Sören Gehlhaus
· 07.09.2026
„Scintilla Maris“ wirkt nicht wie eine herkömmliche Superyacht. Die Züge eines Arbeitsschiffes trügen nicht: „Bei ‚Scintilla Maris‘ handelt es sich weniger um einen Umbau als vielmehr um einen Neuaufbau auf einem bestehenden Rumpf“, lässt sich der Eigner zitieren. Die Basis des von ihm eng begleiteten Großprojekts bildete ein Fischtrawler von 1989. Als der 46-Meter-Bau die Maaskant-Werft verließ, war es einer der größten niederländischen Seitentrawler seiner Zeit.
Das Fischerei-Erbe lebt in „Scintilla Maris“ weiter. Etwa in dem Bugwappen oder der Markierung für das Bugstrahlruder und der Tiefgangskala darunter. Zudem entschied sich der Eigner dafür, den markanten Mast und den Hauptantrieb mit nur einem Propeller zu übernehmen. Auch fiel die Wahl gegen ein Hochglanz-Yachtfinish aus. Von Nahem wird sichtbar, dass der Rumpf nicht vollständig gespachtelt ist. Zudem schlägt der Werftstandort, an dem sich die Konversion ereignete, eine Brücke zum Original. So entstand „Scintilla Maris“ („Meeresfunkeln“) bis 2024 bei Damen Maaskant an gleicher Stelle wie „Vertrouwen“.
Der Explorer mit Fischereivergangenheit soll mit schwerem Stahlrumpf und großem Tiefgang auch dort komfortabel unterwegs sein, wo klassische Yacht-Routen enden. Und doch zeigt sie Features wie einen Beachclub, den der Eigner allerdings ganz eigen interpretierte. Der Bereich bietet eine Lounge, eine Bar, eine Pantry und Plattformen für den direkten Zugang zum Wasser. An beiden Flanken werden Einbuchtungen genutzt für Badeaufenthalte, den reibungslosen Beibootbetrieb, Wassersport oder Mahlzeiten im Freien.
Die Praxiserprobung erfolgte nicht bei kurzen Testfahrten vor der Küste. Im April 2024 startete der Eigner in den Niederlanden zu einer rund zehn Monate dauernden Reise. Die Route führte über London, die schottischen Äußeren Hebriden, die Färöer und Island nach Grönland. Anschließend überquerte „Scintilla Maris“ den Nordatlantik und fuhr weiter über Neufundland, Nova Scotia, die US-Ostküste und Bermuda zurück in die Niederlande. Insgesamt wurden rund 11.000 Seemeilen geloggt.
Nach Angaben des Eigners bewährte sich das Schiff auch bei schwerem Seegang im Nordatlantik. Die Reise war zugleich eine Erprobung für das geplante Nutzungskonzept. Scintilla Maris sollte nicht nur repräsentativ aussehen, sondern über längere Zeit komfortables Leben an Bord ermöglichen. Dazu gehören ausreichend Platz für Gäste und Crew, eine hohe Autonomie sowie die Möglichkeit, auch in abgelegenen Buchten und in empfindlichen Naturgebieten zu ankern.
Der Explorer verfügt über einen Hybridantrieb mit einem 2.000 PS starken Marelli-Motor und drei Volvo-Generatoren. Das Maklerhaus Burgess gibt eine Reisegeschwindigkeit von neun Knoten, eine Höchstgeschwindigkeit von 14 Knoten und eine Reichweite von 9.000 Seemeilen bei neun Knoten an.
Der Hybridantrieb erlaubt auch rein elektrisches Fahren und soll den Geräusch- und Vibrationspegel reduzieren. Hinzu kommt ein Dynamic-Positioning-System. Es kann die Yacht mit Hilfe von Propeller, Ruder und Querstrahlrudern auf Position halten, ohne dass ein Anker ausgebracht werden muss. Das ist vor allem in tiefen Fjorden, bei empfindlichem Grund oder während der Beobachtung von Tieren von Vorteil.
Für kalte Fahrtgebiete wurde zudem ein Wärmerückgewinnungssystem integriert. Die Abwärme der Generatoren kann genutzt werden, um Außenbereiche wie die Reling und Sitzflächen auf dem Achterdeck oder der Portugieserbrücke zu temperieren. Das klingt zunächst nach einem Komfortdetail, kann bei niedrigen Außentemperaturen aber entscheidend dafür sein, ob Außenflächen tatsächlich genutzt werden.
Die Vorgaben für den Innenausbau stammen von Vripack. Das niederländische Kreativbüro legte die Gestaltung bewusst nicht wie auf einer klassischen, hochglänzenden Superyacht an. Stattdessen kombinierten sie helle Flächen, robuste Materialien, maritime Details und farbige Akzente. Für viele Oberflächen kam Hochdrucklaminat zum Einsatz. Das Material ist vergleichsweise pflegeleicht und widerstandsfähig, was zum Nutzungskonzept eines Langstrecken-Explorers passt.
Ein zentrales Thema des Umbaus war das Tageslicht. Der ursprüngliche Fischtrawler bot im mittleren Schiffsbereich nur wenige Fenster. Deshalb ergänzte das Designteam zahlreiche Bullaugen und Oberlichter. In der Eignersuite wurde sogar die frühere Luke des Frachtraums als großes Oberlicht weiterverwendet. Sie lässt sich per Knopfdruck teilweise öffnen und bringt zusätzliches Licht in die mittschiffs gelegene Kabine.
Die Brücke bewahrt einige Elemente des früheren Arbeitsschiffs. Dazu gehören die ursprünglichen Fenster mit Glas- und Messingdetails. Auch Teile der alten Kommunikationsausrüstung wurden erhalten und dienen heute als historische Erinnerung an die Vergangenheit des Schiffes. Gleichzeitig bieten zusätzliche Monitore einen Überblick über Navigation und Betrieb.
Scintilla Maris bietet Platz für bis zu zehn Gäste in fünf Kabinen. Burgess nennt drei Doppelkabinen und zwei Zweibettkabinen. Für die Besatzung sind acht beziehungsweise neun Personen vorgesehen, wobei die Angaben zwischen den Quellen ebenfalls leicht voneinander abweichen.
Die große Eignersuite liegt mittschiffs auf dem Unterdeck. Sie verfügt laut Broker über eine Deckenhöhe von 2,4 Metern und ein rund 1,5 Meter großes Oberlicht. Die Position in der Schiffsmitte bringt zudem Vorteile bei Bewegung und Geräuschkomfort, weil sie weniger stark auf Stampfen und Rollen reagiert als die Bereiche am Bug oder Heck.
Eine Besonderheit ist die offene Verbindung zwischen dem Brückendeck und dem Salon. Gäste können dort die Navigation verfolgen und erhalten einen unmittelbaren Bezug zum Fahrtgebiet. Bei einem Explorer, der große Strecken durch wenig befahrene Regionen zurücklegt, ist das mehr als eine Designidee. Es macht die Reise selbst zum Teil des Aufenthalts an Bord.
Auch die oberen Decks sind auf längere Aufenthalte ausgelegt. Mehrere schattige Bereiche, ein Außenkino und eine sechs Personen fassende Beobachtungsplattform gehören zur Ausstattung. Die Plattform liegt rund 15 Meter über der Wasserlinie und ist für den Blick auf Meeressäuger, Eislandschaften oder die Küste gedacht. Zur Beibootflotte zählen ein 7,6 Meter langes MK Boats MK 760 RIB und ein 5,3 Meter langes Zodiac. Damit lässt sich der Aktionsradius vor Anker deutlich erweitern, etwa für Erkundungsfahrten, Landgänge oder den Zugang zu flachen Buchten.
„Ich wollte die prächtigen Rümpfe der niederländischen Fischtrawler nutzen, die im Laufe der Jahrhunderte gebaut wurden, und etwas schaffen, das eher optimalen Komfort und Lebensqualität als Luxus bietet“, sagt der Eigner, der „Scintilla Maris“ dennoch veräußern möchte. Burgess bietet den 46 Meter langen Ausnahmebau für 16 Millionen US-Dollar an.
| Merkmal | Angabe |
| Länge über alles | 45,6 Meter |
| Breite | 9,0 Meter |
| Tiefgang | etwa 4,9 bis 5,1 Meter |
| Innenraumvolumen | 499 GT |
| Baujahr des ursprünglichen Schiffs | 1989 laut |
| Fertigstellung als Explorer | 2024 |
| Rumpf und Aufbau | Stahl und Aluminium |
| Antrieb | Hybrid |
| Motor | 1 × Marelli, 2.000 PS |
| Reisegeschwindigkeit | etwa 9 bis 9,5 Knoten |
| Höchstgeschwindigkeit | etwa 11,8 bis 14 Knoten |
| Reichweite | 9.000 Seemeilen bei 9 Knoten laut Burgess |
| Gäste | 10 Personen |
| Kabinen | 5 |
| Preisvorstellung | 16 Millionen US-Dollar |

Stellvertretender Chefredakteur BOOTE EXCLUSIV
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