Guillaume Rolland begann mit zehn Jahren zu segeln, als seine Großmutter ihn in der Segelschule absetzte. Im folgenden Sommer kaufte er sich seine erste Jolle. Seitdem ist er dem Segelsport treu geblieben. „Ich liebe das Leben rund um das Boot, die Freundschaften, die Vorbereitung und den Vereinsgeist", sagt Rolland. Mit dem Familienboot verbrachte er 15 Jahre lang mindestens zwei Monate pro Jahr auf dem Wasser. Parallel dazu lernte er das Regattieren auf seinem Starboot auf der Seine bei Paris. Heute segelt er im Sommer zusätzlich auf einem Drachen. In England erwarb er eine klassische 29-Fuß-Ketsch, entworfen von Laurent Giles im Jahr 1946. Der Motorsegler liegt in der Bretagne. Rolland beschreibt sie als schwere, seetüchtige Yacht im besten Sinne. „Ich bin der Meinung, dass Segeln die letzte wirkliche Freiheit ist, die es auf der Erde noch gibt", erklärt er. Es sei eine Domäne, in der man nicht lügen könne und Bescheidenheit der wichtigste Faktor sei.
Sein zweites Hobby startete Rolland als Teenager, als er sich die Nikon-Kamera seines Vaters schnappte. Er begeisterte sich schnell dafür, Motive in natürlichen Rahmen festzuhalten. Ein Freund seines Vaters lieh der Familie im Sommer 1994 eine Leica M4-P. Rolland verliebte sich sofort in die Kamera und kaufte sich im Oktober eine Leica M6. Seitdem fotografiert er ausschließlich mit diesem Modell, nutzt nur zwei Objektive und verwendet stets denselben Schwarz-Weiß-Film. Die Kamera trägt er jeden Tag um den Hals, sein Finger sei jederzeit bereit abzudrücken. Das zwinge ihn dazu, das Geschehen um sich herum bewusst wahrzunehmen. „Ich fühle mich, als sei ich auf der Jagd", beschreibt Rolland das Gefühl bei seinen Fotoausflügen. Mitunter überkomme ihn dabei der Wunsch, vor Freude loszuschreien.
Fotografie perfektioniere die eigenen Fertigkeiten in Komposition und Harmonie, erklärt Rolland. Diese Fähigkeiten helfen ihm enorm bei der Ausarbeitung von Interiors. Als jahrelanger Chef der Yachtsparte und jetziger Leiter von Studio Liaigre entwirft er Interieurs wie das der 100-Meter-Feadship “Pi” oder von Sanlorenzo-Modellen (Alloy, SD118), die sich durch schlichte Schönheit auszeichnen. Seinen Designs liegen ausgeklügelte Layouts zugrunde. Häufig überraschen sie mit Detaillösungen, die dem Segeln entlehnt sind. Der in Paris lebende Bretone verbindet seine beiden Leidenschaften Segeln und Fotografie in seiner beruflichen Arbeit. Die Komposition und Harmonie seiner Alltagsfotografie überträgt er direkt in das Berufsleben. Seine Aufnahmen entstehen auf Reisen, unter anderem in den USA, und dokumentieren seinen Blick für Details und Proportionen.
Dieser Artikel erschien erstmals in BOOTE EXCLUSIV 2/2021 und wurde für diese Online-Version aktualisiert.

Stellvertretender Chefredakteur BOOTE EXCLUSIV