InvisionWenn ein Schiff alle Welten vereint

Jan-Ole Puls

 · 17.10.2026

Das 100-Meter-Konzept von Focus Yacht Design aus Bremen.
Foto: Focus Yacht Design
Focus Yacht Design stellt mit Invision ein 100-Meter-Konzept vor, das Explorer-Fähigkeiten mit klassischer Eleganz verbinden soll. Laut Focus Yacht Design lässt sich das Design auch auf 70 oder 80 Meter skalieren.

Explorer-Yachten folgen meist einem bekannten Muster. Wer weit fahren will, verzichtet auf Eleganz, wer Eleganz sucht, opfert Reichweite. Focus Yacht Design aus Bremen geht mit Invision einen anderen Weg: Die 100-Meter-Studie soll beides können, ohne Kompromisse bei Funktion oder Form.

Das Büro nennt das Projekt bewusst Konzept und nicht fertiges Produkt. Invision versteht sich als Plattform für individuelle Anpassungen. Eigner können die Grundidee übernehmen und selbst weiterentwickeln. Auch die Länge von 100 Metern ist nicht festgeschrieben, die Philosophie lässt sich auf 70 oder 80 Meter übertragen.

Außendesign ohne Kraftmeierei

Die Linienführung der Invision verzichtet auf aggressive Elemente. Aufgesetzte Designmerkmale, die Stärke signalisieren sollen, gibt es nicht. Stattdessen geben fließende Rumpflinien der Yacht ein ruhiges Profil. Trotz der Größe wirkt der Entwurf nicht schwer oder kastig.

Eignerkabine mit Himmelblick

Wie das Raumkonzept gedacht ist, zeigt die Eignerkabine der Invision am besten. Bodentiefe Fenster öffnen den Raum zum Wasser, ein großes Oberlicht über dem Bett gibt den Blick nach oben frei. Wer hier aufwacht, sieht je nach Tageszeit und Wetter Sterne, Wolken oder Morgenlicht.

Thomas Mühe von Focus Yacht Design sagt:” Innenarchitektur sei nicht Dekoration, sondern Vision und Erfahrung. Die Räume sollen nicht dominieren, sondern Freiheit schaffen. Das zieht sich durch das gesamte Interieur. Statt standardisierter Salons und Wellness-Bereiche entstehen Räume, die das Meer als Teil des Erlebnisses behandeln und nicht als Kulisse”.

Waterline Lounge auf Augenhöhe

Das zentrale Element sitzt direkt an der Wasserlinie. In der Waterline Lounge blickt man nicht von oben aufs Meer, sondern auf gleicher Höhe. Eine 180-Grad-Verglasung lässt Licht und Umgebung herein. Ob treibende Eisberge, tropisches Flachwasser oder offener Ozean, jede Umgebung verändert die Atmosphäre des Raums.

Klappmechanismen braucht die Lounge nicht, sie bleibt unabhängig von Seegang und Wetterlage immer zugänglich. Der Raum taugt als Rückzugsort, Esszimmer oder Beobachtungsposten. Auf den großzügigen Deckflächen ist Platz für Sport, Geselligkeit oder Stille, ein Pool mit absenkbarem Boden passt sich unterschiedlichen Nutzungen an.

Mobilität über, auf und unter Wasser

Invision soll alle drei Dimensionen erschließen. Ein zertifiziertes Helideck ermöglicht Hubschrauberlandungen in abgelegenen Regionen. Verschiedene Tender bringen die Gäste die letzte Meile zu Stränden ohne Steg oder zu Riffen ohne Infrastruktur, ein Tauchboot öffnet die Unterwasserwelt mit Wracks und Korallenformationen.

Zeitpunkt und Zielgruppe

Focus Yacht Design sieht die Superyacht-Branche an einem Wendepunkt. Die Ansprüche an Entdeckungen steigen, Tiefe zählt mehr als Oberfläche und Erlebnis mehr als Repräsentation. Mühe formuliert es maritim: Die schönsten Momente entstünden nicht beim Bewundern der Natur, sondern wenn man aufhöre, sich von ihr zu trennen.

Invision richtet sich nicht an einen bestimmten Eignertyp, sondern an Menschen, die sich nicht festlegen wollen. Sie sollen morgens tauchen und abends dinieren können, den Gipfel vom Helikopter sehen und das Riff von unten. Mal ist Einsamkeit gefragt, mal Gesellschaft, geschlafen wird unter freiem Himmel, an Bord einer technisch anspruchsvollen Yacht.


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Jan-Ole Puls

Jan-Ole Puls

Redakteur Test & Technik

Ole Puls wuchs auf Jollen und Dickschiffen auf und kam so früh mit dem Segeln in Berührung. Nach der Schule absolvierte er eine Ausbildung zum Bootsbauer im Bereich Hightech-Kohlefaserbau. Seit 2022 ist er im Ressort Test & Technik tätig. Zu seinen Aufgaben zählen Bootstests von Motorbooten aller Art sowie praxisnahe Technikthemen. Die Sommer verbringt er auf dem Wasser und meist auf der Ostsee oder Schlei.

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