Azimut Grande 30M"Barefoot Luxury" schafft Räume der Entspanntheit

Boote Exclusiv

 · 01.04.2026

In sich ruhend: Das Exterieur von Alberto Mancini setzt auf eine elegante, mühelose Erscheinung. Das lange Oberdeck mündet in eine große Bug-Lounge.
Foto: Werft
​Mit der Azimut Grande 30M wird der Wohlfühlfaktor auf dem Wasser nach oben gefahren. Raffiniert gestaltete Innenräume baden im Licht, taktile, schallschluckende Materialien steigern den Komfort. Das Ergebnis ist eine neue Lässigkeit, ein unbeschwertes, informelles Lebensgefühl.

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Text von Norman Kietzmann

​Eine Yacht hat immer zwei Seiten. Die eine entspricht dem Blick von außen. Die andere definiert das Leben an Bord. Und genau hier hat sich viel getan – wie Azimut mit der neuen Grande 30M unter Beweis stellt. Das Exterieur stammt von Alberto Mancini, der auf eine elegante Ordnung mit horizontalen Fensterbändern setzt. Es ist eine geradlinige Yacht mit einer raffinierten, mühelosen Erscheinung ohne Firlefanz. Die Innenräume wurden von m2atelier entworfen, die seit 2023 mit Azimut zusammenarbeiten. Das Mailänder Büro wird von den Architekten Marco Bonelli und
Marijana Radovic geleitet und beherrscht ebenso die Gestaltung von Apartments und privaten Wohnhäusern. Für die Azimut Grande 30M setzt das Duo auf ein Konzept, das es „Barefoot Luxury“ nennt.


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„Wir hatten informelles Leben im Sinn, keinen Showroom“, sagt Marijana Radovic. Will heißen: Es geht weg von hochglänzenden Oberflächen, die immer auch etwa Steriles an sich haben. Ebenso von einer strengen Symmetrie der Innenräume, was zwar auf Fotos gut ausschaut, doch nicht immer für das Wohnen tauglich ist. „Wir wollen, dass man den Raum fast ein bisschen vergisst, ihn zugleich auf fast natürliche Weise erlebt. Das Interieur überwältigt einen nicht. Es will nicht prahlen. Vielmehr erzeugt es einen Zustand absoluter Ruhe und Harmonie: eine sehr raffinierte Ausgewogenheit von Formen, Materialien, Akustik und Licht“, bringt Marco Bonelli die Wirkung auf den Punkt.

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Dem Barfuß-Luxus nach sind Räume nicht nur zum Anschauen da, sie sollen gelebt und genutzt werden. Die Dinge flüstern, anstatt Aufmerksamkeit zu heischen. „Wir arbeiten gerne an Details, die einem nicht sofort ins Auge springen, sondern die man erst mit der Zeit beim Leben an Bord für sich entdeckt“, erklärt Marijana Radovic. Entspannung und Wohlbefinden sind die Parameter, auf die es ankommt. Das mündet in taktile Oberflächen, die sich weich anfühlen. Asymmetrische Möbellayouts lassen flexiblere Nutzungen zu. Das Sofa im Haupt­salon verfügt über angewinkelte Enden mit unterschiedlichen Längen. Ihm gegenüber sind zwei Stühle gestellt, die sich um einen runden Beistelltisch gruppieren. Die Sitzmöbel können frei platziert werden und lassen sich näher an das Sofa rücken, um eine kommunikative Zone zu schaffen. Oder sie verbleiben an ihrer Stelle unweit des Fensters an Steuerbord, sodass sie den Bewegungsfluss im Raum erleichtern.

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​Details, die man erst mit der Zeit für sich entdeckt

Der große Esstisch greift die angewinkelte Form des Sofas auf. Seine Platte erinnert an Plektren – jene münzgroßen Plättchen, die zum Gitarrespielen verwendet werden. „Es ist eine sehr einladende, geselligere Form als ein runder Tisch. Sie rückt die Gäste näher zusammen, wirkt sehr natürlich, näher am Leben. Außerdem ist der Tisch ein wunderschönes Objekt zum Anschauen und Anfassen“, sagt Marco Bonelli. Es kommt neuer Schwung ins Interieur. Oder um in der Musik-Metapher zu bleiben: ein neuer Klang. Schließlich geht es darum, eine gute Zeit zu haben, sich zu entspannen. Auf Eleganz und Schönheit muss keineswegs verzichtet werden. „Barefoot Luxury“ entspricht dem Lebensmodell einer jüngeren Eigner-Generation, und doch kennt Entspannung keine Altersgrenzen.

Sowohl die horizontalen als auch die vertikalen Linien werden betont, um das Raumgefühl zu verstärken und Dimensionen größer wirken zu lassen. Diagonalen lockern die Wirkung auf. „Diese Linienführung ist nicht zufällig, sondern spezifisch durchdacht. Sie hilft, den Raum zu lesen, aber auch, sich darin zu bewegen, weil die Linie dem Betrachter mental folgt. Diese Geometrien sind ein Akt der Präzision. Anstelle von 90-Grad-Winkeln gibt es immer diese leicht abgerundeten Winkel, die zwei Geraden als Kurve miteinander verbinden“, erklärt Marijana Radovic. Parallel zur Grande 30M hat das Büro an den Modellen Grande 36M und Grande Trideck gearbeitet, für 2026 ist der Launch der größeren Grande 44M geplant.

Ein verbindendes Element der Baureihen sind die funktionalen Rückwände im Hauptsalon. Für die Grande Trideck wurde eine „Unveiling Wall“ aus vertikalen Lamellen entwickelt, die über einen tropfenförmigen Querschnitt verfügen, vergleichbar mit dem Profil eines Flugzeugflügels. Auf geradezu theatralische Weise enthüllen oder verbergen sie den Fernsehbildschirm mithilfe eines eigens entwickelten Schiebemechanismus. Für die Grande 30M wurde eine etwas offenere Lamellenstruktur entwickelt. Sie lässt Licht und Blicke in gedämpfter Form hindurch, um die Treppe dahinter hervorzuheben – für m2atelier eine der wichtigsten Designaufgaben an Bord einer Yacht. Eine Treppe dient nicht einfach nur der Passage von einer Höhenebene zur anderen – sie wird zu einem identitätsstiftenden Element, bei dem Schönheit und Funktionalität ineinandergreifen.

​Deckenstoffe und Teppiche absorbieren Schall

Die Lösung besteht in einer transparenten Treppe, die mit ihren beleuchteten Stufen wie eine Lichtkaskade zwischen den Decks scheint. „Hierbei ging es nicht um Zentimeter, sondern um Millimeter. Aber das ist auch das Schöne an der Zusammenarbeit mit einer Werft, bei der alle an einem Strang ziehen. Wir denken nicht nur an das Boot an sich, sondern vor allem an die Personen, die es später benutzen werden“, berichtet Marijana Radovic. So verläuft die Treppe geradlinig, um die Orientierung zu erleichtern. Auch dies ist eine Wahrnehmungsebene, die das Wohlbefinden an Bord steigert. Die Raumaufteilung wird nicht zum Mysterium, sondern erschließt sich auf souveräne Weise von selbst.

Licht spielt auf der Azimut Grande 30M eine wichtige Rolle. „Wenn man auf der einen Seite steht und sich umdreht, sieht man etwas anderes. Durch die großen Fenster verändert sich das Licht – nicht nur mit der Blickrichtung, sondern auch mit den Tageszeiten“, betont Marijana Radovic. Dabei werden alle Sinne angesprochen. „Neben dem visuellen und taktilen Erlebnis ist auch das Klangverhalten von grundlegender Bedeutung. Alle Entscheidungen bezüglich der Stoffe und Materialien tragen zu einem akustischen Wohlbefinden bei, das dazu führt, sich geschützt zu fühlen“, erklärt Marco Bonelli. Die Decken sind mit leichten Stoffpaneelen verkleidet, die den Schall schlucken. Die Böden sind mit schmalen Dielen ausgestattet, die die Wohnlichkeit an Bord steigern. Teppiche dienen als zusätzliche Schallabsorber.

„Unser Motto lautet: ‚Weniger ist genug‘, was sich auch in den Materialien widerspiegelt. Wir versuchen, stets nur eine sehr begrenzte Anzahl zu verwenden, damit das Interieur nicht überladen wirkt“, sagt Marijana Radovic. Monotonie ist dennoch nicht zu befürchten. „Wir verwenden stattdessen verschiedene Oberflächen, also glänzend, matt, rau, glatt, dreidimensional oder mit Nähten versehen. So schaffen wir eine symbiotische Umgebung, bei der sich die einzelnen Materialien gegenseitig unterstützen und aufwerten“, so die Architektin weiter. Auch in der Suite auf dem Hauptdeck und den vier Kabinen darunter dominieren sanfte Cremetöne und helle Graunuancen. Ein helles Graublau taucht in Form von Kissenbezügen immer wieder auf. Frost Blue lautet der Name der Farbe, die wie ein Echo auf das Meer wirkt und sich von allen anderen, hellen Tönen abhebt. „Wir wollen vermeiden, dass alles beige ist. Denn damit würde die Tiefe des Raumes verloren gehen. Da es ein seriell gefertigtes Boot ist, müssen wir ein breiteres Publikum ansprechen und doch jeder Baureihe einen eigenen Charakter geben“, so Marco Bonelli.

​Die Luft kommt herein und doch ist man geschützt

Ein feines Detail ist die „Deck2Deck“-Terrasse. Durch Anheben der Heck-Garagenklappe entsteht eine Teakfläche, die über die Badeplattform auskragt. Die Erweiterung des Cockpits füllen zwei Loungesessel, von denen aus die Nähe zum Wasser genossen wird. In den Abendstunden werden die Möbel gedreht, sodass sie sich um den zum Esstisch hochgefahrenen Couchtisch gruppieren. Bodentiefe Fenster lassen auf Haupt- und Oberdeck die Grenzen zwischen Innen und Außen fließen, holen das Meer visuell in die Yacht herein. Über die Flybridge sagt Marco Bonelli: „Sie vermittelt ein Gefühl von Freiheit – eine nach drei Seiten offene Veranda mit Blick auf das Meer. Die Luft kommt herein. Und doch ist man geschützt, nicht der Sonne ausgesetzt.“

Federico Lantero, Leiter von Azimuts Produktdesign, ordnet ein: „Es geht über Eleganz hinaus, es geht darum, eine Atmosphäre zu schaffen, die sich mit denen entwickelt, die sie erleben. Eine Superyacht, auf der man nicht nur lebt, sondern die man auch fühlt.“ Die Grande 30M gehört zu den Modellen, die Azimut mit dem Attribut „emissionsarm“ versieht. Sie soll bis zu 30 Prozent weniger CO2 ausstoßen als vergleichbare Boote. Grund ist das Zusammenspiel dreier Faktoren: Gewichtsreduzierung durch den Einsatz von Kohlefasern, optimierte Rumpflinien und Pod-Antriebe von ZF. Gegenläufige Propeller erhöhen die Manövrierfähigkeit, erlauben 25 Knoten in der Spitze und senken den Verbrauch. Die kompakte Motoren­raum­architektur schafft Platz für das Bordleben. Ergo: Die Entspanntheit der Grande 30M ist kein Selbstzweck. Sie wird auf souveräne Weise mit Leistung und Verbrauchseffizienz gepaart.


Technische Daten der Azimut Grande 30M

Fly: Zu drei Seiten öffnet sich der Raum hinter der Brücke. So entsteht eine Veranda mit Meerblick. Zusatzdeck: Die Heck­klappe erweitert das Cockpit um einen Platz nah am Meer. Hauptdeck: Der asymmetrisch eingerichtete Salon geht ins streng symmetrische Außenareal über. Unterdeck: Statt eines Flurs stellten m2atelier den vier Kabinen einen rechteckigen Raum voran.Foto: WerftFly: Zu drei Seiten öffnet sich der Raum hinter der Brücke. So entsteht eine Veranda mit Meerblick. Zusatzdeck: Die Heck­klappe erweitert das Cockpit um einen Platz nah am Meer. Hauptdeck: Der asymmetrisch eingerichtete Salon geht ins streng symmetrische Außenareal über. Unterdeck: Statt eines Flurs stellten m2atelier den vier Kabinen einen rechteckigen Raum voran.
  • Länge über alles: 28,70 m
  • Breite: 7,30 m
  • Tiefgang: 2,02 m
  • Verdrängung (voll): 120,5 t
  • Material: GFK, Carbon
  • Antrieb: 2 x ZF POD 4900
  • Motoren: 2 x MTU 12V 2000 M93
  • Motorleistung: 2 x 1.340 kW
  • Geschwindigkeit (max.): 25 kn
  • Geschwindigkeit (Reise): 20 kn
  • Kraftstoff: 12.000 l
  • Wasser: 2.000 l
  • Gäste: 10
  • Crew: 5
  • Konstruktion: P.L Asunio Azimut R&D Dep.
  • Exterieurdesign: Alberto Mancini
  • Interieurdesign: m2atelier
  • Klasse: RINA Pleasure
  • Werft: Azimut Yachts, 2025
  • Startpreis: 10,90 Mio. Euro

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