Martin Francis hat einen ungewöhnlichen Werdegang hinter sich. Er begann als Bühnenplaner für die Rolling Stones, bevor er zum Yacht-Designer wurde und Projekte wie „Motoryacht A” oder „Eco” (Ex-„Enigma” und jetzt „Zeus”) realisierte. Viele heute erfolgreiche Yacht-Designer lernten ihr Handwerk bei ihm. Doch Francis ist mehr als ein Designer – er ist ein Schöngeist, der sich für Kunst, Kultur und maritime Geschichte interessiert. Sein Haus in Südfrankreich spiegelt diese Leidenschaft wider. Wer es betritt, versteht sofort, was den Künstler und Designer antreibt: Kultur, Kunst und Musik. Neun Fórcole – formschöne Holzskulpturen, die als Dollen für Gondeln in Venedig dienen – schmücken seine Einrichtung. Sie stammen aus der Werkstatt von Saverio Pastor, einem venezianischen Handwerker, der Ruder und Dollen für Gondeln und andere traditionelle venezianische Arbeitsboote herstellt.
„Venedig ist für mich, wie für viele meiner Altersgenossen, ein Ort, den ich so oft wie möglich besuche, vor allem um bei Saverio Pastor vorbeizuschauen", erklärt Francis. Saverio ist über die Jahre ein Freund geworden. Francis besitzt eine Sammlung von zwölf verschiedenen Modellen dieser venezianischen Dollen. „Sobald ich wieder sicher reisen kann, ist Venedig und die Fórcola-Werkstatt eines meiner ersten Ziele", sagt er. Die Fórcola ist nicht nur ein funktionales Element der Gondel, sondern eine Holzskulptur von beträchtlicher Schönheit. Jede einzelne wird von Hand gefertigt und zeigt die jahrhundertealte Handwerkskunst Venedigs. Für Francis sind sie mehr als Sammlerstücke – sie verkörpern die Verbindung von Funktion und Ästhetik, die auch seine eigene Arbeit prägt.
Sein ganzes Leben lang hat sich Francis mit der Herstellung von Mobiles und Skulpturen beschäftigt. Zu seinen liebsten Arbeiten zählt eine Installation aus 100 Angelruten mit Spinnaker-Stoffbändern, die er im Haus eines Freundes zur Feier des hundertsten Geburtstags von dessen Vater erstellt hat. Auch seine Skulptur „Hommage an Frank" zeigt er gern. Er kreierte sie für einen Freund, der in der Nähe seines Hauses lebt. Sie ist von den frühen Gemälden Frank Stellas inspiriert, einem Künstler, mit dem Francis das Privileg hatte, über viele Jahre zusammenzuarbeiten. In seinem Haus steht Francis neben einer seiner Fórcole und der Skulptur „Broken Jug" von Frank Stella – ein Blickfang, der die enge Verbindung zwischen beiden Künstlern dokumentiert.
Francis ist leidenschaftlicher Unterstützer eines bemerkenswerten Projekts der niederländischen Bach-Gesellschaft, einer Gruppe von Musikern, die alle Werke Bachs aufnimmt und sie kostenlos als Videos in hoher Qualität auf YouTube verbreitet. „Leider habe ich es aufgrund der Pandemie verpasst, zwei ihrer Konzerte an ihrem Hauptsitz, der wunderbaren Kirche in Naarden, zu besuchen", bedauert er. Seine Interessen reichen von Musik über Kunst und Kochen bis hin zu Segelfliegen. Fayence, nicht weit von seinem Wohnort in Südfrankreich, ist einer der besten Plätze in Europa, um zu fliegen. Fliegen, vor allem Segelfliegen, ist etwas, das er früher intensiv betrieben hat, als er jünger war.
Heutzutage fliegt Francis ausschließlich virtuell in den österreichischen Alpen mit einem VR-Flugsimulator, der ein bemerkenswert realistisches Fluggefühl vermittelt. „Glücklicherweise habe ich immer noch eine Leidenschaft für Design und kreative Prozesse", sagt er. Auch wenn es nicht für ein bestimmtes Projekt oder einen bestimmten Kunden ist, arbeitet er gern an neuen Konzepten und genießt die immer größer werdenden Möglichkeiten, die sich durch Entwicklungen in Bereichen wie Virtual Reality für die Visualisierung und Kommunikation der eigenen Ideen bieten. Francis bleibt ein Kreativer, der die Grenzen zwischen den Disziplinen nicht anerkennt und seine Leidenschaft in allen Bereichen des Lebens auslebt.
Dieser Artikel erschien erstmals in BOOTE EXCLUSIV 2/2021 und wurde für diese Online-Version aktualisiert.

Chefredakteur YACHT und BOOTE Exclusiv