Es gibt sich die Ehre, das neue Flaggschiff der meist verkauften Fly-Serie. Unverkennbar Azimut, und doch schaffte es Designer Alberto Mancini, die selbst gesteckte Vision der Marke vom Leben unter freiem Himmel auf 25 Meter Länge noch ein gutes Stück weiterzudrehen. Die Außenlinien der Azimut Fly 82 zeigen sich klar, vom Wind geformt und so schwungvoll, dass sie sich selbst bei stehender Yacht noch zu bewegen scheinen
Zugleich ist die 82 das erste Modell der Fly-Serie, das das ursprünglich von Azimut für die Grande 26M entwickelte Deck2Deck-System integriert: Der Heckspiegel hebt sich nahtlos bis an die hintere Kante des Hauptdecks an und erweitert so das Cockpit um eine stattliche Terrasse. So wird das Areal auf Knopfdruck zum Lebensmittelpunkt an Bord. Ein Merkmal, das in diesem Größensegment hervorsticht.
Für den Interieur-Profi Fabio Fantolino ist die Zusammenarbeit mit Azimut noch neu, die 82 ist auch erst sein drittes Yachtprojekt. Schon beim Betreten über den Heckeingang versetzt er den Gast sofort in ein lichtes Wohnzimmer. Schränke oder lang gezogene Sideboards sucht man vergebens. „Hier gibt es ja häufig die Tendenz, jeden verfügbaren Zentimeter für Stauraum auszunutzen“, erklärt Fantolino. „In diesem Fall konnten wir die Kapazität bieten, ohne dabei auf Offenheit und Luftigkeit zu verzichten“, fügt er hinzu und verweist auf den fast schwebenden, filigranen Hängeschrank links von der Treppe hinab ins Untergeschoss, der als Raumteiler fungiert und dennoch den Fluss zwischen den Bereichen nicht behindert. Ein anderer Fokus auf dem Hauptdeck ist Glas. „Es verstärkt Tiefe und Licht“, kommentiert der Designer.
Die breite Trennwand zum Steuerstand ist eigentlich ein Einbauschrank, mit Fronten aus geripptem, bronzefarben hinter lackiertem Glas und abgerundeten Holzstäben. Geschickt bildet das schimmernde Konstrukt einen überaus noblen Hintergrund für den Speiseplatz, um den sich hier praktisch alles dreht und den Fantolino als „präzise Komposition“ konzipiert hat. Azimut auf Platz 1.
Um den maßgefertigten und fast als Skulptur ausgearbeiteten Esstisch aus Botticino-Marmor gruppieren sich bequeme Polsterstühle, darüber hängt eine moderne, terrakottafarben gefasste Leuchte aus Opalglas. Dieses ausbalancierte Ensemble könnte genau so in jedem Penthouse stehen. Sämtliche Rückenlehnen der Möbel, Stühle, Sofas und drehbaren Sessel sind niedrig, nichts soll den Ausblick auf das Meer behindern.
Erdige orange-braune Farbakzente schlagen die Brücke zwischen Tradition und Moderne. Holz zieht sich wie ein roter Faden durch die Räume: ein warmes Element, das zwischen hellen und dunklen Tönen angesiedelt ist. Den Boden bedeckt Teppich statt Parkett, was den Salon zusätzlich wohnlich und einladend macht. Im Gegenzug unterteilen bronzefarbene Spiegel die nahezu bodentiefen Fensterflächen, hier und da glänzt getöntes Glas. Diese scheinbaren Gegensätze zwischen den verschiedenen Oberflächen schicken Leben in die Räume, ohne sie dabei zu überladen.
Ich gehe an ein Design meist so heran, dass ich mir den Raum wie ein Theaterstück vorstelle, mit Hauptdarstellern und Nebendarstellern.“
Fantolino erläutert sein Konzept: „Manche Elemente stehen im Mittelpunkt, während die ‚Nebendarstel ler‘ die räumliche Hierarchie nicht verändern dürfen. Was das Ergebnis am Ende prägt, ist das Gleichgewicht zwischen allen.“
Diese Ausgewogenheit findet sich auch in der Eignerkabine, die sich auf dem Unterdeck über die gesamte Breite im Heck zieht. Dort trifft das Holz auf stoffbezogene Trennwände, und glänzende, reflektierende Oberflächen konkurrieren mit weichen Materialien wie dem Nubukleder am raumhohen Kopfteil. Eine maßgefertigte Leuchte aus Stoff und Metall greift diese Art des Zusammenspiels auf, bringt Farbe in den Raum und dazu eine wohldosierte Asymmetrie.
Kaum weniger einladend geben sich die übrigen Suiten: eine schräg gesetzte VIP in Richtung Bug plus zwei Gästekabinen, jeweils mit eigenem Bad. Der Stil gleicht jenem einer Villa, dennoch ist immer und überall ganz klar, dass man sich auf dem Wasser befindet.
Laut Fantolino wird jedes Stück, sobald es auf eine Yacht gelangt, unweigerlich von deren physischen Eigenschaften beeinflusst. „Die Deckenhöhen, Geometrien und die Schotten – die eher verkleidet als dekoriert sind – bilden architektonische Elemente, die den Raum bestimmen und seine Form prägen“, erklärt der Designer. Aus diesem Grund nimmt selbst ein wohnlicher Stil, sobald er an Bord umgesetzt wird, immer einen nautischen Charakter an.
Es ist kein Wunder – auf die Frage, wo Fabio Fantolino seinen Tag verbringen würde, antwortet er: „Auf dem Hauptdeck.“ Als er während der diesjährigen boot Düsseldorf zum ersten Mal an Bord ging, zögerte er ein wenig. „Ich schob Gegenstände, Vasen und Bücher hin und her, nur um meine Zeit in diesem Salon zu verlängern.“ Der Wohnbereich habe etwas sehr Natürliches an sich. Er lade dazu ein, sich hinzusetzen, zu entspannen und ungezwungene Momente zu verbringen, „einfach nur im Gespräch“.
Bei allem Fokus auf eine offensichtlich gelungene Interieur-Komposition ging es Fabio Fantolino und Azimut auch um eine clever konstruierte Anordnung der Räume. Das Ruderhaus ist über einen kurzen, holzgetäfelten Korridor vom Salon aus zu erreichen, dort befindet sich neben dem Hauptsteuerstand auch die L-förmige Galley nebst einer Dinette. Von hier führt ein direkter Weg zu den Crewkabinen.
Dieses Konzept wahrt die Privatsphäre der Gäste und gleichzeitig die räumliche Kontinuität, diesen laut Designer „optischen Fluss“ von einem Raum zum anderen. Ein nahtloser Übergang findet sich auch zwischen dem Salon und dem Cockpit, das bei geöffneten Türen den Wohnraum nach draußen hin erweitert. Hier stehen sich zwei Sofas oder vielmehr Sitzbänke gegenüber, dazwischen ein Tisch mit aufklappbarer Platte.
Bei der Flybridge bleibt das Layout klassisch und bewährt: Die Fläche teilt sich auf in eine Liegewiese für Sonnenanbeter am Bug, einen zentralen Esstisch mit Pantry-Bar sowie einen Bereich am Heck mit mobilen Sofas, wo die Gäste beliebig aufeinandertreffen können. Das eher knapp bemessene Hardtop sorgt für variablen Schatten, der Glaseinsatz lässt sich öffnen und gibt den Blick in den Himmel frei.
Man kann sich also aussuchen, von wo man die Azimut 82 Fly aus dem Hafen manövriert und hinaus auf die sonnige Bucht steuert – schöner ist es eindeutig von hier oben. Falls es dann mal zügig zum nächsten Hafen gehen muss, fährt die 82 dank ihrer Volvo-Penta-IPS-Pakete bis zu 32 Knoten schnell, je nachdem auf welche Motoren-Konfiguration die Wahl fällt.
Für die Sicherheit auf hoher See sorgt Watchit Eye, ein System zur Verhinderung von Kollisionen. Mithilfe von KI sammelt es Daten und erstellt eine Risikoanalyse für jede Art von Unfall. Ein Radar, das 30 Zentimeter über der Wasseroberfläche installiert ist, erkennt Gegenstände im Wasser oder andere Schiffe und schlägt im Notfall Alarm. Dabei erfasst das Auge alles, was sich innerhalb eines Winkels von 100 Grad befindet.
Die Fly 82 hat noch eine Besonderheit zu bieten: Sie entsteht am Hauptstandort von Azimut in Avigliana nahe Turin und ist dort, fernab der Küste, das „größte Boot im Haus“, zumindest solange ihr die um einen Meter längere Seadeck 9 nicht den Rang abläuft. Die Grande wird das nicht schaffen, denn diese Serie wird auf der Werft in Viareggio gebaut – direkt am Meer.

Redakteurin News & Panorama