Sören Gehlhaus
· 22.05.2026
Eine neue Serie aus BOOTE EXCLUSIV beschäftigt sich damit, wie Yachtdesigner die Freizeit verbringen. Ihre Leidenschaften sind vielfältig, immer stark ausgeprägt und halten manche Überraschung bereit. Den Anfang macht Stefano Pastrovich, den es regelmäßig in die Luft zieht.
Stefano Pastrovich machte in den letzten Monaten mit einer Reihe von Projekten auf sich aufmerksam: X_Linea, X-Shinobi und XPagoda. Was viele nicht wissen ist, dass den Italiener seit seinem zehnten Lebensjahr zwei Leidenschaften umtreiben: Boote-Entwerfen und Fliegen. Mit 18 Jahren machte er seinen Pilotenschein in den USA, mit 24 schloss er sein Architekturstudium in Italien ab. Seine berufliche Laufbahn führte ihn zu Designer Martin Francis und später zu Wally, wo er die erste Motorbootlinie entwarf. Parallel entwickelte sich seine Pilotenkarriere. Er trainierte regelmäßig mit den besten französischen Segelfliegern.
Mit 30 Jahren gründete er seine eigene Designfirma und erwarb im gleichen Jahr den Standardklasse-Segler Discus 2A, mit dem er an verschiedenen Wettbewerben teilnahm. Mit 40 Jahren legte er sich auf Superyachten im Custom-Segment fest. Zur gleichen Zeit orientierte er sich in Richtung Motorkunstflug. Seit seinem 42. Lebensjahr startet er als Kunstflugpilot bei Wettbewerben für Monaco in der Kategorie Unlimited.
Wer auf Wettkampfniveau fliegen möchte, muss bis zu zwei Trainingseinheiten im Monat absolvieren. Bei Pastrovich ist es jeweils ein verlängertes Wochenende in Frankreich. Zwischen den Camps macht er für gewöhnlich zwei Flüge, meist in Le Castellet. Sein Körper muss auch bei G-Kräften zwischen minus acht und plus sieben reaktiv bleiben. Die physische Belastung ist enorm. Der Körper wird abwechselnd mit dem Achtfachen des Eigengewichts nach unten und dem Siebenfachen nach oben gepresst. Das Training erfordert eiserne Disziplin und absolute Konzentration. Jeder Fehler kann fatale Folgen haben.
2019 nahm Pastrovich an seiner ersten Weltmeisterschaft teil. In zehn Tagen musste er sein Können in vier Sequenzen à zehn Minuten unter Beweis stellen. „Am schwierigsten war es, die Spannung während der ein oder zwei Tage langen Flugpausen aufrechtzuerhalten", sagt er. In den ersten beiden Läufen bewegte er sich außerhalb der Box. Das ist ein Luftraum, der einem Würfel mit einer Kantenlänge von tausend Metern entspricht. Er flog niedriger als 120 Meter und erhielt jeweils 250 Strafpunkte. Sein dritter und vierter Flug war technisch gut, es gab aber wieder eine Überraschung. Eine Sequenz besteht aus ungefähr 14 Figuren. Er leistete sich jeweils bei einem Manöver einen groben Fehler, was mit einer Null gewertet wurde.
Insgesamt wurde Pastrovich 42. von 61 Teilnehmern. Ohne 1000 Punkte Strafabzüge wäre er 25. geworden. „Nach sechs Jahren seit meinem ersten Kunstflug an einer Weltmeisterschaft teilzunehmen ist eine enorme Leistung", betont er. Für die WM im folgenden Jahr sieht er sich unter den ersten zehn Piloten, je nachdem wie stark er beruflich und privat eingebunden ist. Die mentale Stärke, die er beim Kunstflug entwickelt hat, hilft ihm auch im Designprozess. Beide Disziplinen erfordern absolute Präzision und die Fähigkeit, unter Druck zu performen.
Das Fliegen verschafft Pastrovich Zufriedenheit, Wohlbefinden, gute Laune und ruft vielfältige Emotionen hervor. Im Segelfliegen gibt es Analogien zum Designen. Abweichungen von der Flugbahn können während des Gleitens in Richtung der nächsten Thermik notwendig sein, um die aufsteigende Luft besser auszunutzen. Es geht um ein paar Grad. Genauso sollte man sich nicht durch wilde Ideen zu weit vom Designprozess entfernen. Was zeigt, wie wichtig die Ursprungsidee und der Start eines Projektes sind. Die Disziplin und das Verständnis für Aerodynamik, die er beim Fliegen entwickelt hat, fließen direkt in seine Arbeit als Yachtdesigner ein.
Eine unmittelbare gestalterische Analogie verbirgt sich hinter den Lufteinlässen der 118 WallyPower. Wally wollte sie als Aussparung im Rumpfinneren haben. Pastrovich schlug vor, sie extern zu platzieren und in ihrer Form an Lufteinlässe von Kampfjets anzupassen. Wer genauer hinsieht, erkennt Parallelen zur F15, die in den Achtzigerjahren eines der ikonischsten Flugzeuge war. Aber ihm ging es nicht nur um die Ästhetik. Der Einlass verläuft in einem von ihm ausgewählten NACA-Profil. Am Ende entschied sich ein Ingenieur in Ferraris Windkanal für exakt das gleiche Strömungsprofil. Die Verbindung zwischen Luftfahrt und Yachtdesign ist bei Pastrovich keine oberflächliche Spielerei, sondern basiert auf fundierten aerodynamischen Prinzipien.
Dieser Artikel erschien erstmals in BOOTE EXCLUSIV 1/2021 und wurde für diese Online-Version aktualisiert.

Stellvertretender Chefredakteur BOOTE EXCLUSIV