„Loewe“55-Meter-Tankoa mit Party-Terrasse und DJ-Pult

Sören Gehlhaus

 · 01.02.2026

Heck voller Reize: Auf Neun-Qua­drat­meter-Pool folgt Glasportal zum  Beachclub und ein festes DJ-Pult darüber. Das  Trapezfenster zieht sich bis ins Unterwasserschiff.
Foto: Ocean Independence

Luca Dini entwarf eine 55-Meter-Plattform im Look eines Sportwagens, mit der Tankoa das Segment der Alu-Formate unter 500 Gross Tons aufrüttelt. Die zweite T55 Sportiva feiert das offene Achterdeck mit Pool, Party-Terrasse und DJ-Pult. „Loewe“ heißt sie nicht von ungefähr.

​Da thront er, ein Kunstwerk von einem Fernseher. Vor der Glasfront der Oberdeck-Lounge und doch etwas im backbordseitigen Laufweg stehend. Das Gerät zieht die Blicke auf sich, und das soll es auch. Zum Elefanten im Raum macht es der Yachtname „Loewe“, mit oe und in allseits bekannter Schriftart. Eins und eins zusammenzählen? In diesem Fall müssen keine Vermutungen über die Identität des Eigners angestellt werden. Tatsächlich werden die 55 Meter vom CEO des Herstellers von Unterhaltungselektronik bereedert. Premiumgeräte wie eben den Iconic Inspire fertigt Loewe nach wie vor in der oberfränkischen Manufaktur.

Einem ähnlichen Produktionsansatz entspringt auch seine schwimmende Bühne. Tankoa Yachts baute „Loewe“ in Genua als zweite Baunummer der neuen T55-Sportiva-Serie, für die man erstmals mit Luca Dini Design & Architecture kooperierte. Die Italiener verstehen sich als „Boutique Shipyard“ für über 45 Meter lange Formate – klein, fein und nach nordeuropäischen Standards, wie es so schön heißt. Gemeint ist damit wohl in erster Linie die Treue bezogen auf Termine, Details und Kundenbeziehungen. Die 2008 gegründete Werft, deren Name sich aus dem genuesischen Wort für Skorpion ableitet, ist seit je im Besitz der Familie Orsi. Dem Industriellen Guido Orsi gehörte beinahe zehn Jahre lang Baglietto, sein Sohn Guido Jr. ist mittlerweile Vizepräsident und begrüßt im Cockpit auf Deutsch.

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Neue Serie ist reich an Features

Der deutschen Sprache ist Orsi aufgrund dortiger Geschäfte des Familienunternehmens mächtig. Mit einem Lächeln bittet er darum, die Tour auf Englisch durchzuführen. „Noch vor wenigen Wochen wurden hier Loewe-Kopfhörer vorgestellt, die in Kooperation mit Jacob & Jacob entstanden“, berichtet er und bestätigt einmal mehr die Verbindung von Benamsung und Eigner. An Bord kam auch Fußballstar Mbappé, der an Loewe beteiligt ist. Für die Yacht namens „Loewe“ ging es nach dem Abstecher noch mal zu ihrem Ursprung zurück. In Genua machten die Yachtbauer die Modellneuheit fit für die Messe in Monaco.

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Mit der T55 Sportiva möchte Tankoa an die S501 anknüpfen, die seit 2018 sechsmal gebaut wurde. Die Neue führt Bauweise sowie dynamische Linienführung fort und grenzt sich doch ab, die schlanke Statur macht das unmittelbar deutlich. Die S501 kommt auf eine Breite von 9,40 Metern, ist zudem fünf Meter kürzer. Auch hinsichtlich des Innenraumvolumens schlägt Tankoa einen interessanten Weg ein. Nicht untypisch für das Längensegment sind bis zu 760 Gross Tons, wohingegen Tankoas 55 Meter unter 500 Gross Tons bleiben. Die Genueser drängten auf eine noch reicher ausgestattete Basis für die neue Mini-Serie, obschon die durchkonstruierte Plattform aus Aluminium von Tankoa-Eignern typischerweise stark abgewandelt wird. Die Anmutung eines Sportwagens, der tief im Wasser liegt und mit seiner flachen, kantig-fluiden Silhouette Speed ausdrückt, hatten Luca Dini und sein Team mit einem Reichtum an Features zu kombinieren, den sonst voluminösere Verdrängerformate offerieren.

Achterdeck-Pracht als Visitenkarte

„Im Beachclub gibt es Annehmlichkeiten wie Sauna, Hamam, Gym, Massagebereich oder Nemo Lounge. Und der Aufzug ist eher ungewöhnlich für Yachten unter 500 Gross Tons.“ Eigenschaften, die der Chartermarkt honorieren dürfte. Die kommerzielle Nutzung hatte der „Loewe“-Eigner von Beginn an im Kopf und forderte ein Layout mit sechs statt der ursprünglich fünf Gästekammern. Ocean Independence vermittelt Wochentrips im Mittelmeer ab 400.000 Euro. Orsi startet den Rundgang unten achtern. Nahezu auf Höhe der Wasserlinie steht der etwa vier Meter lange Pool, von dem es an Schanzverglasungen vorbei durch vollverglaste Türen ins Innere geht.

Als Baunummer zwei gelangte „Loewe“ nur wenige Wochen später als „Rose“ in ihr Element. Gut zu unterscheiden sind sie an den entgegengesetzt verbauten Unterwasser­fenstern. Die Schwestern entstanden parallel, eine eher unübliche Entscheidung für ein neues Modell. Sonst werben Werften mit Baunummer eins zunächst um Käufer. Im Zwillingsansatz kommt auch Tankoas Custom-Mentalität zum Vorschein: „Das nimmt natürlich generell mehr Zeit in Anspruch. Auf ‚Rose‘ sind die Nemo-Fenster backbords, wodurch die Klapp-Plattform an Steuerbord und damit auf Seite der Passerelle verbleibt. Das war ein erheblicher Mehraufwand für uns“, sagt Orsi und spricht mit der beweglichen Bordwand ein Element an, das beinahe selbstverständlich geworden ist in dem Größensegment und den Trend zur offenen Heck-Architektur einleitete. Das Credo der Al-fresco-Bewegung: Naturnähe suchen und sich nicht in emporgehobenen Cockpits abschotten.

Auf „Loewe“ schweift der Blick aus dem Hamam in die Unterwasserwelt. Beschlagen die Scheiben des Dampfbads zu sehr, lohnt es, unmittelbar vor dem armdicken Verbund­sicher­heits­glas auf Kissen oder Sonnenliegen Platz zu nehmen. „Es ist eine Art einzigartiges Merkmal, ein Statement, das wir unbedingt setzen wollten“, unterstreicht Giovanni Parronchi, Konzept- und Exterieur-Designer bei Luca Dini Design & Archi­tecture, die Relevanz der Nemo-Nische. Parronchi und Orsi führen hinaus, wo das Studio aus Florenz eine wichtige Anforderung des „Loewe“-Eigners umzusetzen hatte. Das Cockpit schließt nach achtern eine fest installierte DJ-Kanzel ab, der bei hochgefahrenem Pool-Boden eine gut 20 Quadratmeter große Tanzfläche zu Füßen liegt.

Party, Wassersport oder Entspannung

Das Arrangement ist wie gemacht für ein Partyschiff und doch multifunktional: Seitlich kaschieren Bänke clever das Muring-Geschirr und eröffnen hinter den gläsernen Schanzen geschützte Rückzugsoasen. Für Wassersport-Aktivitäten stehen Gästen auf und am aufblasbaren Dock zwei Seadoo GTX Limited 325 sowie Seabobs, drei E-Foiler von Fliteboard und ein E-Surfboard bereit. Wasserski und Wakeboard wird hinter einer Axopar 37 Cross Cabin gefahren, die im Schatten oder im Schlepp des Mutterschiffs fährt. In der offenen Tenderbucht des Vorschiffs parkt ein 505 Diesel Jet, auf den Gäste auf der obersten Etage aus dem rechteckigen Jacuzzi mit Glas-Süllbord blicken. Wenn ein Helipad gewünscht sei, könne Tankoa die T55 auch mit geschlossenem Vordeck bauen, so Guido Orsi. Der Vizepräsident ergänzt: „Das offene Raumkonzept zieht sich durch alle Außenbereiche, auch auf dem Sonnendeck kann alles umgestellt werden. Der Eigner liebt es, Partys zu feiern.“ Die luftig-klare Gestaltungslinie führt der Salon stellvertretend für das Interieur weiter. Sofort ins Auge sticht das Spiegelmotiv an der Decke, das Luca Dini und sein Team auf Eignerwunsch allen Wohnbereichen obenan­stellte. In dem zehn Meter langen Raum erzeugt die strukturierte Glanzoberfläche Weite über unscharfe Reflexionen. „Der Innenraum spiegelt sehr gut den Geist des Eigners und seines Unternehmens wider. Wir haben drei Farben: Grau, Weiß und Schwarz. Alles ist sehr clean, kohärent und sportlich“, informiert Carlotta Malatesta, Head of Interior bei Luca Dini, im Salon. Den Kontrast des Exterieurs erzeugen hier helle italienische Designmöbel und schwarz gerahmte Panoramafenster. Ein wellenförmiger Kristall-Lüster markiert die Lage des Speiseplatzes. Wer außen dinieren möchte, nutzt die Wendeltreppe hinter der luftig-­lamellierten Verkleidung oder den Fahrstuhl mittschiffs. Das Hauptdeck belegen nach vorn Galley und Eignerkammer, die Innenarchitektin Malatesta vorzeigt. Bettkopfteile und Nachttische sind wie in allen Gästekabinen maßgefertigt, das Schwebebett der Beletage flankieren ein Hybridmöbel aus Chaiselongue und Sidebord sowie eine weitere große Glasschiebetür.

Das Laufdeck transformieren Pforten und der Whirlpool in einen privaten Balkon. Alternativ zum Becken realisiert Tankoa ein Büro, das dann steuerbords im Eingangsbereich liegt. An der Backbordseite befindet sich auf allen Decks der Durchgang für die zehnköpfige Crew, die das vordere Unterdeck bewohnt. Der Kapitän bezieht eine kleine Kammer in der Flucht der Brücke. Von der ersten Kabine an Bord geht es für Gäste vom Balkon aus flugs nach hinten oder ganz oben, wobei auf dem Weg dorthin unmittelbar vor der Brücke eine Bug-Lounge zum Verweilen einlädt. Das Gros der Freiflächen bereichern Sofas in kräftigen Farben. Carlotta Malatesta dazu: „Sie sind von Edra. Durch einen neuen Outdoor-Stoff sehen sie aus wie Möbelstücke, die in ähnlicher Form im Innenbereich stehen.“

Dini-Design: Symbiotisches Ex- und Interieur

Ex- und Interieur verschwimmen aus gutem Grund, wie Gio­vanni Parronchi erläutert: „Ich bin verantwortlich für die vorläufigen Entwürfe des Studios. Den Anfang machen Linien, Layouts und Volumenberechnungen. Nach der 3D-Modellierung reiche ich die fertige Box an Carlotta und ihr Innendesign-Team weiter.“ Für ein Semi-Custom-Konzept überrascht die T55 Sportiva mit hohem Detailierungsgrad und konisch verlaufenden Aufbauten mit Fasen, Rundungen und harten Kanten. „3D-Modelle vereinfachen die Kommunikation mit der Werft. Da wird schnell klar, was möglich ist und was nicht“, erklärt Parronchi. Selbst bei der Außengestaltung lassen Tankoa und Dini Raum für Individualisierung. Der gebogene „Rücken“ von „Loewes“ Aufbau enthält eine Perforation im Hexagon-­Muster, das der Heckspiegel aufgreift und das als Verweis auf Lautsprechergitter verstanden werden darf. Eine maskuline Formensprache überwiegt. Da wäre der böse Blick, in dem das Hauptdeckfensterband ausläuft, oder der zum „Hai-Maul“ stilisierte Bug. Die Alustruktur darunter teilt ein weiteres Attribut mit dem kraftstrotzenden Jäger: hydrodynamische Effizienz. Der InNave-Konstruktion genügen zwei CAT-Aggregate à 1.193 Kilowatt, um knapp 20 Knoten in der Spitze zu laufen.

Unter Alu-Yachten gleicher Länge existieren hohe Leistungsunterschiede: Schwester „Rose“ fährt mit je 831 Kilowatt starken Motoren, Mitbewerber verbauen nicht selten Kraftwerke mit doppelt so hoher Gesamtleistung. „Loewe“ könnte den Atlantik bei vollen 60.000-Liter-Tanks und zwölf Knoten Fahrt überqueren und vom Kapitän auf der anderen Seite dank eines Tiefgangs von nur 2,40 Metern ohne Schweißperlen durch die Bahamas manövriert werden.

Zum Abschluss betont Guido Orsi im Motorenraum: „Bei uns gibt es immer einen Kontrollraum, auch auf den neuen 45-Meter-Formaten.“ Vom Einstiegsmodell baut Tankoa derzeit drei Einheiten, als Vier- und Fünfdecker. In Genua steht der Kurs nach der Otam-Akquisition weiter auf Expansion. Im Herbst bestellte ein US-Amerikaner 61-Custom-Meter mit Linien des werfteigenen Designteams. Damit geht es zurück zu den Wurzeln und ins Jahr 2015, als Tankoa mit der 69 Meter langen „Suerte“ an den Start ging. Unter den neun aktuellen Aufträgen sind 52 Meter von Philippe Briand, ein 56 Meter langer Mancini-Entwurf und drei One-offs von je 50 Metern Länge. Eine dritte T55 Sportiva mit Fertigstellung 2027 ist noch ohne Käufer. „Loewe“ wirbt vortrefflich für die Wandelbarkeit der neuen Serie – und die gleichnamige Marke.


Technische Daten

Sonnendeck
Foto: Hersteller
  • Länge über alles: 55 m
  • Breite: 9 m
  • Tiefgang: 2,40 m
  • Verdrängung (voll): 455 t
  • Gross Tonnage: 499 Gross Tons
  • Material: Aluminium
  • Motoren: 2 x CAT C32 Motorleistung: 2 x 1.193 kW
  • Geschwindigkeit (max.): 20 kn
  • Geschwindigkeit (Reise): 12 kn
  • Reichweite @ 12 kn: 3.800 sm
  • Generatoren: 3 × Kohler 78 kW
  • Kraftstoff: 60.000 l
  • Gäste: 12
  • Crew: 10
  • Konstruktion: InNave
  • Exterieurdesign: Luca Dini
  • Interieurdesign: Luca Dini
  • Klasse: RINA, ABS Werft: Tankoa Yachts, 2025
  • Charter: Ocean Independence

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