„Regina d’Italia“Stefano Gabbana kreiert 65-Meter-Codecasa als Hommage an Italien

Leonie Meyer

 · 15.02.2026

Leben an Deck: Codecasa lieferte das 65-Meter-Format 2019 aus.
Foto: M2Atelier / Ocean Independence
Für das Interieur der „Regina d’Italia“ legte Stefano Gabbana selbst Hand an und unterstützte das Mailänder Designstudio M2 Atelier. Die Modelegende sieht Italien als Quelle unerschöpflicher Inspiration – eine Haltung, die auf den 65 Metern aus dem Hause Codecasa mehr als deutlich wird.

Öffnet sich achtern auf dem Hauptdeck die gläserne Tür zum Salon, scheint es, als würde ein Vorhang zu einem Laufsteg aufgehen: Ein langer, dunkelblauer Teppich zieht sich über dem Teakboden durch den Vorraum bis in den großen Salon. Wie sollte es auch anders sein auf der Yacht eines Modeschöpfers? Die 65 Meter lange „Regina d’Italia“, die Codecasa 2019 baute, gehört keinem Geringeren als Stefano Gabbana, der 1985 gemeinsam mit Domenico Dolce das Mode-Label Dolce & Gabbana gründete.

Salon an Bord der „Regina d’Italia“ imitiert die Unterwasserwelt

Die tiefblauen Wände im Entree sind sanft gewölbt, überall tummeln sich Fische, Quallen und Korallen. Der Salon selbst erstreckt sich fast über die gesamte Rumpfbreite, das Volumen der Yacht von 1.300 Gross Tons macht sich hier deutlich bemerkbar. Zwei blaue halbrunde Sofas stehen sich gegenüber und bilden das Zentrum, links und rechts flankiert von zwei weiteren Sitzbänken, die den Blick durch die hohen Fenster auf das Meer freigeben. Wiederkehrende Elemente ziehen sich durch das gesamte Interieur, das Stefano Gabbana gemeinsam mit dem Mailänder Designstudio M2 Atelier kreierte. Den runden Teppich sowie die Beistelltische schmücken ebenfalls Meerestiere, die sich auch auf dem Fornasetti-Esstisch und der Wand, die als Stauraum genutzt wird, wiederfinden und sich in der Decke spiegeln. Die elf Chartergäste bekommen auf allen Ebenen das Gefühl, unter Wasser zu wohnen. Die Stühle im Barockstil mit Leoparden-Print setzen eine stimmige Kontrastnote zur ruhigen, tiefblauen Farbwelt.

Ausdruck italienischer Körpersprache

Vom Salon aus führt der Weg in die Lobby. Mit dem verspiegelten Aufzug, der wie eine Pforte zu einer anderen Welt wirkt, gelangen Eigner und Gäste schnell auf jedes Deck. Folgt man dem Flur ein Stück weiter, findet sich hier das erste Bad. „Hier wurde ein besonderer, dunkelblauer Marmor aus Brasilien gewählt“, erklärt Marco Vandoni, Broker bei Ocean Independence, der die Besucher über die Yacht des Eigners aus Mailand führt. Die Türgriffe und Armaturen aus Bronze sind wie Hände geformt – sie zeigen ikonische italienische Gesten, die sich klar in der dunklen Umgebung abheben. Sie sind wohl das spielerischste und markanteste Designelement an Bord der „Regina d’Italia“. Dabei sind sie nicht nur als ein Schmuckstück gedacht, sondern Ausdruck italienischer Körpersprache. Wie Stefano Gabbana gegenüber dem Lifestyle-Magazin „Pursuit“ in einem Interview sagte: „Unsere Kollektionen sind nicht nur Modeschöpfungen – sie erzählen italienische Geschichten, Erinnerungen, Symbole und Kultur.“ Dieses Stilbild wird selbst in den kleinsten Details des Interieurs sichtbar.

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Der Flur entfaltet sich wie ein dunkles Labyrinth mit verspiegelten Decken- und Wandelementen. Doch glücklicherweise führt nur ein Weg in das Eigner-Apartment im vorderen Teil der Yacht. Ursprünglich waren hier zwei Suiten eingeplant. „Wir haben 2020 die beiden Kabinen zu einer zusammengeführt“, berichtet Marco Vandoni über das Refit. Das Resultat ist eine Suite mit 110 Quadratmetern Fläche, die die Yachtbreite von 11,20 Metern ausnutzt. Das Bett ist mittig im Raum platziert, die Maße übertreffen Kingsize bei Weitem. Verspiegelte Decken und Wandelemente ziehen das Blau des Ozeans in die Suite hinein und verleihen den Räumen eine illusionäre Tiefe. Beidseitig des Waschtisches führen Spiegeltüren mit großen Bronze-Händen als Türgriffe in die Bäder an Steuer- und Backbord. Werden beide Türen geöffnet, leuchten die dahinterliegenden Räume in dunkelblauem Marmor.

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​„Ma che vuoi?“

Zurück in der Lobby weisen Bronze-Hände am Handlauf den Weg über die Treppe auf das Unterdeck, wo bis zu acht Gäste residieren. Für den VIP-Bereich wurden vier symmetrische Suiten eingeplant: vorne zwei Doppelkabinen und hinten zwei Räume mit Queensize-Betten. Auch in den mit hell­blauem brasilianischen Marmor verkleideten Bädern spielen die Bronze-Armaturen eine Rolle. In einem VIP-Bad berühren sich die Fingerspitzen und repräsentieren offensichtlich eine der bekanntesten Handgesten in Italien. Sie steht für „Ma che vuoi?“ und lässt sich mit „Was willst du?“ übersetzen. Je nach Kontext symbolisiert dies Ungeduld oder Verwirrung. In einem anderen Gästebad zeigen die Hände am Waschtisch das Peace-Symbol und stehen für Frieden. Im Kontrast dazu reckt sich auf der anderen Seite der Mittelfinger in die Höhe. Fahren die Gäste mit dem Fahrstuhl zwei Decks nach oben, erreichen sie die Skylounge mit spektakulärer Aussicht. Auch hier reflektieren die Decken über den langen Sofas den Ozean.

​Achteraus öffnet sich der Speiseplatz mit einer Tischplatte, die aus demselben blauen Marmor wie in den Gästebädern gefertigt wurde. Goldene Details, etwa in Form von wuchtigen Trinkkelchen, heben sich davon ab. In der angrenzenden Sofalounge serviert die Crew gerne einen Digestif oder Sundowner. Das Vordeck hingegen kommt eher funktional daher. Ein großer Stauraum lässt sich hydraulisch öffnen und bringt den Kran zum Vorschein, der sich zu beiden Seiten dreht. Er manövriert Watertoys wie Seadoos und Seabobs ins Wasser.

​Ein Raumschiff für den Kapitän der „Regina d’Italia“

​Auf der Brücke landen die Besucher unmittelbar in der Szenerie eines Raumschiffs, Marco Vandoni wählt hier treffend das Adjektiv „minimalistisch“. Drei frei stehende Pulte mit Multifunktionsdisplays lassen dem Kapitän und seinem Team viel Bewegungsfläche – und ungehinderten 180-Grad-Ausblick. Von hier werden die beiden Caterpillar-Motoren gesteuert, die die nach RINA zertifizierten 65 Meter mit 1.471 Kilowatt Leistung auf maximal 18,5 Knoten beschleunigen. Die Reise­geschwindigkeit liegt bei 15 Knoten. Der Treibstofftank fasst 160.000 Liter Diesel, mit 13 Knoten Fahrt kommt die Königin damit bis zu 4.300 Seemeilen weit. Dazu bunkern die Frisch­wassertanks 35.000 Liter, sodass der Verdränger des Mode­schöpfers jederzeit zu fernen Destinationen aufbrechen kann. CAT-Generatoren (2 x 218 kW und 1 x 164 kW) sorgen stets für einen reibungslosen Hotelbetrieb. Codecasa stattete „­Regina d’Italia“ mit Zero-Speed-Stabilisatoren aus, die nahezu lautlos arbeiten und unter Fahrt und vor Anker die Rollbewegungen reduzieren. Während der Kapitän auf der Brücke arbeitet und dahinter übernachtet, zieht sich die 15-köpfige Crew in zwei Lounges und drei Messen auf dem Unterdeck zurück. Dahinter liegen sieben Kabinen mit Doppelbetten, der Chief Engineer profitiert von einer Einzelkabine. Die funktionale Galley wurde auf dem Oberdeck platziert, um eine professionelle Logistik zu gewährleisten und zugleich bestmöglich die Privatsphäre der Eigner und Gäste zu wahren.

​Die Gäste trainieren unter einer Kuppel

​Auf dem Sonnendeck lässt es sich gut den ganzen Tag aushalten. Acht Teak-Liegestühle laden zum Sonnenbaden ein, zum Abkühlen ziehen die Gäste ein paar Bahnen im sieben Meter langen Pool, dessen Becken schmücken kunstvolle Mosaik-Fliesen aus Marmor. Eine Umrandung aus Teak setzt dem kühlen Design etwas Wärme entgegen. Ein automatisches Nachfüllsystem hält das Poolwasser konstant auf dem richtigen Level und spart somit Wasserressourcen. Von der Poolterrasse führen einige Treppenstufen zum Gym, das alles für TRX-Training und diverse Kraftübungen bereithält. Eine Kuppel in der Decke weitet den luftigen Raum und sorgt für zusätzliche Höhe, damit sich die Gäste beim Seilspringen gefahrlos auspowern können. Achtern öffnet sich eine Bar – auch hier zieren Fische und andere Meeresbewohner die Wände und Barhocker. Um nun in die echte Unterwasserwelt abzutauchen, begeben sich die Gäste zur Badeplattform, wo sich auch die Tendergarage mit Zugang zum Motorenraum befindet. Die erweiterbare Plattform erleichtert den Sprung ins kühle Nass. Wer auf den Spuren einer Design-Ikone reisen möchte, hat dazu aktuell die Chance. Ocean Independence listet „Regina d’Italia“ für 54 Millionen Euro.


Technische Daten

  • ​Gesamtlänge: 65,00 m
  • Wasserlinienlänge: 53,30 m
  • Breite: 11,20 m
  • Tiefgang: 3,30 m
  • Bruttotonnage: 1.300 GT
  • Verdrängung: 970 Tonnen
  • Rumpf / Überbau: Stahl / Aluminium
  • Motoren: 2 x Caterpillar 3516B DITA, 2000 PS
  • Generatoren: 3 x CAT (2 x 218 kW, 1 x 164 kW)
  • Reisegeschwindigkeit: 15 Knoten
  • Höchstgeschwindigkeit: 18,5 Knoten
  • Reichweite: 4.300 Seemeilen bei 13 Knoten
  • Naval-Architektur: Cantieri Navali Codecasa S.p.A.
  • Exterieurdesign: Cantieri Navali Codecasa S.p.A.
  • Innenarchitektur: M2 Atelier / Stefano Gabbana
  • Preis: 54.000.000 Euro

Leonie Meyer

Leonie Meyer

Redakteurin Wassersport Digital-Redaktion

Leonie Meyer wuchs mit dem Bootfahren in Kroatien auf und blätterte schon als Kind durch das BOOTE-Magazin ihres Vaters. Während und nach ihrem abgeschlossenen Internationalen Journalismus-Studium absolvierte sie Praktika bei verschiedenen Medien im Ausland. 2020 zog sie es für ein Praktikum zum BOOTE-Magazin, weshalb sie nach ihrem Volontariat bei einer Tageszeitung zurückkehrte. Seit 2023 arbeitet Leonie Meyer als Redakteurin in der Wassersport Digital-Redaktion und ist neben dem Betreuen der Websites unter anderem für den YACHT-Podcast zuständig.

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