“RAW”Cantiere delle Marche liefert rohe Kraft auf 30 Metern

Uske Berndt

 · 21.09.2024

Die ersten Skizzen für "RAW" entstanden innerhalb von 20 Minuten.
Foto: CdM - Cassetta
Ein Explorer muss alles haben, was Weltenbummler schätzen: viel Stauraum, Reichweite, Helipad und ein robustes aber schickes Design ohne Gedöns. Geht das auch auf 30 Metern? Klar, und wie! Cantiere delle Marche beweist es mit “RAW”.

Die italienische Werft Cantiere delle Marche (CdM) will nach dem aktuellen Mega-Explorer „Maverick” (44 Meter) weiter Projekte anpeilen, die das Wesentliche abdecken: autonomes, sicheres und komfortables Reisen über lange Distanzen. Für „RAW” hat das Team um die beiden CdM-Chefs Vasco Buonpensiere und Ennio Cecchini die Vorschläge von Eignern, Brokern, Designern, Kapitänen und Crew aufgenommen und ein „ehrliches” 30-Meter-Vehikel auf die Beine gestellt, gezeichnet von Giorgio M. Cassetta.

„RAW” ist ein Acronym und steht für „Recreation All-Weather Watercraft” - also ein robustes Freizeitmobil, das mit Explorer-Zutaten aufwartet: hochgezogener Bug mit Tenderparkplatz auf dem Vordeck, XL-Cockpit mit optionalem Wetterschutz, viel Stauraum sowie einer Schwimmplattform, die bei Bedarf zum Panoramabalkon wird. Fast unglaublich für die Länge ist der kleine Landeplatz für einen Heli oder die Drohne.

„Raw” spricht eine Generation von Eignern an, die maximale Freiheit und Flexibilität wünschen. Erfahrene Yachtbesitzer, denen es egal ist, monatelang jede Nacht woanders zu schlafen, während sie entlegene Orte bereisen - um dann im Anschluss im Hafen eine Mega-Party zu schmeißen.

Die ersten “RAW”-Skizzen entstanden im Flugzeug

Die Idee kam Vasco Buonpensiere nach einer Tour durch diverse Werften, das Marktsegment der kleineren Semicustom-Explorer hatte es dem Verkaufsdirektor angetan. Er stürmte ins Büro des Managements und sagte: „Ennio, lass uns einen neuen 100-Füßer erschaffen!” Daraufhin begannen die Köpfe zu rauchen, die ersten Entwürfe basierten auf einer Zeichnung, die Giorgio M. Cassetta innerhalb von 20 Minuten während eines Fluges von Amsterdam nach Nizza anfertigte.

Für das Team von Cantiere delle Marche hat die „RAW”-Größenklasse nur Vorteile. „Eine 30 Meter-Yacht kann beides sein, der Einstieg für Eigner, die sich später vergrößern möchten oder das letzte Boot in einer Yachtingkarriere”, erzählt Giorgio M. Cassetta, „manche Eigner wiederum möchten sich verkleinern, weil der Betrieb ihrer großen Yacht zu aufwendig ist”. Ein 100-Füßer balanciert zwischen manövrierbarer Größe, vernünftigen Kosten und einem soliden Angebot an Platz und Annehmlichkeiten.

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Warum orange? Das sieht man auf dem Wasser immer

Was das Design angeht, gab es feie Hand. „Bullig und spielerisch zugleich”, umreißt Giorgio M. Cassetta das Konzept, „nicht deplatziert in einem kommerziellen Hafen, aber auch ein Hingucker in einer schicken Marina.” „RAW” kommt als Komposition wie in einem geometrischen, abstrakten Gemälde mit einem Augenzwinkern in Richtung Allrad-Fahrzeug daher. „Die Optik stammt von Forschungs- und Rettungsschiffen”, so Vasco Buonpensiere, „die seetüchtigsten und solidesten Schiffe überhaupt. So etwas würden wir uns auch konfigurieren, wenn wir in Rente gehen und um die Welt reisen könnten.“ Das schlichte Outfit für Mast, Krähennest oder Drohne - alles dient dem Spaß und dem leichtem Unterhalt: „Wir bereiten gerade die Winterversion vor, mit Schneemobilen statt Jetskis, sowie Skiausrüstungen.”

Und die knallige Farbe? „Orange ist das Gegenteil von Blau auf dem Farbkreis”, sagt der Verkaufschef, “wenn du eine Orange ins Wasser wirfst, kannst du sie aus 100 Meter Entfernung sehen.” Demnach wird man auch „RAW” meilenweit erkennen können. „Außerdem”, führt Buonpensiere weiter aus, „ist Orange nicht seit einer Weile das neue Schwarz?”


Uske Berndt

Uske Berndt

Redakteurin News & Panorama

Uske hat eine Schwäche für die ganz Großen und schreibt vor allem Geschichten über motorisierte Superyachten: Neubauprojekte, Wasserungen und detaillierte Porträts. Dabei nimmt sie die Leser über alle drei bis sechs der schwimmenden Etagen mit, erklärt die Antriebstechnik und die Finessen des Interieur-Designs. Je exklusiver und spezieller, desto besser.

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