Martin Hager
· 25.03.2026
Die „nausicaä" liegt aktuell in Kiel und zieht die Blicke auf sich. Der 114,20 Meter lange Explorer entstand unter dem Projektnamen Cosmos in Lürssen-Hallen und absolviert derzeit erneut Probefahrten auf der Ostsee. Zuvor passierte die Yacht den Nord-Ostsee-Kanal von Schacht-Audorf aus. Der australische Designer Marc Newson entwarf für den japanischen Unternehmer Yusaku Maezawa einen Sechsdecker, der durch seine kurvig-futuristische Formgebung auffällt. Die Werft baute das Schiff in Schacht-Audorf und feierte im August den Stapellauf. Der Name „nausicaä" verbindet die griechische Mythologie mit der japanischen Popkultur. In Homers Odyssee rettet Nausikaa den schiffbrüchigen Odysseus und steht für Gastfreundschaft und Mut. Gleichzeitig bezieht sich der Name auf den berühmten Manga „Nausicaä aus dem Tal der Winde" von Hayao Miyazaki, der in Japan für eine naturverbundene Heldin mit Führungsstärke steht.
Die „nausicaä" ist die erste Lürssen-Yacht mit Methanol-Brennstoffzellen. Freudenberg e-Power Systems aus München lieferte eine 1-MW-Anlage. Ein Reformer verwandelt Methanol in Wasserstoff, den Brennstoffzellen dann in Strom umwandeln. Die Anlage soll geräuschlosen Betrieb ermöglichen. In der Praxis bedeutet das: 15 Tage CO2-neutrales Ankern oder mehr als 1.000 Seemeilen bei niedriger Geschwindigkeit. Der Stahlrumpf ist nach Eisklasse 1D verstärkt und schiebt sich sicher durch leichtes Eis. Die Yacht bietet dem Eigner die Möglichkeit, alle fünf großen Ozeane und alle sieben Kontinente zu erkunden.
Marc Newson setzte auf einen hohen Glas- und Stahlanteil. Die Aufbauten bestehen aus Stahl, was für Explorer eher ungewöhnlich ist. Ein Fensterband läuft um die Flanken des vorderen Oberdecks und endet vorn in der gläsernen Bugschürze der Panoramalounge. Auf dem Topdeck thront eine Glaskuppel über dem Büro des Eigners. Ein Tunnel verbindet sie mit der Dachterrasse hinter den Radomen. Das vollverglaste Brückendeck umschließt gläsernes Schanzkleid. Lürssen entwickelte eine maßgeschneiderte Lösung, um große Abschnitte aus dickem Glas zu biegen. Die Scheiben sind frei von Unebenheiten und bieten kristallklare Sicht. Der hoch gezogene Bug und die Heckwanne unterstreichen die Robustheit. Aus der Heckwanne rutscht ein großes Beiboot wie bei einem Seenotrettungskreuzer sicher ins Wasser. Auf ein ähnliches Prinzip vertraute bereits 1999 der 59-Meter-Explorer „Senses".
Yusaku Maezawa gab sich über Instagram als Auftraggeber zu erkennen. Der 47-jährige Gründer von Zozotown, dem japanischen Zalando, berichtete mit langen Videos vom Launch-Spektakel. Er dokumentierte die Anreise per Privatjet und Helikopter sowie das Boarden über eine seitliche Rumpföffnung. Designer Marc Newson sagte zum Projekt: „Die Zusammenarbeit mit einem äußerst kreativen Kunden hat uns die seltene Gelegenheit gegeben, die Grenzen des technisch Machbaren auszuloten. Alles, vom kleinsten Detail bis zur Silhouette - außen, innen und alles dazwischen - ist unser Design."

Chefredakteur YACHT und BOOTE Exclusiv