Schon auf ihrem letzten Zwischenstopp in der Kieler Förde war sie der Star der Fotografen, jetzt hat Lürssen die 114,2 Meter lange NAUSICAÄ - gebaut als Projekt COSMOS - ausgeliefert. Der australische Designer Marc Newson zeichnet für das komplette Design des optisch ungewöhnlichen Explorers verantwortlich.
“Die Auslieferung gab mir eine tiefe Verbindung zu meinem Urgroßvater Friedrich Lürssen, der 1886 das erste Motorboot der Welt baute", sagte Werftchef Peter Lürssen. Pause in Kiel.
Kurven und Lamellen-Details prägen die äußere Gestaltung. Die Entwicklung riesiger zylindrischer Stahlformen stellte eine besondere Herausforderung dar. Diese Details finden sich überall wieder – entlang des Außendecks am Heck, als Rahmen am Haupteingang achtern sowie an zahlreichen Außentüren und dem Abgasmast.
Unter dem markanten Design liegt ein Eisklasse 1D Rumpf, der die Yacht für tropische Gewässer ebenso wie für polare Meere qualifiziert. NAUSICAÄ kann sicher in leichten Eisbedingungen fahren. Woher der Name kommt.
Der Dome besteht aus sieben Scheiben, jede 3.000 mal 2.800 Millimeter groß, 62 Millimeter dick und 1.050 Kilogramm schwer. Dieser oberste Aussichtspunkt beherbergt ein 56 Quadratmeter großes Büro des Eigners mit 3,15 Meter Deckenhöhe und einer Terrasse.
Die Konstruktion erforderte, dass jede Scheibe durch Schwerkraft unter präzise kontrollierten Bedingungen warmgebogen wurde. Die Ingenieure überprüften diesen Prozess durch mehrere Biege- und Laminierungstests an 1:1-Modellen. Zuvor hatten schon Yachten wie “Rising Sun” und “Kismet” diverse Grenzen von Größe und struktureller Komplexität verschoben.
Während ein Großteil des Glasbands am Oberdeck tatsächlich Verglasung ist, sind die Übergänge von Schanzkleidern, Türen und technischen Bereichen in derselben Optik ausgeführt. Das Feature gipfelt vorne in der 19 Meter breiten Beobachtungslounge, die direkt unter dem vollständig zertifizierten Bug-Helipad liegt.
Das Achterdeck erstreckt sich über die volle Breite von 18 Metern und zieht sich um einen Jacuzzi und ein Schwimmbecken, das lang genug ist um Bahnen zu ziehen und tief genug zum Tauchen. Achtern liegt ein 12,5 Meter langer Sportfisher-Tender in einem Trockendock. Über ein Schlittensystem mit 16 Tonnen Tragfähigkeit gelangt er ins Wasser. Nach dem Aussetzen ziehen sich die Schienen zurück und verwandeln die “Tenderwanne” in einen geschützten, mit Teak ausgelegten Bereich.
Anstelle eines Hauptsalons eröffnet sich ein zweistöckiges Atrium, wobei das Hauptdeck als Kunstgalerie dient. Eine große Skulptur steht in der Mitte, während weitere Stücke im Raum platziert werden können. Ein kreisförmiger Balkon auf dem Oberdeck fungiert als Aussichtsplattform, der verbleibende Bereich bietet eine Sushi-Bar sowie eine Tischtennisplatte.
Das Antriebssystem besteht aus einer diesel-elektrischen Anlage mit fünf Motoren – zwei Haupt- und drei Hilfsmotoren – sowie elektrischen Azipods. Die Batteriebank liefert bis zu zwei Megawatt und kann alle Hotelsysteme gleichzeitig bei Spitzenlast versorgen.

Redakteurin News & Panorama