Große Yachten, große Preise. Um den Preisnachlass lässt sich die Gleichung für gewöhnlich nicht erweitern. Doch gibt es Formate, bei denen die Dringlichkeit einen Abschlag in erheblicher Höhe gebietet. Nun handelt es sich bei „Christina O“ nicht gerade um eine junge Gebrauchte. Der 99 Meter lange Stahlbau lief 1943 als kanadische Anti-U-Boot-Fregatte HMCS Stormon vom Stapel. Zur Yacht wurde sie in Kiel in den 1950er-Jahren. Dort durchlief sie eine Konversion im Auftrag von Aristoteles Onassis und nach Plänen des Hamburger Architekten Cäsar Pinnau. Jetzt bietet sich die Gelegenheit eine Ikone des Yachting zu bereedern. Morley Yachts senkte den Preis für die über 80-jährige Grand Dame von 90 auf 52 Millionen Euro. Das entspricht einem Rabatt von 42 Prozent.
Noch heute ist sie ein Sinnbild für Yachting im ganz großen Stil, für Opulenz und die Exzentrik ihres Eigners. „Christina“ – erst nach der Generalüberholung vor fast 30 Jahren wurde sie zu „Christina O“ – war die 99 Meter lange Visitenkarte von Aristoteles Onassis und signalisierte der Welt Reichtum, Macht und gesellschaftliche Anerkennung. Eigentlich kann man den Wert von „Christina O“ nicht ins Monetäre übertragen. Während der 21 Jahre, in denen der Grieche sie bereederte, wurde auf dem Teakdeck und inmitten der klassisch holzvertäfelten Wände Geschichte geschrieben und dem Yachting-Lebensstil gefrönt – mit allem, was dazugehört. So lud „Ari“ auch nach der Hochzeit mit Jackie Kennedy seine Geliebte Maria Callas fortwährend zu sich an Board.
Sir Winston Churchill urlaubte neun Mal auf „Christina“ und traf dort 1959 auf John F. Kennedy, mit dem er über dessen Ambitionen als Präsidentschaftskandidat sprach. Fünf Jahre nach dem Attentat auf JFK heiratete Jackie Kennedy Onassis und Hollywoods A-Riege hielt Einzug: Greta Garbo, Marilyn Monroe, John Wayne, Frank Sinatra, Elizabeth Taylor – alle waren sie da und genossen das Bordleben, zu dem der legendäre Pool zählte. Das für damalige Verhältnisse riesige Becken mit Hubboden und einem Mosaik im minoischen Stil befindet sich weitestgehend im Originalzustand. Weichen musste der Wippkran, der lange Zeit Onassis’ Fiat 500 mit offenem Dach und sein Wasserflugzeug (Piaggio P136) bewegte. Auch eine Segelyacht parkte zwischenzeitlich mittschiffs auf dem Oberdeck, wo nun Jacuzzi und Außenbar das Teakdeck unterbrechen.
Im Zuge des Werftaufenthalts Ende der 1990er-Jahre wurde der Rumpf neu aufgebaut, kaum ein Stahlblech blieb neben dem anderen. Hingegen fasste man das Exterieur des Hamburger Architekten Cäsar Pinnau mitsamt klassischem Schornstein und den kurvigen Brücken-Nocks nur behutsam an. Allerdings brachte der Wechsel von Dreifach-Expansions-Dampfmaschinen auf Dieselaggregate einen zusätzlichen Mast mit gespreizten Armen für die Endrohre hervor. Dahinter gab Heidi Klum Tom Kaulitz im August 2019 vor Capri das Ehrenwort.
Das Paar hatte „Christina O“ gechartert, derzeit schlägt das mit 700.000 bis 740.000 Euro pro Woche zu buche. Für Veranstaltungen an der Küste dürfen 157 Personen die Decks bevölkern. Bis zu 34 Schlafgästen stehen die Onassis Suite und 16 Kabinen offen, benannt nach griechischen Inseln und in den Pastellfarben gehalten, wie sie ursprünglich Jackie O ausgewählt hatte. Nach Heidi Klums Hochzeit machte die Ikone mit dem markanten Spitzgatterheck im Film „Triangle of Sadness“ mit Woody Harrelson als Kapitän auf sich aufmerksam. Anfragen nimmt das monegassische Brokerhaus Morley Yachts, das „Christina O“ nun mit 52 Millionen Euro im Verkaufsportfolio listet.

Stellvertretender Chefredakteur BOOTE EXCLUSIV