Sören Gehlhaus
· 09.07.2025
Icon Yachts hat die erste Bauphase ihres Umbauprojekts „Master“ abgeschlossen. Die niederländische Werft brachte mit dem technischen Launch Wasser unter die beiden elektrischen Voith Schneider Propellern (eVSP). Im Kielwasser hat der Stahlrumpf bereits viele Tausend Seemeilen; als Basis für die Konversion diente ein 2001 bei der Norwegischen Kleven-Werft gebauter Offshore-Versorger. Espen Øino betreut gestalterisch, was auch die Verlängerung um vier Meter auf eine Lüa von 70 Metern einschließt. Icon Yachts zeigte zuletzt vor zwei Jahren mit „Ragnar“, dass sie sich auf komplexe Konversionen versteht.
Icons neuer Explorer erhält als weltweit erste Yacht Voith Schneider Propeller, eine Antriebstechnik, die auf dem fast 100 Jahre alten Prinzip des Zykloidalpropellers beruht. Sechs im Kreis angeordnete Flügel rotieren um eine senkrechte Achse und können Schub in jede gewünschte Richtung erzeugen. Da die Flügelköpfe miteinander verbunden sind und eine konzertierte Verstellung der Anstellwinkel zulassen, geschieht der Wechsel von Voraus- auf Achterausfahrt nahezu stufenlos. Ruder sind nicht erforderlich, da die Propeller sowohl Antrieb als auch Steuerung abdecken.
Die Einheiten sollen über die Manövrier- und Verbrauchsvorteile hinaus dank integrierter Permanentmagnet-Elektromotoren, die auf Getriebe verzichten, auch den Unterwasserlärm reduzieren. Aus diesem Grund lieferte der deutsche Hersteller Voith Turbo, eine Sparte des gleichnamigen Heidenheimer Konzerns, jüngst zwei eVSP mit je acht Schaufeln an das 125 Meter lange Forschungsschiff „Meteor IV“. Auf die nichtelektrische Variante VSP vertrauen seit 2021 Fähren, die zwischen Manhattan und Staten Island operieren. Zudem vertrauen Schlepper und Offshore-Schiffe auf das Antriebssystem von Voith.
Mit fünf je 500 Kilowatt starken Generatoren als Stromlieferanten sollen sich bei zehn Knoten Fahrt Aktionsradien von bis zu 9.000 Seemeilen ergeben. Das einziehbare Bugstrahlruder trägt zum Dynamic-Positioning-Betrieb bei und kann im Notfall als Hauptantrieb agieren. Der auf 70 Meter gewachsene Rumpf erhielt bei Icon einen komplett neuen Aufbau, wodurch das Innenraumvolumen um 1.000 Gross Tons auf 2.801 Gross Tons anstieg.
„Master“ soll mit voll ausgestattetem Forschungslabor und Schulungsraum ablegen und auch wissenschaftliche Expeditionen und Abenteuerreisen unternehmen. Die Planungen sehen sowohl entspannte Mittelmeertouren als auch mehrwöchige Fahrten in polaren Gewässern vor. Vorgesehen sei, dass Wissenschaftler ihre Erkenntnisse und ihr Wissen in Echtzeit mit den Gästen teilen. Zur Ausrüstung gehören zwei speziell angefertigte Expeditions-Beiboote mit einer Länge von 11,75 Metern. Sie unterstützen Einsätze in abgelegenen Gebieten und erweitern den Aktionsradius der Yacht erheblich.
Icon und das Team von Espen Øino International fanden Wege, 80 Prozent des ursprünglichen Schiffes wiederzuverwenden oder zu upcyceln. Das sei nicht nur unter Umweltgesichtspunkten positiv, sondern verkürze auch die Vorlaufzeit für den Eigner und überwinde große Hürden in der Lieferkette. Aussortierte Teile werden von der Schifffahrtsindustrie genutzt, in Übereinstimmung mit der ISO 14001-Zertifizierung von Icon.
Für Projekt „Master“ sucht das Brokerhaus Fraser einen Eigner, der Preis für den 2027 fertiggestellten 70-Meter-Explorer beträgt 99,5 Millionen Euro.
Icon Yachts wurde 2005 im niederländischen Harlingen gegründet und hat sich auf Umbauten, Refits und Neubauten von Superyachten spezialisiert. Die Werftanlagen haben direkten Zugang zur Nordsee und bestehen aus einem 150 x 33 Meter großen überdachten Trockendock sowie einem 90 x 20 Meter messenden Schwimmdock. .

Stellvertretender Chefredakteur BOOTE EXCLUSIV