Sören Gehlhaus
· 27.02.2026
Die Filmadaption des gleichnamigen Romans von Ruth Ware spielt nahezu vollständig an Bord der 84-Meter-Feadship „Savannah“. In der Netflix-Produktion heißt sie „Aurora Borealis“ und Keira Knightley als Laura Blacklock willkommen. Die Journalistin vom „Guardian“ soll einen Artikel im Auftrag der Eignergattin schreiben, die auf der Reise ihre Stiftung für Krebsforschung vorstellt. In der Nacht erwacht Laura und glaubt die Silhouette der Frau aus Kabine 10 im Wasser treiben zu sehen. Sie informiert die Crew, aber niemand wird vermisst. Laura ermittelt weiter und trifft auf Widerstand. Die Dreharbeiten für den Psychothriller fanden Ende 2024 an der britischen Südküste sowie in Schottland und Norwegen statt. Zu dem Zeitpunkt stand „Savannah“ zum Verkauf. Die 70-köpfige „The Woman in Cabin 10“-Crew belegte sechs Kabinen, zwei dienten den Schauspielern als Aufenthaltsräume.
Im zweiten Teil des unterhaltsamen Netflix-Erfolgs ermittelt Privatdetektiv Benoit Blanc wieder in Spielfilmlänge in einem Krimirätsel à la Agatha Christie. Tech-Milliardär Miles Bron (Edward Norton) lädt eine facettenreiche Entourage zu einer Whodunit-Party auf die griechische Insel Spetses. „Glass Onion: A Knives Out Mystery“ schauten in den ersten zehn Tagen 90 Millionen Haushalte auf der Streamingplattform. Die tatsächliche Ermordung von Brons Ex- Geschäftspartnerin führt den von Daniel Craig gespielten Blanc auf die 46 Meter lange „Aquarius“. Craig gibt sich wesentlich weicher als in seiner Rolle als James Bond, er ist mit einem Mann verheiratet und hat einen Südstaaten-Akzent. In „Casino Royale“ wurde ihm als Agent 007 eine Segelyacht zur Seite gestellt (Heft 4/19). Auf der 2016 von Mengi Yay gelieferten „Knives Out“-Yacht buchen sich zehn Gäste ab 220.000 Euro die Woche ein.
Für „Christina O“ war der Auftritt als buchungsfördernde Maßnahme gedacht. Vom Ambiente her ist der 99 Meter lange Charter-Liebling die perfekte Besetzung, allerdings musste Onassis’ Ex-Pläsierplattform Kabinencharter vorgaukeln. An Bord kommt ein Modelpaar, das zum Urlaub eingeladen wurde, um ihrer Followerschaft davon kundzutun. In „Triangle of Sadness“ verhandelt der schwedische Regisseur Ruben Östlund, dessen gleichnamiger Landsmann in den 1930er-Jahren Konstrukteur schneller Motorboote aus Holz war, den kollektiven Ausbruch von Seekrankheit mit all seinen Folgen – während Woody Harrelson als Kapitän mit einem russischen Oligarchen per Lautsprecher- anlage über Marxismus und Kapitalismus diskutiert. Herrlich, wie Salon- Kommunist und Kapitalismus-Konvertit mit Aphorismen Pingpong spielen! Die Satire endet an Land und in gespiegelter Rangordnung.

Stellvertretender Chefredakteur BOOTE EXCLUSIV