InterviewWachstum auf Augenhöhe im F/LAB in Österreich

Uske Berndt

 · 26.02.2026

Ausblick: Der CEO von F/Yachting, Werner Kartner, spricht über die Suche  nach Partnern, die den  gleichen Ansatz verfolgen wie sein Team.
Foto: PR
​Für Werner Kartner stehen die Zeichen auf Wachstum und auf das Arbeiten mit gleichwertigen Partnern. Ein Gespräch mit dem Leiter der Yachtsparte im F/LAB.

​Herr Kartner, wo möchten Sie in zehn Jahren mit F/Yachting hin?

Ich glaube, dass Gesamtprojekte mit einem nachhaltigen Ansatz eher im Bereich zwischen 30 und 80 Meter passieren. Da, wo der Kunde stark involviert ist. In zehn Jahren hätten wir gerne, dass unsere Marke für einen ganzheitlichen Ansatz steht. Dass die Designer, Architekten, Werften, Partner und Kunden sowie unser Netzwerk wissen, was wir machen, welchen Mehrwert wir mit unserem Businessmodell am Markt bieten. Natürlich wollen wir auch wachsen. Wir haben jetzt schon eine Ressource mit rund 200 Leuten, die exklusiv für Yachten arbeiten. Wir brauchen den Yachtbereich, um unsere Leute auszubilden. Die Handwerker werden dort am besten ausgebildet – nicht im Flugzeugbereich.

An welchem Zeitpunkt kommen Sie dazu, wenn es um die Innenausstattung geht?

Wir haben jetzt schon Projekte, die wir in dem neuen Businessmodell machen, bei denen wir zu dem Zeitpunkt dabei waren, als der Designer den Kunden beraten hat. Und da kam wirklich unser Future Lab zum Einsatz, die Materialien wurden spezifiziert und die Technologien fixiert. Auf dieser Basis ist dann das Rendering entstanden. Das gibt es schon, grundsätzlich kamen wir in der Vergangenheit über die Hauptauftraggeber sehr spät im Prozess dazu.

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Das heißt, Sie wären verantwortlich für alle Bereiche der Yacht?

Es geht ja über den ganzen Lifecycle. So ein Schiff läuft 30, 40 Jahre, und da gibt es bis zu 10, 15 oder 20 Refits. Manche Räume bekommen andere Verwendungszwecke, man tauscht die Teppiche aus, möbelt das Holz auf oder verändert die Oberflächen. Da sind wir sehr stark mit unserem Netzwerk. Unser Ziel ist das gesamte Interieur, aber auch das Exterieur.

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Sie stehen als Hauptverantwortlicher da und holen sich Firmen dazu?

Genau. Aber wir werden nicht so ein Subunternehmer-Modell machen, sondern wir nehmen Partner dazu, die exakt den gleichen Ansatz haben wie wir und das Projekt. Und ja, da geht es ums Ganze, von der Entwicklung der richtigen Materialien und dem Designsupport bis hin zum Crew-Training. Wie man etwas richtig einstellt, repariert, die Außenflächen reinigt. Das gehört alles dazu.

Was würden Sie sagen: Aviation und Yacht­bereich, wer beeinflusst wen stärker?

Aviation hat anfangs sehr viel vom Yachtbereich gelernt, wir haben damals die Ressourcen aus dem Yacht- und Residenzbereich genommen und zusätzlich Leute ausgebildet für die Flugzeuge. Und jetzt ist es so, dass wir diese 20 Jahre Erfahrung und speziell die Erfahrung in der Materialität und Innovation für den Yachtbereich und unser Netzwerk nutzen.

Was ist das Besondere am Yacht-Innenausbau im Vergleich zu Flugzeugen?

Im Flugzeugbereich ist es so, dass ein Projekt entwickelt wird und es läuft dann 10, 15 Jahre. Da gibt es mal ein Upgrade am Interieur, aber das Flugzeug bleibt gleich. Bei der Yacht ist jede anders. Da wollen wir jetzt schon wachsen, aber eher über skalierbare Serviceleistungen. Wir entwickeln Sachen, die nicht nur wir verbauen müssen. Es gibt sehr viele Werften, die Tischlereien und auch Kapazitäten haben. Das würde ich nicht bekämpfen, sondern supporten, weil die eher mit speziellen Materialien arbeiten können. Wir sind dann nicht allein an Bord, sondern gemeinsam mit einem Partner und nicht mit einem Subunternehmer. Das ist der große Unterschied.

Über welche Werft würden Sie sich besonders freuen?

Die großen Namen aus den Niederlanden machen vieles selbst. Die holländischen Werften haben eine Historie, die sind stolz auf das Selbermachen und gut im Geschäft. Sie wachsen und sehen auch, dass sie Partner dafür brauchen. Und da wären wir sicher geeignet, weil wir die eigenen Ressourcen auf Augenhöhe betrachten und nicht als Konkurrenz sehen. Ich würde das eher begrüßen, denn es hat ja einen Vorteil, das Know-how zu haben. Für uns sind alle interessant, die bereit sind, sich zu verändern, und uns auf Augenhöhe zulassen. Leute, die gemeinsam mit uns in diesen Co-Creation-Prozess reingehen. Ich würde nicht mit Designern oder Kunden etwas entwickeln, das sich zwar im Interieur gut macht, aber was die Werft schwer einbauen kann.

Wie ist es mit italienischen Werften, den deutschen Adressen?

Ja, alle, die bereit sind, in diesen Prozess mit einzusteigen. Die sagen, dort ist ein Profi, und auch wenn wir Teile davon selbst können, geben wir das an jemanden, der uns das komplette Paket abnimmt. Man sieht es ja: Je größer die Projekte sind, umso mehr werden Doppelressourcen aufgebaut. Ich baue einen Projektmanager auf, der schaut, dass dein Projektmanager funktioniert, der schaut, dass der Subunternehmer funktioniert. Das zahlt ja kein Mensch, das verschwendet Margen, und zum Schluss wird geschnitten. Idealerweise gibt es einen Zuständigen, der mit den richtigen Leuten am richtigen Ort spricht. Da spart man wirklich Geld. Wir wünschen uns, dass alle, die maßgeblich am Projekt beteiligt sind, auf Augenhöhe diskutieren. Dass es darum geht, was das Beste für das Projekt ist, und nicht darum, was das Beste für mich ist. Und was sich effektiv im Zeitbudget machen lässt.


Uske Berndt

Uske Berndt

Redakteurin News & Panorama

Uske hat eine Schwäche für die ganz Großen und schreibt vor allem Geschichten über motorisierte Superyachten: Neubauprojekte, Wasserungen und detaillierte Porträts. Dabei nimmt sie die Leser über alle drei bis sechs der schwimmenden Etagen mit, erklärt die Antriebstechnik und die Finessen des Interieur-Designs. Je exklusiver und spezieller, desto besser.

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