte Wasser, behandelt es und speichert es im Deckwaschtank. Dies reduziert die Anforderungen an den Wasseraufbereiter und spart somit Energie. Die zwei Cater­pillar-­Motoren sind zudem für HVO-Kraftstoff zertifiziert, der deutlich umweltfreundlicher als herkömmlicher Diesel ist.

Beachclub mit Bar und Sauna

Der Maschinenraum wurde wartungsfreundlich konzipiert und liegt vor der Schiffsmitte – eine bewusste Entscheidung, um den Gästen das gesamte untere Deck mit direktem Zugang zum Beachclub zu überlassen. Dieser umfasst eine Bar, eine Sauna, mehrere Terrassen und eine große Badeplattform.

Viel natürliches Licht im Interieur stand auf der Prioritätenliste der Kunden ebenfalls weit oben, weshalb das Exterieur von großen Glasfronten dominiert wird – 220 Quadratmeter, die rund 15 Tonnen wiegen. Die Räume werden so nach außen geöffnet. Bei der Innenausstattung ist klar die Handschrift der Sinot-Kreativen erkennbar – in jedem Detail. Die feine Balance subtiler Materialien, die erst einfach wirkende Erscheinung, die bei genauerer Betrachtung raffinierte Details in Türen, Wänden und Möbeln offenbart. Dazu die explizit von den Kunden gewünschten kräftigen Farben, die einen lebendigen Kontrast zu den dominierenden blassen Naturtönen liefern.

Jede der acht Gästekabinen zeichnet sich durch eine charakteristische leuchtende Farbe aus, die in Stoffen und Badezimmerfliesen wiederkehrt. Leuchtendes Pink, intensives Blau, sattes Grün – das Sinot-Team musste unzählige Abstimmungsrunden drehen, bis die richtigen Farbtöne gefunden waren. Die Wohnräume sind in neutralen Tönen gehalten, wobei das dunkle brasilianische Ziricote-Holz mit integrierten Beleuchtungselementen in den Säulen besonders ins Auge fällt. Als Blickfang dient in Treppenhaus und Foyer eine eindrucksvolle Lichtskulptur des tschechischen Herstellers Preciosa: eine Säule aus Glaskugeln und Metall, die über drei Decks reicht und aufwendig mit Stangen stabilisiert wurde. Daneben verbindet ein Aufzug alle Decks miteinander.

Die Mastersuite erstreckt sich über das gesamte Oberdeck und bietet absolute Privatsphäre. Auf der vorderen Terrasse befindet sich ein kleiner Spa-Pool, daneben eine runde Sitzgruppe mit kleinem Tisch – der perfekte Platz für ein ungestörtes Frühstück in entspannter Runde. Die blau-weißen Streifen des Sunbrella-Stoffes sind ein Markenzeichen der Eigner und ziehen sich durch alle Außenbereiche. Ein außergewöhnliches Ausstattungsmerkmal ist der auf diesem Deck gelegene Beauty-Salon mit strukturierten, weiß gestrichenen Wänden, Arbeitsplatten aus weißem Onyx und pinkfarbenen Stühlen. Die texturierten Wände spiegeln das Design des Seidenteppichs im Schlafbereich wider, der dank riesiger nach vorne gerichteter Fenster einen 270-Grad-Ausblick bietet. Großzügige separate Ankleide- und Badezimmerbereiche für Sie und Ihn runden das Raumangebot ab. Die VIP-Suite auf dem Hauptdeck darunter nutzt die Breite des Schiffes voll aus und fungiert als zweite Master- suite. Formelles Dining ist auf zwei Decks möglich: im Salon auf dem Hauptdeck oder open air im Achtercockpit des Eignerdecks. Im Freien können bis zu 16 Gäste gemeinsam speisen.

Das Sonnendeck ganz oben bietet Resort-Atmosphäre mit gläsernem Pool, umgeben von einem Tresen, Barhockern und bequemen Sonnenliegen. Für mediale Unterhaltung sorgen vier große und vom Hardtop überdachte TV-Bildschirme.

Wellness spielt eine zentrale Rolle

Ein mit zahlreichen Technogym-Geräten ausgestatteter Fitnessraum befindet sich auf dem Brückendeck achtern, ganze vorne arbeitet der Kapitän am modernen Brückenpult von Radio Zeeland, die Aussicht ist dank der erhöht gelegenen Position hervorragend. Brückennocks auf beiden Seiten helfen beim Anlegen. Neben der Auswahl der effizientesten Fahrweise über die verschiedenen Modi werden auf der Brücke auch die leistungsstarken Flossenstabilisatoren von Naiad Dynamics gestartet, die vor Anker die Stampf- und Rollbewegungen reduzieren und auch unter Fahrt die Schiffsbewegungen im Zaum halten.

Der Beachclub auf dem Unterdeck verfügt über einen Spa-Bereich mit Sauna, Massageraum und Spa-Dusche. Hier kommt in der Bar auch eine Karaoke-Anlage zum Einsatz – ein klares Statement für Unterhaltung und gemeinsame Erlebnisse, das perfekt zum Namen passt. Die Garage musste dem nah am Wasser gelegenen Wellness- bereich weichen und befindet sich auf dem Hauptdeck unter der privaten Bugterrasse des Eigners. Hier parkt die Crew zwei Beiboote von Xtenders: einen 8,1-Meter-Limotender für gediegene Landgänge und einen 8,3-Meter-Beachlander, mit dem die Gäste trockenen Fußes an den Strand kommen. Zusätzlich finden zwei Jetskis und ein 3,9-Meter-Survitec- Rettungsboot Platz. Alles ist darauf ausgerichtet, auch vor Anker flexibel zu bleiben.

Die 18-köpfige Crew verfügt über großzügige Quartiere und eine geräumige Messe auf dem Tankdeck. Der Umgang zwischen Eignern und Crew ist lockerer und kameradschaftlicher als auf vielen Superyachten üblich – ein weiterer Hinweis auf die amerikanische Herkunft und Mentalität der Eigner.

Die Bucketlist der „Asia“-Eigner ist noch lang

„Asia“ beweist, dass der Wunsch nach maximaler Freiheit, Komfort und Umweltverantwortung in einem Projekt realisierbar ist. Durch die Kombination von effizienten Linien, innovativer Technologie und durchdachten Systemen gelang es Royal Hakvoort, eine konventionell angetriebene Motoryacht mit messbar reduziertem ökologischen Fußabdruck auf Weltreise zu schicken – ganz ohne Abstriche beim Design.

Dass der 61 Meter lange Fünfdecker nicht nur ein Prestigeobjekt ist, sondern ein echtes Zuhause auf dem Wasser, beweisen die Eigner seit knapp zwei Jahren. Fast durchgehend leben sie auf ihrem Traumschiff und erkunden die Welt – und die Bucketlist ist noch voller spannender Reviere. Wir wünschen weiterhin eine gute Reise und sind gespannt, wo wir „Asia“ das nächste Mal begegnen.


​Technische Daten

  • Länge über alles: 61 m
  • LWL: 53,20 m
  • Breite: 11,60 m
  • Tiefgang: 3,47 m
  • Verdrängung (leer): 1.071 t
  • Gross Tons: 1.268
  • Material: Stahl/Alu
  • Motoren: 2 x Caterpillar 3512E HD
  • Motorleistung: 2 x 1.350 kW
  • Geschwindigkeit (max.): 14,9 kn
  • Geschwindigkeit (Reise): 13 kn
  • Generatoren: 3 x CAT
  • Stabilisatoren: Naiad Dynamics
  • Kraftstoff: 130.000 l
  • Wasser: 20.000 l
  • Entertainment: Icon Connect AV/IT System
  • Tender: 1 Xtenders Limo (8,1 m), 1 Xtenders Beachlander (8,3 m), Survitec Rigde (3,9 m)
  • Konstruktion: Diana Yacht Design
  • Exterieur: Sinot Yacht Architecture & Design
  • Interieur: Sinot Yacht Architecture & Design
  • Klasse: Lloyd’s +100A1
  • Werft: Royal Hakvoort, 2024

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