Mit „Nurja“ tut sich eine rare Gelegenheit auf. Die Schweizer Makler von Ocean Independence listen den 40,50 Meter langen und 18 Meter breiten Katamaran aus A&R-Hallen für 38 Millionen Euro. Es dürfte die weltweit einzige SWATH-Superyacht sein. Die Abkürzung steht für Small Waterplane Area Twin Hull, also ein Doppelrumpf mit kleiner Wasserlinienfläche.
Dem Konzept liegt eine Art Katamaran zugrunde, aber mit sehr schmalen Wasserlinien. Der für den Auftrieb des Schiffes verantwortliche Teil in Form von torpedoförmigen Kielen liegt tief unter der Wasseroberfläche. Die Technologie verschafft „Nurja“ in doppelter Hinsicht einen niedrigen „Fußabdruck“. Zum einen unmittelbar durch die kleine benetzte Fläche, die sich aus vier Streben zwischen Rumpf und Wasseroberfläche ergibt; zum anderen verbessert sich dank SWATH die Verbrauchseffizienz und der CO2-Ausstoß.
Auch soll das Konzept stabile Fahrten bei Seegang garantieren. „Nurja“ lief 2008 bei Abeking & Rasmussen als „Silver Cloud“ vom Stapel und kehrte von Oktober 2021 bis November 2024 an ihren Bauplatz für den umfassenden Umbau zurück. Die Traditionswerft aus Lemwerder hat seit 1999 knapp 30 SWATH-Schiffe gebaut, darunter vor allem Lotsenboote.
Zwei je 1.100 PS starke Caterpillar-Motoren vom Typ C32 treiben das Spezialformat an. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 15 Knoten, die Reisegeschwindigkeit bei 10 Knoten. Mit voll gebunkerten Tanks erreicht „Nurja“ eine Reichweite von etwa 4.000 Seemeilen. Vier Flossenstabilisatoren sorgen für ruhige Fahrt und ruhige Lage vor Anker. Sie werden über ein System von Marine Dynamics gesteuert. Während des Umbaus wurden beide Motoren, die Getriebe und die gesamte Hydraulik überholt oder erneuert.
Außerdem verbaute Abeking & Rasmussen neueste Automationstechnologie von Böning. Das Alarm Management and Control System (AMCS) verbindet Navigation, Antrieb, Sicherheitstechnik und alle Bordsysteme. Zwei unabhängige CAN-Bus-Netzwerke arbeiten parallel. Fällt ein System aus, übernimmt das andere. Von der Brücke aus lassen sich alle Funktionen überwachen und steuern. Das System erfüllt die Anforderungen der Klassifikationsgesellschaft DNV. Die Zertifikate gelten bis 2029.
Focus Yacht Design aus Bremen entwarf den neuen Innenausbau. Die Eignerkabine liegt auf dem Oberdeck und erstreckt sich über die volle Schiffsbreite mit privatem Balkon, getrennten Bädern, einem Büro und direktem Zugang zum Fitnessraum. Vier weitere Kabinen befinden sich auf dem Hauptdeck. Insgesamt können zwölf Gäste in fünf Kammern übernachten. Die Crew besteht aus neun Personen. Ein Aufzug hält auf allen Decks.
Das Achterdeck hat jetzt eine ausklappbare Plattform zum Wasser. Ein neuer Kran kann bis zu 2.500 Kilogramm heben und Beiboote und Wassersportmaterial zu Wasser bringen. Auf dem Oberdeck landen Helikopter. Alle Decksflächen wurden mit synthetischem Teak belegt und die Festmacherausrüstung komplett erneuert.
Eine VSAT-Anlage ermöglicht Satellitenverbindung auf hoher See. Ein Wi-Fi-6-Netzwerk versorgt alle Bereiche mit schnellem Internet, wobei die Unterhaltungselektronik über eine Crestron-Plattform läuft. Musik und Video lassen sich in allen Räumen steuern. Das System ist in die zentrale Steuerung eingebunden.
Die Werft erneuerte Brandschutz und Rettungsausrüstung vollständig. Alle Arbeiten wurden von DNV abgenommen. Die Yacht erfüllt die aktuellen Vorschriften für gewerblich genutzte Yachten. Die Klassifikation läuft bis 2029. Danach steht die nächste Hauptuntersuchung an.

Stellvertretender Chefredakteur BOOTE EXCLUSIV